Servicestunde | 29.01.2020 Reha-Antrag abgelehnt - was nun?

Die Reha nach dem Schlaganfall sollte eigentlich von der Krankenkasse genehmigt werden. Aber Kranken-und Rentenkassen lehnen oftmals ärztlich beantragte Rehamaßnahmen ab. Der Verein Arbeitskreis Gesundheit e.V. in Leipzig berät Patienten, wie man im Falle von Ablehnung erfolgsversprechend Widerspruch einlegt. Wir sprechen in der Servicestunde mit dem Verein darüber.

Teilnehmer einer Reha Kur
Eine Reha ist besonders nach schweren Krankheiten wie einem Schlaganfall wichtig. Bildrechte: Colourbox.de

Ein Angehöriger hat einen Schlaganfall überlebt und muss nun zur Reha. Was aber, wenn die Krankenkasse oder die Rentenversicherung den Antrag ablehnen? Welche Möglichkeiten hat man, um dagegen vorzugehen? Hierzu ist ein Widerspruch notwendig, der in schriftlicher Form und in einer festgelegten Frist eingereicht werden muss.

Für die Gewährung einer Reha durch Krankenkasse oder Rentenversicherung müssen bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sein. Der behandelnde Arzt beurteilt, ob die geplante Rehabilitation in Ihrem konkreten Fall geeignet und auch notwendig ist, um die gewünschten Reha-Ziele zu erreichen. Da Krankenkasse oder Rentenversicherung ausschließlich anhand der Antragsunterlagen über Für oder Wider entscheiden, muss der Antrag präzise und verständlich formuliert sein.

Beratung vom Arbeitskreis Gesundheit e.V. Servicetelefon: 0800/1006350

Widerspruch einlegen - aber richtig

Bei einer Ablehnung des Antrags besteht die Möglichkeit zur Einlegung eines Widerspruchs. Hierbei sind einige wichtige Aspekte zu beachten:

  • Die Widerspruchsfrist beträgt vier Wochen nach Erhalt des Schreibens und muss dringend eingehalten werden. Falls ein begründeter Widerspruch (mit Attesten) in diesem Zeitraum nicht machbar ist (z.B. bei längerer Abwesenheit wegen Urlaubs), besteht die Möglichkeit, die Frist zu verlängern und eine Begründung bzw. ärztliche Stellungnahmen nachzureichen. Beispiel: Das Schreiben ist datiert vom 01.08., zugegangen am 04.08. = Fristablauf am 04.09.
  • Lehnt die Krankenkasse die Behandlung mit der Begründung ab, dass ambulante Krankenbehandlungen am Wohnort (Krankengymnastik, Physio-, Psychotherapie) durchgeführt werden könnten, sollte der Ratsuchende eine weitere ärztliche Stellungnahme einholen. Die sollte dann inhaltlich auf die Ablehnungsgründe eingehen.
  • Es kommt vor, dass Ablehnungen formlos, zum Teil sogar telefonisch ausgesprochen werden und keine Begründung enthalten. Da sollte der Patient immer einen schriftlichen, sogenannten rechtsmittelfähigen Bescheid verlangen.

Letzter Weg: Klage beim Sozialgericht

Sollte trotz ergänzendem Attest des Arztes die Reha nicht bewilligt werden, bleibt die Möglichkeit, Klage beim Sozialgericht zu erheben. Diese ist sinnvoll, wenn aus medizinischer Sicht "Eilbedürftigkeit" für den Antritt der Reha-Maßnahme besteht, weil anderenfalls weitere Gesundheitsschäden eintreten würden. In diesem Fall sollte der Versicherte Rat bei einem Fachanwalt für Sozial- oder Medizinrecht suchen. Um eine rasche gerichtliche Entscheidung herbeizuführen, kann neben der Klage ein Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz beim Sozialgericht gestellt werden. Dieser Antrag führt regelmäßig zu einer Entscheidung binnen weniger Wochen. Ein Klageverfahren ohne Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz dauert unter Umständen mehrere Jahre.

Beratung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Das Service- und Beratungsteam der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe beantwortet Betroffenen und Angehörigen Fragen zum Schlaganfall, gibt beispielsweise Informationen zum Ablauf einer Reha-Maßnahme und Hilfsmitteln.

Servicetelefon: 05241/97700 (Mo-Do 9 bis 17 Uhr, Fr 9 bis 14 Uhr)

Internet: www.schlaganfall-hilfe.de

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 29. Januar 2020 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 13:31 Uhr

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