Servicestunde | 08.09.2020 Verschenken statt vererben - So geht es richtig

Bei einem Erbfall steht schnell die Frage im Raum, wieviel Erbschaftssteuer da wohl fällig wird. Gerade wenn Immobilien vererbt werden. Wann lohnt sich eine Schenkung zu Lebzeiten? Tipps für diese und weitere Fragen hat Stiftung Warentest zusammengestellt. Darüber reden wir in der Servicestunde.

Eine alte Frau schreibt auf einem Blatt
Was Sie beachten sollten, wenn Sie zu Lebzeiten Ihr Vermögen verschenken, sagen wir hier. Bildrechte: Colourbox.de

Immobilien machen oft den größten Anteil am Privatvermögen aus. Wenn man nichts regelt, läuft das Vererben nach den gängigen Regeln ab - und das bedeutet oft eine enorme Summe an Erbschaftssteuer.

Überlegen Sie sich genau, was Sie als "Erblasser" erreichen möchten. Wollen Sie das Haus oder Grundstück für zukünftige Generationen im Familienbesitz halten? Oder späteren Streit unter den Kindern vermeiden und das Vermögen jetzt schon aufteilen? Möchten Sie Ihr Haus oder Ihre Wohnung bereits zu Lebzeiten verschenken, aber bis zum Tod dort wohnen bleiben? Die richtige Adresse ist ein Notar.

Stichwort: Gesetzliche Erbfolge

Hat der Verstorbene kein Testament errichtet, greift die gesetzliche Erbfolge (§§ 1924 ff. BGB). Zum Kreis der gesetzlichen Erben gehören die Verwandten und der Ehepartner des Verstorbenen. Verwandte sind Personen, die gemeinsame Eltern, Großeltern, Urgroßeltern haben. Kraft des Gesetzes ist der Ehegatte erbberechtigt, es sei denn, zur Zeit des Todes hatte der Erblasser die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt. Auch der (eingetragene) Lebenspartner ist erbberechtigt.

Ein Lebensgefährte bekommt dagegen nichts. Auch Verschwägerte (z.B. Schwiegermutter, Schwiegersohn, Stiefvater, Stieftochter, angeheirateter Onkel) sind von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen.

Ein Holzhäuschen liegt auf einem bunten Grundriss
Wer das Haus bekommt, ergibt sich aus der gesetzlichen Erbfolge. Bildrechte: imago/Gerhard Leber

In welcher Rangfolge erben Kinder, Partner und Eltern?

Das Gesetz teilt die in Frage kommenden Verwandten in Erben unterschiedlicher Ordnung ein. Zur 1. Ordnung gehören die direkten Abkömmlinge des Verstorbenen (Kinder, Enkel, Urenkel etc.). Zur 2. Ordnung zählt man die Eltern, Geschwister, Neffen und Nichten des Verstorbenen. Die 3. Ordnung sind die nicht mehr direkten Verwandten wie Großeltern, Onkel, Tante, Cousins.

Kinder, auch innerhalb eines Stamms, erben zu gleichen Teilen.

Beispiel: Der Erblasser hinterlässt einen Sohn, der wiederum zwei eigene Kinder hat. Der Erblasser hatte auch eine Tochter, die bereits vor ihm verstorben war und zwei Kinder hinterlassen hat. Bei dieser Konstellation erbt der Sohn zur Hälfte, die andere Hälfte verteilt sich zu je ½ auf die beiden Kinder der verstorbenen Tochter (jedes Kind erbt 1/4 ) . Demgegenüber gehen die Kinder des lebenden Sohnes leer aus.

Verschenken oder vererben?

Eine Schenkung ist dann ein guter Weg, wenn die persönlichen Freibeträge der künftigen Erben nicht reichen würden, um die Immobilie steuerfrei zu übertragen. Soll nur ein Erbe das Haus bekommen, ohne dass dabei Erbschaftssteuer fällig wird, bietet sich eine stückweise Schenkung an. Bei Schenkungen gelten weitgehend dieselben Steuerregeln wie bei Erbschaften, doch die Freibeträge können Beschenkte alle zehn Jahre wieder in Anspruch nehmen.

Vorsicht: Zurückfordern kann man Schenkungen fast nie. Nur wenn sich der Beschenkte einer schweren Verfehlung schuldig macht oder wenn der Schenkende plötzlich verarmt, ist das möglich. Dann kann sich auch das Sozialamt beim Beschenkten melden, noch bis zu zehn Jahre nach der Schenkung.

Freibeträge bei Erbschaft und Schenkung
Ehegatten/eingetragene Lebenspartner 500.000 Euro
Kinder/Stiefkinder/Adoptivkinder 400.000 Euro
Enkel (Eltern verstorben) 400.000 Euro
Enkel 200.000 Euro
Urenkel 100.000 Euro
Eltern/Großeltern/Urgroßeltern im Erbfall 100.000 Euro
Eltern/Großeltern/Urgroßeltern bei Schenkung 20.000 Euro
Geschwister/Neffen/Stiefeltern/Schwiegerkinder/Ex-Ehepartner 20.000 Euro
Alle Übrigen (auch Lebensgefährten) 20.000 Euro

Problem: Ausgleichszahlungen

Der Pflichtteil genießt einen hohen gesetzlichen Schutz. Wer berechtigt ist, zu erben (z.B. Kinder oder Ehegatte), kann sogar Ausgleichszahlungen verlangen, wenn Verstorbene weniger als zehn Jahre vor seinem Tod einem anderen etwas aus seinem Vermögen geschenkt hat. Als Ergänzung des Pflichtteils kann der Berechtigte den Betrag verlangen, um den sich der Pflichtteil erhöht, wenn der verschenkte Gegenstand dem Nachlass hinzugerechnet wird (§ 2325 Abs. 1 BGB).

Beispiel: Der Erblasser verfügte ursprünglich über ein Vermögen von 100.000 Euro, von dem er ein Jahr vor seinem Tod 75.000 Euro an seine nichteheliche Lebensgefährtin verschenkte. Das verbliebene Vermögen von 25.000 Euro erbt dessen einziges Kind als gesetzlicher Erbe. Zur Ergänzung des Pflichtteils dieses Kindes - das 50 Prozent erbt! - muss ihm die nichteheliche Lebensgefährtin 25.000 Euro geben. Damit bekommt das Kind insgesamt 50.000 Euro und damit die Hälfte der ursprünglichen 100.000 Euro.

Ein Formular zur Erbschaftssteuer und ein Kugelschreiber
Das ewige Problem der Erbschaftssteuer. Bildrechte: Colourbox.de

Wann müssen Erben Erbschaftssteuer zahlen?

Wer ein Haus erbt, muss immer Erbschaftssteuer zahlen. Aber wie hoch sie ausfällt, hängt zum einen vom Wert der Immobilie ab, zum anderen von der Anzahl der Erben. Jedem Erben steht ein allgemeiner Freibetrag zu, in dessen Rahmen er erben kann, ohne dass Erbschaftssteuer fällig wird. Je näher man mit dem Erblasser verwandt ist sind, desto höher ist der Freibetrag.

Erst, wenn das geerbte Vermögen die Freibeträge überschreitet, verlangt das Finanz­amt Geld, und zwar nur für die Differenz zwischen Freibetrag und dem Wert der Erbschaft. Gibt es also viele Erben und summieren sie ihre jeweiligen Freibeträge, wird unter Umständen gar keine Steuer fällig.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 08. September 2020 | 11:10 Uhr