Servicestunde | 04.01.2022 Finanztest: Wie Sie unberechtigte Mobilfunkgebühren zurückholen

Haben Sie schon mal Gebühren auf Ihrer Mobilfunkrechnung gehabt, die Sie sich nicht erklären konnten? Wenn ja, dann sind Sie kein Einzelfall. Immer wieder versuchen Drittanbieter Sonderdienste über Sim-Karten einzufordern. Finanztest hat dazu Beschwerden von Verbrauchern gesammelt. In der Servicestunde erklären wir, wie Sie Ihr Geld in solchen Fällen zurückfordern.

Im Hintergrund: eine Laptoptastatur, dunkler Laptop. Im Vordergrund: 2 Hände. Rechte Hand hält ein Smartphone mit schwarzem Bildschirm, linke Hand hält 4 Fünzig-Euro-Scheine und 4 Zwanzig-Euro-Scheine
Webebanner, Pop-Ups und manipulierte Links können Smartphone-Kunden in Kaufverträge locken, die Sie nie eingehen wollten. Bildrechte: Colourbox.de

Die Telefonrechnung ist längst nicht mehr, was sie einmal war. Früher standen auf der Rechnung die Kosten für Telefongespräche und vielleicht noch Gebühren für den Anschluss - mehr aber nicht. Heutzutage ist das anders: Mobilfunkanbieter rechnen inzwischen auch eine Vielzahl von Drittanbieter-Diensten ab.

Denn das Smartphone macht bargeldloses Bezahlen kinderleicht. Per Simkarte werden etwa die Kosten für Software, Parktickets, Fahrscheine und viele andere Dienste einer Mobilfunknummer zugeordnet und beim dazugehörigen Kunden über die Telefonrechnung abgebucht.

Geschäftsmodell für Mobilfunkanbieter

Diese Drei-Ecken-Abrechnungsverfahren ist eigentlich eine praktische Sache: Der Kunde kann schnell und unkompliziert einen Dienst in Anspruch nehmen, den der Dienstleister (Drittanbieter) über die Telefonnummer abrechnet. Für die Bereitstellung der Infrastruktur erhalten die Mobilfunkanbieter eine kleine Gewinnbeteiligung vom Drittanbieter. Insbesondere für die Mobilfunkanbieter summieren sich diese Gewinnbeteiligungen aufgrund der Vielzahl ihrer Kunden zu einem lukrativen Zusatzeinkommen.

Auf einem Smartphone wird die Fairtiq-App dargestellt.
Ein Fahrschein direkt mit dem Smartphone kaufen ist einfach und bequem, wenn der Drittanbieter vertrauenswürdig ist. Bildrechte: dpa

Werbebanner als Schlupflöcher für Betrüger

Doch umso häufiger diese Bezahlform genutzt wird, desto häufger bieten sich auch Schlupflöcher für Betrüger, die Kosten abrechnen, die der Kunde nie in Anspruch genommen hat. Technisch funktioniert das häufig über manipulierte Werbebanner und Pop-Ups, die den Kunden unfreiwillig in eine Abo-Falle locken. Viele dieser Fallen sind so unverdächtig programmiert, dass es dem Betrogenen erst auffällt, wenn die ersten hohen Beträge in der Telefonrechnung auftauchen und schon vom Konto abgebucht wurden.

Das passiert übrigens nicht nur über aktiv genutzte Telefonnummern, sondern auch über inaktive Sim-Karten. So hat das Verbrauchermagazin Finanztest eine Reihe von Beschwerden gesammelt, in denen zum Beispiel ungenutzte Zweit-Sim-Karten belastet wurden, die im Rahmen eines Mobilfunkvertrages kostenlos mitgeliefert wurden. Im Fall einer älteren Dame versuchte eine dubiose Firma eine Rechnung über rund 70 Euro über eine Sim-Karte abzurechnen, die seit zehn Jahren ungenutzt in der Schublade lag.

Eine Frau bezahlt mit ihrem Handy und einer Kreditkarte
Mit dem Smartphone schnell und unkompliziert bezahlen. Problematisch wird es erst, wenn Käufe abgerechnet werden, die nie wissentlich getätigt wurden. Bildrechte: imago images / Westend61

Wie sicher ist das "Redirect Verfahren"?

Um solche Betrugsfälle zu verhindern, hat die Bundesnetzagentur das sogenannte "Redirect-Verfahren" zur Pflicht gemacht. Dadurch sollen Handy-Käufe nicht durch das einmalige Klicken eines Buttons verpflichtend werden. Stattdessen soll vom Drittanbieter immer erst auf die Seite des Mobilfunkanbieters umgeleitet (eng.: "redirect") werden, um einen Kauf zu bestätigen.

In der Praxis finden laut Finanztest Betrüger aber immer wieder technische Lösungen dieses Verfahren zu umgehen oder auszutricksen. Das Redirect bietet deshalb nur eine scheinbare Sicherheit. Tatsächlich sind Mobilfunkanbieter, die das Redirect-Verfahren nicht ordnungsgemäß umsetzen, zumindest theoretisch sogar zu Schadensersatzleistungen verpflichtet. In der Praxis ist es jedoch schwer einen Mobilfunkanbieter zur Zahlung zu bewegen.

Wie bekomme ich mein Geld zurück?

Der Versuch eine Abofalle oder einen ungetätigten Kauf zu reklamieren, wird von vielen Mobilfunkanbieter zunächst mal abgewehrt: "Die Nutzung der reklamierten Dienste konnte eindeutig ihrer Rufnummer zugeordnet werden", ist einer der Standartsätze, der unter anderem von Vodafone, Mobilcom-Debitel und O2 verwendet wird und mit dem Mobilfunkanbieter auf das Geld pochen. Doch Fakt ist: Der Mobilfunkanbieter muss Ihnen den Kauf nachweisen können.

Deshalb sollten Sie dem Mobilfunkanbieter auf jeden Fall schriftlich darauf aufmerksam machen, dass Sie dem Kauf nicht zugestimmt haben. Zahlen Sie nicht und gehen Sie nicht auf Mahnungen oder anderen Drohschreiben ein. Sollte das Geld schon per Lastschriftverfahren abgebucht worden sein, können Sie sich den Betrag über Ihre Bank zurückbuchen lassen. Bei Mahnschreiben sollten Sie unbedingt die Verbraucherzentrale einschalten.

Wie verhindere ich ungewollte Abbuchungen?

Das funktioniert über eine Drittanbietersperre. Diese kann bei Ihrem Mobilfunkunternehmen per Brief, via Mail oder im Kundenportal aktiviert werden. Die Drittanbietersperre wird unter § 45d des Telekommunikationsgesetz geregelt. Sie verhindert, dass Dritte Ihre Telefonnummer nutzen können, um ihnen ein Kauf in Rechnung zu stellen.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag | 04. Januar 2022 | 11:00 Uhr