Servicestunde | 09.12.2019 Internetbestellungen - Wenn die Lieferung nicht aus der EU kommt

Schnell online auf "Kaufen" geklickt und schon klingelt der Postbote. Oder auch nicht. Zum Beispiel, wenn die Waren zollpflichtig sind, weil sie aus Übersee kommen. Als Kunde kann man das schnell übersehen. Aber auch das schützt nicht vor Zoll-Nachzahlungen. Holger Giersbach vom Erfurter Hauptzollamt gibt in unserer Servicestunde Tipps, was Kunden beim Kauf im Internet bedenken sollten.

Beim Online-Einkauf innerhalb der EU bestehen fast keine Einschränkungen. Ausnahmen bilden Kaffee, Tabakwaren und alkoholische Getränke - sie unterliegen der Verbrauchssteuer. Diese wird individuell pro Land festgelegt.

Online-Shopping in Nicht-EU-Ländern

Wer in einem Shop aus einem Nicht-EU-Land bestellt, muss in vielen Fällen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Ausgenommen sind nur private Geschenksendungen bis 45 Euro. Generell gilt: Waren, die über das Internet z.B. in Asien, den USA oder Südafrika bestellt wurden und

  • einen Warenwert unter 22 Euro aufweisen, sind abgabenfrei.
  • einen Warenwert von über 22 Euro aufweisen, sind einfuhrumsatzsteuerpflichtig.
  • einen Warenwert von über 150 Euro aufweisen, sind zoll- und einfuhrumsatzsteuerpflichtig.

Einfuhrumsatzsteuer für Sendungen - ab 22 Euro Warenwert

Einfuhrumsatzsteuer wird auf Waren aus Drittländern erhoben. Sie liegt in der Regel bei sieben Prozent (für Bücher und Lebensmittel) bzw. 19 Prozent, abgeleitet von unserer Mehrwertsteuer. Sie wird nicht nur auf den Wert der Ware erhoben. Hinzu kommen noch die Transportkosten und - je nach Art der Sendung - Zoll, Verbrauchssteuer (zum Beispiel bei Alkohol oder Tabak) sowie innergemeinschaftliche Beförderungskosten.

Wenn es sich bei einer Sendung um ein Geschenk handelt und privat verschickt wird, steigt die Freigrenze von 22 auf 45 Euro. Für teurere Geschenke wird ebenfalls eine Einfuhrumsatzsteuer fällig.

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Achtung: Gesamtwert ist nicht der Kaufpreis

Mutter und Tochter beim Onlineshopping (Symbolbild)
Mutter und Tochter beim Onlineshopping (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Westend61

Wer sich zum Beispiel aus den USA etwas für umgerechnet 17 Euro bestellt und nun denkt, von allen Abgaben befreit zu sein, der kann sich täuschen. Denn der Gesamtwert einer Sendung ist nicht gleichzeitig auch der Kaufpreis. Entscheidend ist nämlich, welcher Betrag tatsächlich gezahlt wurde, um die Ware zu erhalten. Dazu gehören auch die Versandkosten. Das führt dazu, dass aus 17 Euro Warenwert plus 7 Euro Versandkosten 24 Euro werden. Auf diese Summe werden noch 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer draufgerechnet.

Direkter Ansprechpartner für alle deutschen Verbraucher in grenzüberschreitenden Fragen in das Europäische Verbraucherzentrum:

Gebühren für den Zoll - ab 150 Euro Warenwert

Generell gilt: Zollgebühren fallen ab einem Warenwert von 150 Euro an. Dazu kommen noch die Versandgebühren und die Einfuhrumsatzsteuer. Wie viel Zoll zu zahlen ist, hängt von der Ware selbst, ihrem Wert und ihrem Ursprungsland ab. Bei Textilien aus den USA beträgt der Satz beispielsweise zwölf Prozent, bei Zweirädern sind es 15 Prozent. Gebiete, die nicht der Zollunion angehören, werden genauso besteuert wie Bestellungen aus Nicht-EU-Staaten. Die britischen Kanalinseln gehören zwar zu Großbritannien (somit Teil der Zollunion), sind allerdings nicht zugehörig zum Steuergebiet der EU. Eine Auflistung der verschiedenen Zollsätze auf Sendungen aus einem Nicht-EU-Land gibt es hier:

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 09. Dezember 2019 | 11:10 Uhr