Servicestunde | 15.09.2020 Neuer Stromanbieter: So funktioniert der Wechsel

Am Tage des Umzuges kommt die Nachricht vom neuen Stromanbieter: Vertrag leider nicht möglich - ohne Angaben von Gründen. Das passiert häufiger als man denkt. Wir haben bei der Verbraucherzentrale nachgefragt, wie man richtig wechselt.

Stecker in Steckdosen
Umzug, günstigerer Anbieter oder Ökostrom - es gibt zahlreiche Gründe den Stromanbieter zu wechseln. Bildrechte: imago images/Schöning

Radiomoderatorin Sina Waage hat es selbst erlebt: Am Tag des Umzuges teilt der neue Stromanbieter mit, dass der Wechsel nicht möglich ist - ohne Angabe von Gründen. Das passiert öfter als man denkt, meint auch Dirk Weinsheimer von der Verbraucherzentrale Thüringen. Wir haben ihn gefragt, woran der Wechsel scheitert.

Darum klappt der Wechsel nicht

  • Die Zählernummer wurde falsch abgeschrieben.
  • Die Restlaufzeit des alten Vertrages ist zu lang.
  • "Zu wechselfreudige" Verbraucher werden möglicherweise abgelehnt.
  • Stromkunde verbrauchte bisher "zu wenig" oder "zu viel" Strom.

Eine Frau liest ihren Stromzähler ab.
Augen auf bein Notieren der Zählernummer - viele Verträge scheitern an Zahlendrehern. Bildrechte: dpa

Besonders die letzten beiden Punkte wird der Stromanbieter vermutlich nicht offen kommunizieren. Fakt ist jedoch, dass ein Wechsel auch für den Stromanbieter einen gewissen Arbeitsaufwand darstellt, so Dirk Weinsheimer. Die Stromfirmen kalkulieren also ein, ob mit dem neuen Kunden auch etwas zu verdienen ist.

Was tun, wenn der Wechsel nicht klappt?

Die einfachste Methode ist, einfach einen anderen Lieferanten zu wählen. Wer sich lieber beschweren möchte, kann sich an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Das geht sogar online. Hier wird versucht, Konflikte außergerichtlich zu regeln. Diesen Weg sollte man erst gehen, wenn eine Beschwerde beim Stromanbieter kein Ergebnis brachte.

So funktioniert der Wechsel

Zuerst sollte man die Vertragsdauer überprüfen. Erst bei Ablauf des Vertrages ist eine Kündigung möglich, natürlich unter Beachtung der Kündigungsfristen. Ist der Zeitpunkt verpasst, verlängert sich der Vertrag meist automatisch um ein Jahr. Wenn der Vertrag nicht mehr auffindbar ist, hilft ein Blick auf die jährliche Verbrauchsabrechnung. Dort müssen Kündigungsfrist und Vertragsende angegeben werden.

Die Strom-Grundversorgung des örtlichen Anbieters lässt sich in der Regel innerhalb von zwei Wochen kündigen.

Ein Sonderkündigungsrecht entsteht, sobald der Stromanbieter seine Preise erhöht, ganz egal wie lange die Restlaufzeit des Vertrages besteht. Das Sonderkündigungsrecht gilt ab dem Zeitpunkt, zu dem die höheren Preise gelten.

Den richtigen Anbieter finden

Auf Stromanbieter-Vergleichsseiten im Internet kann jeder den richtigen Anbieter finden. Analog bieten auch die Verbraucherzentralen eine Beratung an.

Verbraucher sollten auf eine kurze Vertragslaufzeit und eine Preisgarantie achten. Letztere gilt aber nur für den Energieanteil, nicht für Steuern und Abgaben, die der Staat erhebt. Das Sonderkündigungsrecht gilt aber für jede Art von Preiserhöhung.

Dirk Weinheimer von der Verbraucherzentrale rät, ganz genau hinzuschauen. Der Anbieter der ganz oben steht, ist nicht zwangsläufig der günstigste. Manche Anbieter erkaufen sich ihre Top-Position. In diesem Fall muss das Angebot aber auch als "Anzeige" gekennzeichnet sein.

Achtung "Vorkasse"

Bei besonders günstigen Preisen im Kombination mit Vorkasse ist Vorsicht geboten, meint der Jurist der Thüringer Verbraucherzentrale.

Wem das alles zu kompliziert wird, der bleibt beim örtlichen Grundversorger. Auch hier werden oftmals günstige Pakete als Alternative zum relativ teuren Standardvertrag angeboten. Eine weitere Alternative sind Wechseldienste, die dem Stromkunden die lästige Suche nach dem günstigsten Anbieter abnehmen. Diese verlangen zwar für ihren Service Geld, gespart wird unterm Strich trotzdem.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 15. September 2020 | 10:20 Uhr