Kleine Kunststoffpartikel, die einem Peeling Gel hinzugefügt waren, auf einer Fingerkuppe.
Flüssiges Plastik fand sich in elf von 26 Haarkuren. Bildrechte: imago/JOKER

Servicestunde | 06.11.2018 Lösliches Mikroplastik in Haarkuren

Mikroplastik steckt in allerlei Artikeln, in löslicher Form sogar in Haarkuren. Das hat die Zeitschrift "ökotest" herausgefunden. Warum die Bestandteile beigemischt werden, warum sie für die Umwelt nicht gut sind und was man als Verbraucher alternativ verwenden kann, ist Thema in der Servicestunde.

Kleine Kunststoffpartikel, die einem Peeling Gel hinzugefügt waren, auf einer Fingerkuppe.
Flüssiges Plastik fand sich in elf von 26 Haarkuren. Bildrechte: imago/JOKER

Die Zeitschrift "ökotest" hat 26 Haarkuren untersucht, darunter waren acht Kuren aus der Naturkosmetik.

Die gute Nachricht zuerst: In keiner der Kuren haben die Forscher feste Mikroplastikpartikel gefunden, aber in elf von ihnen waren pulverisierte oder lösliche Kunststoffverbindungen. Dazu gehören Silikone, synthetische Polymere, Duftstoffe und als kritisch eingestufte Konservierungsmittel wie Formaldehyd. Letzteres reizt die Schleimhäute, kann Allergien auslösen und gilt, wenn der Stoff über die Atemluft aufgenommen wird, als krebserregend. Vier Haarkuren haben daher das Testurteil "ungenügend" erhalten.

Mit einer Haarkur soll widerspenstiges Haar geglättet und zum Glänzen gebracht werden. Sie legt sich auf die aufgeraute Schuppenschicht des Haares und macht es dadurch leichter kämmbar. Silikone sind deshalb in Haarpflegemitteln so beliebt, weil sie dünne, glättende Filme auf der Haaroberfläche bilden. Das Ammoniumsalz "Polyquaternium" ist zudem cremig und löslich, dadurch fühlt sich das Produkt gut an. Es findet sich neben den untersuchten Haarkuren auch in Schampoos und Duschgels wieder. Es ummantelt das Haar und wirkt gegen elektrische Aufladung.

Doch Teile der Plastikverbindungen bleiben auch nach dem Auswaschen auf Haar und Kopfhaut. Der Rest wird ins Abwasser gespült und entweder zum Teil mit dem Klärschlamm auf die landwirtschaftlich genutzten Felder ausgebracht oder landet in Flüssen und im Meer. Denn Kläranlagen können festes Mikroplastik und vor allem lösliche Plastikverbindungen nicht aus dem Abwasser herausfiltern, sagt Meike Rix von der Zeitschrift "ökotest".

Tipp: Naturkosmetik kommt ohne Plastikverbindungen und Konservierungsmittel aus. Sie setzt auf pflanzliche Öle, Eiweiße oder Extrakte aus Zuckerrüben.

Was ist Mikroplastik? Mikroplastik bezeichnet kleine Kunststoff-Teilchen mit einem Durchmesser von unter fünf Millimetern. Laut einer aktuellen Studie des Frauenhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik entfallen auf jeden Deutschen pro Jahr rund vier Kilogramm Mikroplastik. Dazu gehören z.B. der Abrieb von Autoreifen, zerkleinerter Bauschutt oder Kosmetika mit Kunststoffpartikeln wie Dusch- oder Peeling-Gels. Hinzu kommt Mikroplastik in unbekannter Höhe, das durch Verwitterung und Zerfall großer Plastikteile entsteht.

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Forscher aus Österreich haben im Oktober nach eigenen Angaben erstmals Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen nachgewiesen. Bei einer Pilotstudie wurden Kunststoffpartikel in den Proben von allen acht Studienteilnehmern gefunden. Die nachgewiesenen Plastikteilchen hatten eine Größe von 50 bis 500 Mikrometer - also bis zu einem halben Millimeter und damit mit bloßem Auge sichtbar. Am häufigsten fanden sich in den Proben die chemischen Verbindungen Polypropylen und Polyethylenterephthalat, kurz PP und PET. PP findet sich unter anderem in Flaschenverschlüssen, Trinkhalmen und Verpackungen. PET kommt in Kunststoffflaschen, Folien und Textilfasern zum Einsatz.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 06. November 2018 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2018, 14:02 Uhr

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1 Kommentar

07.11.2018 05:49 part 1

Da haben wir es wieder, manche Hersteller dürfen Manschen und Panschen was das Zeug hält, der Verbraucher und Konsument, soll aber bitteschön auf Plastikartikel verzichten, die dem Grünen- Punkt- System wieder zugeführt werden können oder in den Sieben der Klärwerke hängen bleiben. Wirtschaftslobbyismus???