Servicestunde | 11.12.2019 Weihnachtsfotos im Internet - Kinder haben ein Mitspracherecht

Ein Familienfoto unterm Weihnachtsbaum wird an alle Freunde und Familienmitglieder binnen weniger Sekunden versendet. Doch gehören Kinderfotos ins Netz ohne die Zustimmung der Kinder?

Eine als Väterchen Frost und Schneeflöckchen verkleidete Familie mit Kleinkind lässt sich mit einem Handy fotografieren.
Kinder haben ein Recht zu entscheiden, ob das Foto mit ihnen als Motiv versendet werden darf oder nicht. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Ob zur Geburt, zum Geburtstag oder zur Weihnachtszeit: Kinderfotos werden gerne gemacht und geteilt. Erinnerungen können viele Formate haben. Vor allem Bilder sind sehr beliebt, da sie über Jahre hinweg an diese individuellen Momente erinnern. Mal eben schnell per WhatsApp an die Freunde senden oder bei Facebook die niedlichen Fotos des Kindes hochladen? Doch was ist, wenn das Kind nicht einverstanden ist? Kinder verfügen ebenso über Persönlichkeitsrechte, wie Erwachsene.

Das Recht der Kinder

Das Recht am eigenen Bild steht schon den Kleinsten zu. Projektleiterin Luise Meergans vom Deutschen Kinderhilfswerk e.V. sagt, dass Kindern bereits im frühen Alter eine Zurechnungsfähigkeit zugetraut werden kann, über die eigenen Bilder zu reden. Ein Gefühl der Peinlichkeit sei auch bei den Sprösslingen bereits vorhanden, was nicht ignoriert werden sollte. Durch die sozialen Medien ist das Internet noch "gewachsen". So erscheint das Versenden von Bildern bei WhatsApp zunächst nicht öffentlich, doch der Messenger gehört zum Facebook-Unternehmen. Hier sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu beachten, die von Unternehmen zu Unternehmen variieren können. Mit nur einem Klick ist ein Kinderbild veröffentlicht, an dem die Person letztendlich keine Rechte mehr hat. Bisher können biometrische Daten des Gesichtes gespeichert werden. Sich dies ins Bewusstsein zu rufen, kann helfen achtsam mit den persönlichen Daten und den Daten der Kinder umzugehen.

Kinderfotos im Netz

Sobald die Fotos verfänglich, peinlich oder gegen den Willen des Kindes sind, ist das Internet keine Variante, um die Erinnerungen zu speichern! Denn es stellt einen "gesellschaftlichen Raum" dar, in dem soziale Prozesse sattfinden. Kinder gehören zu dieser Gesellschaft dazu, weshalb Kinderfotos im Netz eine wichtige Rolle spielen, wie Luise Meergans vom Deutschen Kinderhilfswerk e.V sagt. Nichtsdestotrotz müssen hierbei aber die Schutzrechte des Nachwuchses beachtet und berücksichtigt werden.

Gemeinsam eine Lösung finden

Eltern mit Kind
Durch die Einbeziehung des Kindes kann die Medienkompetenz gefördert werden. Bildrechte: colourbox.com

Beziehen Eltern ihre Kinder beim Foto-Posten mit ein, kann sich das Medienbewusstsein schon im kindlichen und jugendlichen Alter entwickeln. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Eltern und Kind kann dabei helfen, das Internetverhalten zu hinterfragen und darauf zu achten - auch vorsorglich.

Kinder haben Persönlichkeitsrechte, die sie in der Regel gerichtlich nicht durchsetzen können. Daher sind sie größtenteils auf den Schutz der Eltern angewiesen, die ihre Kleinen mit eigenen Rechten anerkennen müssen. Vor dem Veröffentlichen sollte deshalb im Sinne der Kinder und nicht im Sinne der Reichweite gehandelt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 11. Dezember 2019 | 11:00 Uhr