Servicestunde | 02.03.2020 Nachbarlärm in der Mietwohnung

Trampeln, Schreien, Toben: Wie viel Lärm kann man seinen Nachbarn zumuten? In der Servicestunde klärt Moderator Matthias Haase diese und andere Fragen rund um laute Nachbarn mit Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Kinder mit Musikinstrumenten machen Lärm
Kann zur Folter werden...Übungsstunden in der Wohnung über einem. Bildrechte: imago images / photothek

In Mehrfamilienhäusern gilt grundsätzlich das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Das bedeutet: Niemand kann seine Wohnung völlig geräuschlos nutzen. Aber die Nachbarn haben Anspruch darauf, das so wenig wie möglich aus der Nachbarwohnung zu hören ist.

Wer sich vom Lärm der Nachbarn gestört fühlt, sollte sich ein Herz fassen und es ansprechen, empfiehlt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund:

Wenn irgendwelche Musikanlagen durch die Gegend dröhnen und stundenlang die Bässe zu hören sind, dann ist das sicherlich eine Grenzüberschreitung. Da muss man dies als Nachbarn nicht hinnehmen.

Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund

Ein kleiner Hund läuft an einer Lautsprecherbox vorbei
Der Hund bellt, die Musikanlage schallt...auf gute Nachbarschaft! Bildrechte: Colourbox.de

Heilige Nachtruhe

Dabei kommt es auch auf die Zeiten an, zu denen es laut ist.

Die Nachtruhe ist es heilig - sie gilt ab 22 Uhr. Das bedeutet, dass aus den Nachbarwohnungen dann nichts mehr zu hören sein darf. Elektronische Geräte müssen zurückgedreht werden. Lautstarkes Feiern nach 22 Uhr ist nicht mehr erlaubt.

Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund

Allerdings: Kleinkinder und Babys schreien nun mal auch nachts - das muss man akzeptieren, ganz egal, ob der Gesetzgeber zu dieser Zeit Nachtruhe vorsieht oder nicht.

Ein Mann liegt im Bett und hält sich mit dem Kopfkissen die Ohren zu.
Gute Nacht! Bildrechte: IMAGO

Ansprechen

Wer sich als Mieter durch Lärmstörungen übermäßig belästigt fühlt, kann sich an den Vermieter wenden. Der Vermieter muss dafür sorgen, dass die Regeln des Mietvertrages, also auch das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme, eingehalten werden. Und er kann den störenden, den lärmenden Nachbarn abmahnen und schlimmstenfalls kündigen. Bevor es aber soweit ist, ist der erste Ansprechpartner der Mieter/die Wohngemeinschaft, von dem/der ich mich gestört fühle.

Fühle ich mich als Nachbar zum Beispiel nachts durch laute Partys gestört, kann ich auch die Polizei rufen. Aber das ist sicherlich die letzte Variante, die man als Mieter hat.

Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund

Mietminderung

Lärmstörungen im Haus, egal aus welchem Grund, sind ein Anlass, die Miete zu kürzen, die Miete zu mindern. Als Mieter muss man das dem Vermieter schriftlich mitteilen. Dies gilt unabhängig davon, ob ich nachts nicht schlafen kann, weil meine Nachbarn laut feiern oder ob im Haus eine Baustelle eingerichtet wird und saniert wird. Der Grund und die Ursache für die Lärmstörungen spielen zunächst mal keine Rolle. Entscheidend ist, dass es bei mir so laut ist, dass ich nicht in Ruhe wohnen kann.

Amts- und Landgerichte die über Mietminderungen wegen Lärmbelästigung urteilen mussten, sahen zehn bis 30 Prozent als angemessen an.

Ich zahle die volle Miete bei hundert Prozent Leistungen. Das heißt, wenn die Wohnung hundertprozentig in Ordnung ist, ist die Wohnungen aufgrund der Lärmstörung für mich als Mieter nur zu 80 Prozent nutzbar. Dann kann ich die Miete um 20 Prozent kürzen und muss nur 80 Prozent zahlen.

Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund

Dabei helfen es zu bestimmen und durchzusetzen kann der örtliche Mieterverein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 02. März 2020 | 11:00 Uhr