Symbolbild Bakterien im Blut
Eine Infektion durch Bakterien im Blut kann tödlich enden. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Servicestunde | 10.10.2019 Sepsis - die unterschätzte Gefahr

In Deutschland erkranken jährlich knapp 300.000 Menschen an einer Sepsis - ein Viertel von ihnen überlebt sie nicht. Damit ist die Blutvergiftung die dritthäufigste Todesursache im Land. Je schneller eine Sepsis erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Allerdings sind die Symptome nicht immer eindeutig. Hier erfahren Sie mehr über die Anzeichen, den Verlauf und die Behandlung einer Blutvergiftung.

Symbolbild Bakterien im Blut
Eine Infektion durch Bakterien im Blut kann tödlich enden. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Wie kommt es zu einer Sepsis?

Zur Sepsis bzw. Blutvergiftung kommt es, wenn eine Infektion im Körper außer Kontrolle gerät und Keime in die Blutbahn gelangen.

Bein mit Schürfwunde
Eine solche Schürfwunde sieht harmlos aus, kann aber gefährlich werden. Bildrechte: imago/Manfred Segerer

Eine Blutvergiftung kann verschiedene Auslöser haben: eine Lungenentzündung, einen scheinbar harmlosen Harnwegsinfekt, Verletzungen bei der Gartenarbeit.

Besonders anfällig sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Bei ihnen schafft es der Körper nicht selbst, eine Infektion lokal einzudämmen und zu bekämpfen. Infolge der Sepsis stellt ein Organ nach dem anderen die Funktion ein. Annähernd die Hälfte der Patienten stirbt an Multiorganversagen. Eine rasche Therapie ist deshalb sehr wichtig.

Symptome einer Sepsis

Je schneller eine Blutvergiftung erkannt wird, desto besser. Allerdings sind die Symptome nicht immer eindeutig. Die typischen Krankheitsanzeichen ähneln zu Beginn häufig einem grippalen Infekt oder einer Grippe: Schüttelfrost, Fieber, körperliche Schwäche. Deshalb werden sie oft auch erst spät erkannt. Kommt es außerdem zu plötzlicher Verwirrtheit, beschleunigter Atmung und schnellem Herzschlag, sollte dringend ein Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Bei einer fortgeschrittenen Sepsis treten zusätzlich Organschädigungen auf, weshalb es zum Nierenversagen, zu einer Gelbsucht (bei geschädigter Leber) oder schwerer Atmung kommen kann, wenn die Lunge betroffen ist.

Die Deutsche Sepsis-Hilfe e.V. weist darauf hin, dass beim gemeinsamen Auftreten folgender Symptome umgehend medizinische Hilfe (Notarzt, Notaufnahme) in Anspruch genommen werden sollte:

  • Fieber (≥38°C) oder Untertemperatur (≤36°C)
  • Plötzliche Verwirrtheit
  • Erhöhter Puls
  • Niedriger Blutdruck
  • Beschleunigte Atmung
  • Blasses bzw. grau-fahles Aussehen

Was passiert bei einer Sepsis im Körper?

Eine Sepsis wird durch Bakterien, Pilze oder Viren verursacht, am häufigsten durch Bakterien. Sie bilden Giftstoffe und lösen eine starke lokale Entzündungsreaktion aus. Der Körper bekämpft lokale Infektionen und es kommt zu einer sogenannten Entzündungsreaktion. Die Gefäße um den Infektionsherd werden geweitet, durchlässiger und stärker durchblutet. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Botenstoffe können durch die Gefäßwand ins Gewebe eindringen, um dort die Krankheitserreger zu bekämpfen.

Kann die Immunabwehr des Körpers eine Infektion nicht bekämpfen, verlassen die Krankheitserreger bzw. die von ihnen produzierten Gifte den Entzündungsherd und breiten sich im gesamten Körper aus. Der Organismus bekämpft sie mit einer überschießenden Abwehrreaktion. Sie richtet sich auch gegen körpereigene Zellen und kann Gewebe und Organe schädigen - bis hin zum Organversagen, einem sogenannten septischen Schock. Bei einem septischen Schock weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck fällt stark ab. Die Organe können nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und versagen. Es besteht akute Lebensgefahr.

Die Zeit läuft - Behandlung einer Sepsis

Ähnlich wie bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall ist der Zeitfaktor bei der Diagnose und Behandlung einer Sepsis entscheidend. Mit jeder Stunde, die ohne Behandlung vergeht, sinkt die Überlebenschance um sieben bis acht Prozent. Um die genauen Erreger zu kennen und gezielt mit Antibiotika therapieren zu können, müssen vorher im Labor Blutkulturen des Erkrankten angelegt werden.

Auf einem Holzhintergrund liegen verschiedene Dinge. 11 min
Bildrechte: Colourbox.de

Was bei einer Blutvergiftung passiert und wieso jede Minute bei der Behandlung zählt - das ist Thema in der Servicestunde. Knapp 30.000 Menschen sind in Deutschland pro Jahr betroffen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 10.10.2019 12:00Uhr 10:55 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/service/audio-service-sepsis-blutvergiftung100.html

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Petrischale mit Bakterienkulturen
Bakterienkulturen in einer Petrischale Bildrechte: imago/Medicimage

Das kann bis zu drei Tage dauern, es vergeht wertvolle Zeit, die Leben kosten kann. Und: Nur etwa 20 bis 40 Prozent der Erreger können bisher im Labor eindeutig identifiziert werden. Das macht auch den Einsatz gezielter Antibiotika für viele Patienten nahezu unmöglich. Bei Verdacht auf eine Blutvergiftung wird häufig schon zu Beginn mit einem Breitbandantibiotikum behandelt, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 10. Oktober 2019 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 14:52 Uhr