Servicestunde | 03.11.2020 Johanniskraut gegen den Herbstblues?

Johanniskraut gilt als Stimmungsaufheller und soll gegen leichte Depressionen helfen. Wie funktionieren die Produkte und helfen sie wirklich gegen schlechte Stimmung? Stiftung Warentest hat handelsübliche Produkte vom Tee bis zur Kapsel getestet. In der Servicestunde spricht Matthias Haase mit einem Experten der Stiftung Warentest über Johanniskraut.

Echtes Johanniskraut
Die hübschen Blüten des Johanniskrautes stecken voller Wirkstoffe. Bildrechte: IMAGO

Was ist Johanniskraut und wie wirkt es?

Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine alte Heilpflanze. Traditionell werden die Blätter und Blüten getrocknet und als Tee angewendet, der ausgleichend wirken soll. Neben Tees gibt es in Apotheken und Drogeriemärkten zahlreiche andere Präparate mit Johanniskrautextrakten. Sie sollen bei nervlichen Belastungen, Unruhe, Schlafstörungen und milden depressiven Verstimmungen wirken. Und tatsächlich zeigten Studien, dass Johanniskrautextrakte genauso gut wirken können wie ein Antidepressivum. Das liegt an seiner Wirkungsweise.

Wirkung gegen Depression

Echtes Johanniskraut
Echtes Johanniskraut Bildrechte: imago/blickwinkel

Der Hauptinhaltsstoff des Johanniskrautes - das Hyperforin - wirkt direkt im Gehirn. Dort werden zwischen den einzelnen Nervenzellen Botenstoffe ausgeschüttet. Bei einer Depression werden einige dieser Botenstoffe zu schnell wieder in die Nervenzellen aufgenommen. Das Hyperforin bewirkt, dass die Botenstoffe länger außerhalb der Nervenzelle bleiben und dort über verschiedene Rezeptoren ihre Wirkung entfalten können. Für eine antidepressive Wirkung müssen pro Tag etwa 900 Milligramm des Extrakts aufgenommen werden. Während die Wirkung gegen Depressionen gut belegt ist, schneidet das Mittel beim Einsatz gegen Schlaflosigkeit und Nervosität nicht so gut ab.

Medikamentenwechselwirkung

Johanniskraut darf sich jeder selber kaufen. Es ist nicht verschreibungspflichtig. Trotzdem bedeutet das nicht, dass es harmlos ist. Johanniskraut beeinflusst die Wirksamkeit anderer Medikamente: empfängnisverhütende Mittel, Antidepressive, Mittel gegen Herzschwäche und Mittel, die nach Organtransplantationen gegeben werden. Deshalb dürfen beispielsweise Menschen, die Virostatika oder Krebsmedikamente nehmen oder unter schweren Depressionen leiden, kein Johanniskraut nehmen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Der Vormittag mit Haase und Waage