Servicestunde | 02.02.2021 Faire Verbraucherverträge - neues Gesetz soll vor Knebelverträgen und Abofallen schützen

Lange Laufzeiten für Handyverträge sollen ebenso wie ungewollte Vertragsabschlüsse der Vergangenheit angehören. Wie ein neues Gesetz dabei helfen könnte, erklärt Dr. Ralph Walter von der Verbraucherzentrale Thüringen bei Moderatorin Sina Waage in der Servicestunde von MDR THÜRINGEN - das Radio.

Ein MAnn hat eine Kreditkarte und einen Telefonhörer in der Hand
Besonders gern jubeln Telefonwerber Senioren teure Abos oder Verträge mit langer Laufzeit unter. Bildrechte: Colourbox.de

Erst kommt der Anruf: Am anderen Ende der Leitung sind Menschen, die unglaublich schnell reden, einen ins Gespräch verwickeln und Zahlen in den Raum werfen. Der Vertrag mit dem neuen Stromanbieter solle viel schöner und besser und billiger sein, als der bisherige. Wer unbeabsichtigt Ja sagt, hat aus Versehen schnell einen Vertrag abgeschlossen und wer es verpasst, rechtzeitig den Vertrag zu widerrufen, muss dann oft viele Monate zahlen.

Große finanzielle Schäden durch unfaire Verträge oder Vertragsverlängerungen

Fallstricke gibt es bei Online-Verträgen eine Menge. Da sind Abos und Verträge, die sich automatisch verlängern. Andere haben lange Laufzeiten und sind viel zu teuer. 19 Prozent der Verbraucher haben laut Verbraucherzentrale im vergangenen Jahr einen Vertrag abgeschlossen, den sie in dieser Form gar nicht abschließen wollten. 24 Prozent hatten einen Vertrag, dessen Laufzeit sich automatisch verlängert hat, obwohl sie diesen gern gekündigt hätten. Nach einer Umfrage von Forsa im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes geben 62 Prozent derjenigen, die in den vergangenen 24 Monaten einen ungewollt verlängerten Vertrag hatten, einen finanziellen Schaden von durchschnittlich 335 Euro an.

Gern werden solche Verträge per Telefonwerbung Menschen aufgedrängt. Besonders häufig sind Senioren betroffen. Damit soll nun Schluss sein. Die Bundesregierung will Verbraucher künftig besser vor Kostenfallen und langen Vertragslaufzeiten schützen. Dafür wurde ein neues Gesetz auf den Weg gebracht. Mit dem "Faire-Verbraucherverträge"-Gesetz will das Bundeskabinett die Rechte von Verbrauchern stärken.

Diese Änderungen sind im neuen Gesetz geplant

Das geplante Gesetz soll die Laufzeiten von Verträgen über Warenlieferungen und Dienstleistungen zum Beispiel für Strom und Gas oder Handys verkürzen. Zudem sollen die Verträge mit kürzerer Frist kündbar sein. Außerdem soll es in Zukunft nicht mehr möglich sein, Verträge ausschließlich am Telefon zu vereinbaren. Am Telefon angebahnte Energielieferungsverträge benötigen dann eine schriftliche Bestätigung per Brief, E-Mail oder SMS.

Der vom Bundeskabinett beschlossene Regierungsentwurf ist noch nicht rechtskräftig und muss noch vom Bundesrat und Bundestag beschlossen werden. Über den aktuellen Stand der Dinge, Knebelverträge und typische Telefontricks spricht MDR THÜRINGEN-Moderatorin Sina Haase in der Servicestunde am Dienstag (2. Februar) zwischen 11 und 12 Uhr mit Dr. Ralph Walther, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Thüringen.

Webtalk mit Verbraucherschützern

In einem Webtalk am Dienstag, 2. Februar 2021, von 16 bis 17.30 Uhr, beleuchten Verbraucherschützer zudem die Hintergründe der Gesetzesinitiative zu den "fairen Verbraucherverträgen" und geben einen Einblick in Fälle aus ihrem Beratungsalltag. An dem Verbraucher-Talk wird Verbraucherschutzminister Dirk Adams teilnehmen und ebenso wie Dr. Ralph Walther, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Thüringen, für Fragen zur Verfügung stehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 02. Februar 2021 | 11:05 Uhr