Hände und Wischlappen beim Fensterputzen
Nicht immer gleich die chemische Keule rausholen! Bildrechte: Colourbox.de

Servicestunde | 06.02.2019 Reinigen wir uns krank?

Sind wir noch ganz sauber? fragt Autorin Hanne Tügel. Sie empfiehlt: "Klüger mit Schmutz umgehen, gesünder leben, der Umwelt helfen". Wie man das im Alltag schafft, bespricht Moderator Matthias Haase mit ihr in der Servicestunde.

Hände und Wischlappen beim Fensterputzen
Nicht immer gleich die chemische Keule rausholen! Bildrechte: Colourbox.de

Es gibt keine absolute Sauberkeit, der Dreck gewinnt immer, behauptet Autorin Hanne Tügel. Aber wie können wir klüger mit ihm umgehen? Und vor allem umweltschonender? Auch kleine Veränderungen in unserem Tun können dazu beitragen, die Natur und unsere Umwelt zu schützen und zukunftsweisend zu handeln.

Schmutz war schon da, bevor es den Menschen gab. Die Natur ist voller Staub und Krankheitskeime.

Hanne Tügel

Im 19. Jahrhundert wurden die Bakterien entdeckt. Damit bekamen Schmutz und Saubermachen eine ganz neue Dimension. Es wurde zur öffentlichen Aufgabe und Bürgerpflicht. Es war die Zeit, als sich die Kanalisationen in den Städten durchsetzten, genau wie die Straßenreinigung und der Kehrplan für das Treppenhaus.

Die Menschen übertrieben es mittlerweile mit ihrer Hygiene. Durch das viele Putzen - auch an uns selbst - machen wir uns nur anfälliger für Krankheiten und Allergien. Denn Bakterien sind nicht gleich schlecht. Wir Menschen bestehen aus mehreren Kilogramm Bakterien, ohne die wir längst tot wären. Allerdings ist und bleibt das Händewaschen mit Seife die wichtigste Hygieneregel.

Antibakterielle Reiniger - sinnvoll oder nicht?

Antibakterielle und antivirale Reiniger verkaufen sich bestens, kommen sie doch unserem Bedürfnis nach einer sauberen und gesunden Umwelt entgegen. Aber alle grundlos verwendeten Hygienereiniger, -tücher und -sprays mit den darin enthaltenen Biozide dazu bei, dass immer mehr Krankheitserreger Resistenzen entwickeln. Weil nicht alle Keime abgetötet werden können oder bei falscher Anwendung mit nur wenig Wirkstoff in Kontakt kommen, gewöhnen sie sich daran und werden unempfindlich. Das Ergebnis sind unter anderem multiresistente Krankenhauskeime, gegen die es kaum noch wirkungsvolle Antibiotika gibt.

Weiterhin geht von diesen Reinigern eine ganz klare Gefährdung der Gesundheit gerade von kleinen Kindern aus. Bestimmte Inhaltsstoffe wie Diethylphthalat (DEP) können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Methylchloroisothiazolinon wird ebenfalls in antibakteriellen Reinigern verwendet und steht im Verdacht, Allergien auszulösen.

Hinzu kommt das falsche Denkprinzip: Gerade Kinder brauchen für die Entwicklung einer starken Abwehr immer wieder Gegner in Form von Keimen und Bakterien, um ihr Immunsystem zu trainieren. Ein Mensch, der in nahezu steriler Umwelt groß wird, hat ein Immunsystem, das später bei kleinsten Problemen zusammenbricht oder auf ungefährliche Stoffe wie Blütenstaub oder Tierhaare mit einer Überreaktion, also einer Allergie, antwortet.  

Der Werbemarkt versucht uns einzureden, dass die ultimative Reinheit ein Ziel ist.

Hanne Tügel

Natürlich putzen - die Umwelt schützen

  • Im Haushalt nicht immer gleich die chemische Putzkeule schwingen. Gegen schlierige Fensterscheiben hilft Wasser mit Spiritus. Gegen Fett und Schimmel hat sich Sodawasser als nützlich erwiesen. Verkalkte Amaturen bekommt man mit Zitronenwasser oder Essig wieder strahlend blank.

  • Haushaltsreiniger richtig kombinieren. Viele Mittel werden falsch eingesetzt. Zum Beispiel im Bad: Da wird schnell mal Chlorreiniger parallel zum Entkalker benutzt - zusammen kann das Chlorgas erzeugen und die Lunge schädigen.

  • Tragen Sie bei ätzenden Reinigern unbedingt Gummihandschuhe! Sonst könnten Giftstoffe über die Haut aufgenommen werden und auf Dauer Ihre Gesundheit schädigen.

  • Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler nach Gebrauch offen stehen lassen, damit die Geräte abtrocknen können.

Mikroplastik vermeiden

Die Deutschen verbrauchen rund 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher im Jahr. Einwegbecher bestehen überwiegend aus Papierfasern, für deren Herstellung in aller Regel Neumaterial eingesetzt wird. Es werden praktisch keine Recyclingpapierfasern genutzt, so dass für die Herstellung der Pappbecher neue Bäume gefällt werden müssen.

Zudem bestehen sie aus dem Kunststoff Polyethylen, wofür Rohöl benötigt wird. Am Ende landet er im Müll und sogar in unseren Meeren. Ein Thermosbecher, den man ausspülen und immer wieder verwenden kann, kostet nicht die Welt. Und der tägliche Kaffee zu Hause schont auf Dauer das eigene Portemonnaie. 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 06. Februar 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 13:52 Uhr

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