Servicestunde | 10.11.2020 Welche Rechte haben Verbraucher in der Corona-Zeit?

Widerrufsrecht in einem Vertrag
Egal, ob Flugreisen, Veranstaltungen oder Sprachkurse: Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie müssen Verbraucher noch genauer in ihre Verträge schauen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Die Corona-Zeit fordert uns alle heraus. Viele Dinge, die vorher selbstverständlich waren - wie Urlaube, Konzerte, private Feiern und manchmal auch Arzttermine - werden abgesagt oder entfallen ganz. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann schnell auch ins Geld gehen, wenn die Rückerstattung der Gebühren nicht ohne Weiteres klappt.

Besonnen und Entschlossen im Kontakt mit Unternehmen auftreten

Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen im MDR-Sendestudio
Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen gibt in der Servicestunde Antworten auf Fragen von Verbrauchern in der Corona-Zeit. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Die Verbraucherzentrale Thüringen hat auf ihrer Website eine lange Liste der häufigsten Verbraucherfragen in der Corona-Zeit zusammengestellt. Der wichtigste Rat der Verbraucherschützer: Setzen Sie auf Besonnenheit. Sie können mit Ihrem Verhalten zum verantwortungsvollen Umgang mit der Infektionskrankheit beitragen.

Ein weiterer Rat von Ralf Reichertz, Jurist und Referatsleiter für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Thüringen: Schreiben verfassen und Klage androhen. Musterbriefe gibt es bei der Verbraucherzentrale Thüringen. Wem das nicht hilft, bleibt nur der gerichtliche Weg.

Diese Fragen beantwortet Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen in der Servicestunde:

Ich konnte meine Reise wegen des Coronavirus nicht antreten - kann ich Geld zurückverlangen?

Bei kurz bevorstehenden Pauschalreisen ins Ausland ist eine kostenfreie Stornierung dann möglich, wenn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts für das Reiseziel vorliegt.

Bei Reisen, die erst in einigen Wochen oder Monaten anstehen, gestaltet sich das schwieriger. Dort ist nicht immer automatisch eine kostenlose Stornierung gerechtfertigt.

Wenn Sie Ihr Ziel beispielsweise wegen Einreiseeinschränkungen nicht erreichen können, müssen aus Sicht der Verbraucherschützer auch einzeln gebuchte Leistungen, wie Hotels nicht bezahlt werden. Das gilt allerdings nur, wenn für die Buchung deutsches Recht gilt. Ob dem so ist, können Sie Ihrer Buchung und den dazugehörigen Buchungsbedingungen entnehmen.

Ausfallgebühren: Drohen Kosten durch nicht wahrgenommene Behandlungstermine?

Egal, ob bei der Krankengymnasitik oder beim Psychotherapeuten: Aufgrund verschiedener Corona-Verordnungen und Einschränkungen, die die Pandemie mit sich bringt, können nicht alle Termine wie geplant stattfinden. Daher raten die Verbraucherschützer, sicherheitshalber vor dem geplanten Termin bei der jeweiligen Praxis anzufragen, ob der Termin auch wirklich stattfindet.

Wer selbst aufgrund einer Corona-Infektion seinen Termin absagen muss, sollte das rechtzeitig tun. Denn ob Schadensersatz in Rechnung gestellt werden kann, hängt davon ab, ob der Patient die Absage selbst zu verantworten hat. Bei einer kurzfristig angeordneten Quarantäne liegt dagegen kein schuldhaftes Verhalten des Patienten vor.

Müssen digitale Lösungen als Ersatz für Sprach-, Sport- oder Musikkurse akzeptiert werden?

Viele Unternehmen beispielsweise von Sprach- oder Sportkursen bieten ihre Kurse seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ausschließlich online an. Für viele Verbraucher ist das praktisch, weil sie sich den Weg dorthin sparen.

Aus Sicht der Verbraucherschützer der Verbraucherzentrale müssen sich Kunden aus rechtlicher Sicht nicht zwangsläufig auf einen Online-Kurs einlassen. Denn für manch einen ist das Online-Angebot nicht mit der gebuchten Leistung vor Ort vergleichbar. In diesen Fällen raten die Verbraucherschützer dazu, sich nur auf eine vorübergehende Vertragsänderung einzulassen, wenn die technischen Möglichkeiten das auch zulassen. Wenn das nicht so ist, sollten sich Verbraucher mit dem Anbieter in Verbindung setzen und gemeinsam eine Lösung suchen.

Was geschieht, wenn eine private Feier abgesagt werden muss?

Viele private Feiern zum Beispiel Hochzeiten, Geburtstage, Taufen und so weiter müssen aufgrund der jeweils aktuell gültigen Corona-Verordung des Bundeslandes, wo die Feier stattfinden sollte, abgesagt werden. Aus Sicht der Verbraucherschützer kann damit unmöglich eine gebuchte Leistung, wie beispielsweise ein Catering oder die Miete für einen Veranstaltungsraum erbracht werden. Demzufolge müssen Verbraucher diese Leistung auch nicht bezahlen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt jedoch, sich beispielsweise mit Hotels, Restaurants oder auch Fotografen einvernehmlich auf Nachhol- beziehungsweise Ersatztermine zu einigen. Denn hinter diesen Betrieben stecken meist Kleinunternehmen, deren Existenz durch die Corona-Krise bedroht ist.

Was geschieht, wenn eine Veranstaltung ausfällt?

Weitere häufig gestellte Fragen an die Verbraucherzentrale Thüringen rund um die Corona-Pandemie finden Sie auf der Internetseite:

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 10. November 2020 | 11:05 Uhr