Servicestunde | 17.12.2019 Wie Sie Weihnachten nicht allein bleiben

Zum dritten Mal bringt die Internetinitiative "Keiner bleibt allein" in diesem Jahr Menschen zusammen, die Weihnachten und Silvester nicht alleine feiern möchten. Bundesweit nehmen mehr als 17.000 Menschen an der Aktion teil. Auch in Thüringen bieten Menschen ihre Gastfreundschaft für Fremde an und noch können Sie sich dafür anmelden.

Eine Frau mit Weihnachtsmütze, sitzt alleine auf der Couch.
Wie Sie an den Festtagen nicht allein bleiben müssen, sagen wir in der Servicestunde. Bildrechte: Colourbox.de

Das Weihnachtsfest rückt immer näher und nicht jeder freut sich darauf, wenn zum Beispiel niemand da ist, der mitfeiert. Weihnachten alleine - viele Leute machtdas traurig. Die Alternative: Weihnachten mit fremden Menschen zu verbringen. Klingt ersteinmal komisch? Der Gründer Christian Fein hat am eigenen Leib erfahren, wie einsam ein Weihnachtsfest allein unter dem Baum sein kann. Vor drei Jahren musste er Weihnachten allein verbringen. Von seiner Frau hatte er sich kurz zuvor einvernehmlich getrennt. Sie fuhr zu Weihnachten zu ihren Eltern und er stand allein da. "Ich war plötzlich in einer klassischen Einsamkeitssituation", erzählt er.

Er beschloss damals Kraft aus dem Internet zu holen und startete den Hashtag #keinertwittertallein. Es entwickelte sich zu einer Art Internetweihnachtsfeier auf Twitter. "Viele Menschen teilten Fotos, Musik und Gedanken miteinander", so Fein.

Weihnachten 2017 startete die Initiative

Fein hatte inzwischen eine Freundin und musste nicht allein feiern. Doch ihm war klar, dass viele andere allein sein würden. "Ich habe die Leute online dazu aufgefordert, sich zu melden, falls sie allein sind", sagt er. Rund 2.700 taten es. 700 konnte er für eine gemeinsame Weihnachtsfeier zusammenbringen.

Familie sitzt um eine festliche Tafel zu Weihnachten. Es wird Suppe gegessen, Weingläser stehen auf dem Tisch und ein Adventskranz mit brennenden Kerzen.
Rund 26.000 Menschen meldeten sich 2018 bei "Keiner bleibt allein". Bildrechte: imago images / Westend61

Damit war die Idee von "Keiner bleibt allein" geboren. Per Facebook, Twitter oder Instagram können sich alle melden, die an Weihnachten allein sind oder einen Platz zum Mitfeiern anbieten wollen.

Auch dieses Jahr gibt es viele Teilnehmer

Zehn Tage vor Weihnachten haben sich bereits 17.500 Menschen bei dem inzwischen vierköpfigen Team gemeldet. "Aber erfahrungsgemäß werden das am Tag direkt vor Weihnachten noch sehr viel mehr", sagt Fein. "Wir rechnen mit einer sechsstelligen Zahl."

Auf einen, der jemanden zum Feiern sucht, kommen derzeit drei Personen, die einen Platz anbieten. Auch 80 Menschen Thüringen haben sich bei "Keiner bleibt allein" gemeldet.

Für das Team geht es um die Vermittlung. Gast und Gastgeber bekommen jeweils eine Nachricht, in der das Profil des jeweils anderen vorgestellt wird. Fein empfiehlt beiden, erst einmal schriftlich Kontakt aufzunehmen und sich "zu beschnuppern". Dabei kann man herausfinden, ob es menschlich passt und ob man Weihnachten zusammen verbringen möchte. 95 Prozent aller Teilnehmer hätten sich seit Beginn des Projektes sympathisch gefunden, sagt Fein.

Aktiv gegen Einsamkeit: Tipps gegen das Alleinsein

Die Wege aus der Einsamkeit sind vielfältig. Am Anfang ist es nicht immer leicht. Offenheit ist dafür besonders wichtig. Es lohnt sich, selbst aktiv zu werden. Folgende Tipps des amerikanischen Psychologen John Cacioppo können dabei helfen, sich weniger einsam zu fühlen.

  • 1. Den Aktionsradius erweitern: in kleinen Schritten wieder auf Menschen zugehen. Mit einfachen Gesprächen am Gartenzaun, einem Lächeln an der Supermarktkasse. Positive Reaktionen spüren und daraus Mut schöpfen.
  • 2. Aktiv werden: sich einen Verein suchen, ein Ehrenamt übernehmen und erleben, dass man gebraucht wird und etwas bewegen kann.
  • 3. Selektieren: lieber wenige, aber dafür wichtige und intensivere Kontakte pflegen. Dranbleiben und auch mal wieder etwas investieren.
  • 4. Das Beste erwarten: positiv denken, Hoffnung haben, Wertschätzung erleben.

Die Nummer gegen Einsamkeit

Manchmal reicht es schon, sich den Kummer von der Seele zu reden. Wer sich einem Menschen mitteilen möchte, für den ist die Telefonseelsorge ein guter Anlaufpunkt.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800 1110111 und 0800 1110222. Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis. Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge sind außerdem via Chat oder E-Mail erreichbar.

Quelle: MDR/al

Mehr zum Thema Weihnachten

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 17. Dezember 2019 | 11:10 Uhr