Servicestunde | 04.03.2020 Wie hält man den lästigen Heuschnupfen im Zaum?

Heuschnupfen-Geplagte haben die Qual der Wahl. Doch bevor Sie zur Apotheke gehen, suchen Sie in jedem Fall zunächst einen Arzt auf. Nicht jeder Patient verträgt auch jedes Mittel, zumal manche mit Nebenwirkungen einhergehen.

ILLUSTRATION - Eine Frau mit Heuschnupfen und Taschentuch vor ihrer Nase.
Heuschnupfen ist lästig, aber man kann etwas dagegen tun. Bildrechte: dpa

Heuschnupfen ist mittlerweile keine Ausnahmeerscheinung mehr. In Deutschland hat jeder achte Erwachsene im Lauf seines Lebens Heuschnupfen - pünktlich zur wärmeren Jahreszeit leiden Betroffene dann unter Niesreiz, geschwollener Nase und Augenjucken. Verstärkt wird diese unschöne Entwicklung durch den Klimawandel, denn durch die wärmeren Temperaturen blühen viele Pflanzen eher und länger. Auch legen Studien nahe, dass die Pollen aggressiver werden, weil sie sich mit Luftschadstoffen verbinden. Mit den richtigen Mitteln kann man die Allergie allerdings gut in den Griff bekommen.

Zuerst die richtige Diagnose, dann das passende Heuschnupfen-Medikament

Experten empfehlen, die Pollen nach Möglichkeit zu meiden. Das ist die sicherste Methode, allerdings in der Praxis kaum umzusetzen, denn Pollen fliegen kilometerweit durch die Luft und kaum jemand kann und will den ganzen Tag nur drinnen sitzen. Bevor man nun den Gang zur Apotheke antritt, sollte man in jedem Fall zuerst einen Arzt - sei es ein Hausarzt, Allergologe, Hals-Nasen-Ohren-, Haut- oder Kinderarzt - aufsuchen, der die richtige Diagnose stellt und dementsprechend individuell die Medikamente empfiehlt. Denn nicht jedes der zahlreichen Medikamente taugt auch für jeden Heuschnupfen-Geplagten. Bei der Anwendung von Heuschnupfen-Medikamenten kann man einiges falsch machen - Unterdosierung bringt nichts, und eine Überdosierung kann sogar schädlich sein. Zudem kann ein nicht oder falsch behandelter Heuschnupfen das Risiko auf zunehmende Atemwegsbeschwerden bis hin zu Asthma erhöhen.

Schrittfolge der Heuschnupfen-Behandlung

Im ersten Schritt sollten gezielt Augen und Nase mit rezeptfreien Tropfen und/oder Sprays behandelt werden, manche wirken vorbeugend, andere im Akutfall. Diese bekommt man von unterschiedlichsten Anbietern in der Apotheke. Sollten sich diese als nicht wirksam erweisen, kann in einem zweiten Schritt zu Tabletten gegriffen werden, die über die Blutbahn wirken statt nur über die Schleimhäute wie Tropfen und Sprays. Helfen auch sie nicht, ist eine erneute Rücksprache mit dem Arzt notwendig, der dann gegebenenfalls rezeptpflichtige Medikamente verschreibt. Eventuell kommt auch eine Hyposensibiliserung, also eine Immuntherapie, in Frage.

Rezeptfreie Medikamente bei Heuschnupfen

Diese werden in den meisten Fällen empfohlen und müssen von erwachsenen Patienten in der Regel selbst bezahlt werden. Als sanfteste Variante bei leichten Beschwerden, die auch für Schwangere geeignet ist, empfehlen Experten Wirkstoffe wie Cromoglizinsäure. Sie verhindert, dass der Körper Histamin freisetzt. Somit werden die Symptome des Heuschnupfens unterdrückt. Doch bis die Medikamente wirken, dauert es circa zwei Wochen. Solange müssen Allergiker vor Start des Pollenfluges die Mittel mehrmals täglich einnehmen. Nur so wirkt die Therapie auch.

Birkenpollen
Blühende Birken sind zwar ein schöner Anblick, aber vielen Heuschnupfen-Geplagten ein Graus. Bildrechte: imago images/localpic

Schnellere Wirkung haben Sprays und Tropfen mit Wirkstoffen aus der Antihistaminika-Gruppe. Sie blockieren die Andockstellen des Botenstoffes im Gewebe und bremsen somit das Immunsystem aus. Bei diesen Präparaten unterscheidet man die erste, zweite und dritte Generation. Während Medikamente der ersten Generation mit älteren Wirkstoffen wie Clemastin, Ketotifen oder Dimetinden müde machen, wirkt die zweite Generation mit Wirkstoffen wie Cetirizin oder Loratadin weniger ermüdend und wird von Experten eher empfohlen. Nur wenn die Wirkung nicht ausreicht, kann ein Antihistaminikum der dritten Generation, wie zum Beispiel Ebastin oder Rupafin, sinnvoll sein. Dieses ist jedoch verschreibungspflichtig. Wichtig bei allen Antihistaminika: Um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen, sollten sie regelmäßig angewendet werden.

Die meisten Medikamente gibt es sowohl mit als auch ohne Konservierungsstoffe. Da Konservierungsstoffe die Bindehaut der Augen sowie die Nasenschleimhaut schädigen können, lohnt es sich, nach Mitteln ohne Haltbarmacher zu fragen. Diese müssen allerdings innerhalb der angegebenen Zeit aufgebraucht werden.

Heuschnupfen-Mittel im Test

Die Auswahl bei den rezeptfreien Heuschnupfen-Medikamenten ist riesig. Aus diesem Grund hat die Stiftung Warentest diese Mittel in den Fokus einer Untersuchung gerückt. Arzneimittelexperten bewerteten im Frühjahr 2018 Präparate gegen die Immunreaktion des Körpers auf Pollen, darunter Augentropfen und Nasensprays, aber auch Tabletten, Saft und Sirup. Als empfehlenswert wurden Medikamente eingestuft, wenn ihre Wirksamkeit durch aussagekräftige Studien belegt werden konnte und der Nutzen die Risiken übersteigt. Das Ergebnis ist eine Empfehlung von 52 geeigneten Augentropfen, Nasensprays und Mitteln zum Einnehmen. Dabei gibt es erhebliche preisliche Unterschiede. Bei Tabletten mit dem Wirkstoff Loratadin kosteten 20 Stück mit jeweils 10 mg Wirkstoff im Untersuchungszeitraum beispielsweise zwischen 2,70 Euro und 6,62 Euro. Der Preis ist dabei kein Kriterium für die Wirksamkeit.

Mensch mit Heuschnupfen 7 min
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Pollen sind immer früher Unterwegs. Für Allergiker beginnt damit wieder die Schnupfenzeit. Doch was bringen rezeptfreie Heuschnupfen-Medikamente? Dr. Bettina Sauer von der Stiftung Warentest stellt die Ergebnisse vor.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 04.03.2020 11:05Uhr 06:38 min

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Rezeptpflichtige Heuschnupfen-Medikamente

Wenn die rezeptfreien Medikamente nicht ausreichen, können Allergiker auf verschiedene rezeptpflichtige Mittel zurückgreifen. Darunter gibt es auch Mittel mit Kortison. Diese sollten nach Rücksprache mit dem Arzt allerdings eher als Nasenspray eingenommen werden, denn sie können bei längerer Anwendung zahlreiche Nebenwirkungen haben. Deshalb hier nur maximal vier Wochen am Stück anwenden.

Immuntherapie gegen Heuschnupfen

Bei der sogenannten Hyposensibilisierung bekommt der Allergiker gezielt Allergene in kleinen Dosen zugeführt, um das Immunsystem nach und nach daran zu gewöhnen und die Symptome so abzuschwächen. Die Therapie dauert bis zu drei Jahre, eine Erfolgsgarantie gibt es dabei nicht.

In den meisten Fällen bekommen Patienten dafür zunächst wöchentlich, später in größeren Zeitabständen, eine Spitze mit dem Allergen gesetzt. Gerd Glaeske, Leiter der Arzneimittelbewertung der Stiftung Warentest, bewertet diese Therapie jedoch nur als "mit Einschränkungen geeignet". Ein Grund dafür sind die Nebenwirkungen: In seltenen Fällen kann es zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zum Kreislaufschock kommen. Deshalb müssen Patienten nach der Therapiesitzung für 30 Minuten in der Praxis bleiben, bevor sie nach Hause gehen können.

Pricktest
Der sogenannte Pricktest steht meist am Anfang einer Heuschnupfen-Diagnose. Bildrechte: imago/Revierfoto

Eine neuere Variante der Hyposensibilisierung verzichtet auf Spritzen. Bei der sublingualen Immuntherapie wird das Mittel unter die Zunge gelegt oder geträufelt. Dabei werden allergische Reaktionen im Mund erzeugt. Nebenwirkungen treten hier seltener auf als bei den Spritzen. Hierfür muss man nicht regelmäßig zum Arzt, sondern kann die Therapie auch zuhause machen. Wichtig dabei: die konsequente tägliche Einnahme.

Weitere Tipps

  • Schutz an Fenstern: Lindernd wirken sich Schutzgitter an den Fenstern aus. Hier gibt es spezielle Produkte, die die Pollen draussen halten. Auch Saugen und feucht Wischen in den Wohn- und Schlafräumen hilft. Es empfiehlt sich ein Staubsauger mit Mikrofilter.
  • Pollen weg waschen: Tägliches Haarewaschen am Abend hilft die reizenden Pollen des Tages loszuwerden. Auch getragene Kleidung sollte aus dem Schlafzimmer verschwinden. In der Pollenzeit Bettwäsche und Kleidung nicht draußen trocknen.
  • Pollenflugkalender lesen: Diesen Kalender sollten Allergiker gut studieren. Er zeigt im Jahresverlauf, wann welche Pollen fliegen und wie stark die Belastung ist. Zusätzlich gibt es in Rundfunk, Tageszeitung und Internet tagesaktuelle Vorhersagen. Wichtig ist der Kalender, weil viele Mittel vorbeugend wirken.
  • Kreuzreaktionen beachten: Bei einigen Patienten können zum Heuschnupfen weitere Unverträglichkeiten hinzukommen. Da sich die Allergene einiger Pollen und Lebensmittel ähneln, kann es auch beim Verzehr von bestimmten Lebensmitteln zu Kreuzreaktionen kommen. Vom Arzt abklären lassen.
  • Pollenfilter im Auto: Auch hier gelangen Pollen über offene Fenster oder die Lüftung hinein. Ein Pollenfilter ist vom Mechaniker einfach nachzurüsten und hilft.
  • Kinder: Der Akut-Wirkstoff Levocabastin ist ab dem ersten Lebensjahr einsetzbar. Mittel mit Citirizin können ab zwei Jahren angewendet werden. Ab sechs Jahren können für Kinder ähnliche Medikamente wie für Erwachsene angewendet werden. Eine Immuntherapie ist in der Regel bereits mit fünf Jahren möglich.
  • Hausmittel: Unterstützend wirken verschiedene Hausmittel gegen die Symptome des Heuschnupfens. Gegen eine verstopfte Nase helfen Dampfbäder, die mit Salz oder ätherischen Ölen angereichert werden können. Auch eine Nasendusche hilft hier. Gegen das Kratzen im Hals hilft viel Trinken.
  • Garten und Balkon: Insektenfreundliche Pflanzen setzen auf Bestäubung durch Insekten statt durch Wind und haben meist weniger und schwerere Pollen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 04. März 2020 | 11:00 Uhr