Ein Check-In-Schalter des britischen Reisekonzerns Thomas Cook im Südterminal des Flughafens Gatwick.
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Servicestunde | 23.09.2019 Nichts fliegt mehr: Tipps der Verbraucherzentrale Thüringen zur Thomas-Cook-Pleite

Kann ich in den Urlaub fliegen? Wie komme ich an mein Geld? Ist es erlaubt, dass ich im Hotel festgehalten werde und nicht abreisen darf? Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen erklärt in der Servicestunde, wo Betroffene der Thomas-Cook-Pleite Hilfe bekommen.

Ein Check-In-Schalter des britischen Reisekonzerns Thomas Cook im Südterminal des Flughafens Gatwick.
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Derzeit sind rund 140.000 Touristen mit deutschen Reiseveranstaltern von Thomas Cook im Urlaub. Während Britische Urlauber zurückgeholt werden, müssen Deutsche Urlauber schauen, wie sie klarkommen. Die "deutschen Töchter", zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt.

Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen rät im Interview, sich erstmal selber kümmern!:

Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen im MDR-Sendestudio
Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen im MDR-Sendestudio Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Ich rate Pauschalreisenden, mit dem Unternehmen zu sprechen, das den sogenannten Sicherungsschein ausgestellt hat. Vielleicht organisieren die etwas für alle Betroffenen.

Wenn nämlich jeder selber anfängt zu organisieren, wird es insgesamt sicherlich teurer, als wenn das Unternehmen selbst Flugzeuge chartert und Leute abholt.

Ralf Reichertz Verbraucherzentrale Thüringen

Wenn ich eine Pauschalreise gebucht habe

  • Sich direkt an Sicherungsunternehmen (das den "Sicherungsschein" ausgehändigt hat) wenden
  • Nachfragen, ob die etwas oraganisieren
  • Sonst gucken, ob jemand anders etwas organisiert
  • ...wenn nicht, sich selber kümmern und Kosten geltend machen

Für die Leute ist das eine sehr ärgerliche, frustrierende Situation. Sie sind im Urlaub oder wollen in den Urlaub wissen nicht:

  • komme ich heute zurück oder morgen zurück oder an dem Tag, an dem ich fliegen wollte.
  • Sollte ich mich um einen anderen Flug kümmern?
  • Was ist mit dem Hotel?

Die Kunden sind frustriert und man kann hoffen, dass sie durchhalten! Reichertz' Appell geht an die Bundesregierung, etwas zu organisieren - bei Luftfahrtbehörden und anderen Fluggesellschaften und die Leute zurückzuholen.

Wenn der Urlaub noch ansteht

Die Tochterunternehmen sind noch nicht pleite. Die verkaufen aber keine Reisen mehr. Ob für diese Woche gebuchte Reisen stattfinden können, ist unklar. Der Rat der Thüringer Verbraucherzentrale lautet daher:

  • Versuchen, anzurufen und zu klären, ob der Flug stattfindet. (Hotlines werden überlastet sein. Weil alle anrufen.)
  • Kunden müssen wohl zum Flughafen fahren und schauen, ob der Flug stattfindet.
  • Ich habe zwar das Recht zu kündigen, aber dann kommt eine Storno-Gebühr auf mich zu.
  • Versuchen, im Reisebüro jemanden zu erreichen oder beim Pauschalreiseanbieter.
  • Wenn ich nicht durchkomme, muss ich davon ausgehen, dass der Flug plamäßig geht.
  • Wenn der Flieger nicht abhebt, habe ich zusätzliche Kosten - das mache ich durch den Sicherungsschein geltend.

Wenn der Urlaub ausfällt

Wenn es sich um eine Pauschalreise handelt, habe ich den Sicherungsschein:

  • Schauen, wer hat ihn ausgestellt und Kontakt aufnehmen,
  • Sachen raussuchen, um Kosten zu belegen und geltend zu machen

Das Problem ist, dass die Sicherungsscheine auf 110 Millionen Euro Schadensersatz pro Jahr gedeckelt sein können - so muss man vielleicht einkalkulieren, dass das Geld bei dieser Pleite nicht für alle Kunden ausreicht. Kunden werden erst nächstes Jahr erfahren, ob und wie viel Geld sie bekommen.

Wenn auch einzelne Airlines pleitegehen, etwa Condor

Das ist genau das Problem - was Verbraucherzentralen seit Jahren fordern: Dass die Airline auch für Flüge einen Sicherungsschein anbieten muss. Das gibt es nicht - der Kunde trägt das Insolvenzrisiko des Vertragspartners mit:

  • Geht die Airline pleite, bleibt mir nichts übrig, als die Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden, aber die Aussichten sind nicht gut, man landet weit hinten.
  • Das wird sehr bitter für die Leute: Der Flug findet nicht statt und Geld gibt es wohl auch nicht zurück (außer vielleicht der Flug wurde über die Kreditkarte gebucht und der Anbieter deckt das mit ab).

Wenn mich das Hotel an der Abreise hindern will...

Hat die Verbraucherzentrale dafür wenig Verständnis. Die Leute haben ja gezahlt an Thomas Cook. Wenn Thomas Cook das nicht weitergibt, ist das nicht das Problem der Hotelgäste, sondern des Hotelbetreibers. Der muss dann schauen, wie er an das Geld kommt bei Cook oder im Insolvenzverfahren. Für Urlauber wird es schwierig, denn einerseits haben sie schon gezahlt, dürfen aber andererseits vielleicht trotzdem nicht abreisen. Aus Sicht von Ralf Reichertz ist es Freiheitsberaubung, wenn Türen verriegelt werden und Gäste nicht abreisen können.

  • Wenn ich betroffen bin, sollte ich versuchen mit der Botschaft Kontakt aufzunehmen und auch mit dem Unternehmen des Sicherungsscheins (es kann nämlich sein, dass sie einmal die Übernachtung zahlen, aber nicht ein zweites Mal, wenn man als Gast vor Ort nochmal zahlen soll.)

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 23. September 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 15:14 Uhr

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