Servicestunde | 23.10.2019 Das Verhalten der Wildtiere im Herbst

Der Herbst ist wieder die Hochzeit für Wildunfälle mit Rehen und Wildschweinen. Andere Tiere legen sich zum Winterschlaf, auch in unseren Gärten. Wir besprechen in unserer Servicestunde mit Jennifer Calvi von der Deutschen Wildtierstiftung, was zu tun ist.

Ein Igel auf einer Wiese
Der Igel fällt im Winter in eine Ruhephase. Bildrechte: Colourbox.de

Wie man Wildunfälle vermeidet

Zur Zeitumstellung noch vorsichtiger fahren! Denn abends wird es früher dunkel, der Feierabendverkehr verlegt sich in die Dämmerung – und genau da sind die Wildtiere aktiv. Sie haben keine Uhrzeit im Kopf und werden vom Verkehr überrascht.

Seien Sie stets bremsbereit. Beobachten Sie den Fahrbahnrand, Tieraugen leuchten im Dunkeln. Wenn Sie ein Tier am Straßenrand entdecken: Langsamer werden oder sogar ganz abbremsen. Das Fernlicht ausschalten, um das Tier nicht zu blenden. Hupen Sie, um das Wild zu verscheuchen.

Quert ein Tier die Fahrbahn, müssen Sie immer mit Nachfolgern rechnen. Weichen Sie nicht aus! Sie könnten in den Gegenverkehr geraten. Bremsen Sie möglichst stark ab und halten Sie das Lenkrad gut fest. Ist es passiert, Polizei rufen - alles andere ist Fahrerflucht und im Zweifel sogar nicht tierschutzgerecht, wenn das Tier durch den Unfall leidet.

Kleine Winterschläfer in unseren Gärten

Während der Winterruhe verringern sich Herzschlag und Atmung der Tiere, der Stoffwechsel wird drastisch runtergefahren, so dass die während des Herbstes angefutterte Energie über die karge Zeit reichen kann. Während die einen es sich im Bau (Dachs, Fuchs, Wildkaninchen) oder Kobel (Eichhörnchen) gemütlich machen, müssen die anderen (Hirsch, Reh, Wildschwein) draußen ausharren.

Spätestens in den letzten Oktobertagen rollt sich der Igel in den Winterschlaf ein. Ab und an steht er jedoch auf und besorgt sich Nahrung. Zum Teil hat er mehrere Winter-Nester in Laubhaufen, unter Baumwurzeln oder alten Holzhaufen, in Parks und manchmal sogar auf begrünten Verkehrsinseln mitten an der Hauptstraße. Jetzt bitte nicht stören und schon gar nicht mit dem Laubbläser das Dach über dem Kopf zerstören.  

So helfen Sie Igel, Käfern und Co. durch den Winter

Igel im Laub
Igel, Maus, Käfer und Co. lieben "unordentliche" Gärten. Schon mit kleinen Hilfen können Sie den Gartenbesuchern Gutes tun. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Igel im Laub
Igel, Maus, Käfer und Co. lieben "unordentliche" Gärten. Schon mit kleinen Hilfen können Sie den Gartenbesuchern Gutes tun. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Vogelbeeren
Lassen Sie Beeren und Früchte hängen... Bildrechte: IMAGO
Vogel trinkt aus einem Astloch
Sie sind Nahrung für Vögel. Bildrechte: IMAGO
Mit einem Laubrechen werden Blätter zusammengekehrt.
Es muss ja nicht alles sein. Aber lassen Sie Laub für die Tiere liegen. Bildrechte: Daniela Dufft
Verblühte Blüten der Echinacea.
Staudenstängel, Verblühtes und Gräser schmücken den Garten im Herbst und Winter. Und sie werden gerne von Tieren als Verstecke genutzt. Bildrechte: Daniela Dufft
Verblühte Wildblumenwiese.
Samen schmecken den kleinen Tieren. Bildrechte: Daniela Dufft
Roter Käfer auf einem Blatt
Und Käfer freuen sich über hohle Stängel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blütenstand mit Samen des Schnittknoblauch.
Überall gibt es Lücken, in denen sich Insekten verkriechen können. Bildrechte: Daniela Dufft
An einem Baum hängt ein Nistkasten.
Hängen Sie Nistkästen auf: Im Winter ziehen Insekten, Mäuse und Co. ein und sind so vor Kälte und Feinden geschützt. Bildrechte: Daniela Dufft
In einem Garten liegt ein Steinhaufen.
Legen Sie einen Steinhaufen an: Eidechsen, Spinnen, Molche, Mäuse und Insekten werden sich freuen. Bildrechte: Daniela Dufft
In einem Garten liegt ein gefällter Baumstamm als Sitzgelegenheit.
Einen alten Baum einfach mal liegen lassen, ist auch eine Möglichkeit, der Tierwelt zu helfen. Bildrechte: Daniela Dufft
Aufgestapeltes Holz.
Totholz ist wertvoller Lebensraum. In Hohlräumen und Ritzen überwintern Schmetterlinge, Käfer und Bienen. Bildrechte: Daniela Dufft
In einem Park wird Laub mit einem Laubbläser zusammengeblasen.
Und: Verzichten Sie lieber auf Laubbläser. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
In einem Park wird Laub aufgewirbelt
Sie machen nicht nur Krach und stinken, sondern zerstören Lebensräume und können Tiere töten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 21. Oktober 2018 | 08:30 Uhr

Den Garten nicht aufzuräumen hilft auch den jungen Wildbienen: In hohlen Pflanzenstängeln, selbstgegrabenen Gängen in der Erde oder in Totholz haben die Wildbienen über das Jahr hinweg ihre Brutzellen angelegt. Hier überwintert die nächste Generation, gut versorgt mit Nektar und Pollen. Wer jetzt den Garten alles "picobello" macht, zerstört die Nester mit der Brut.

Spatzen haben es im Winter gern ruhig und gehen früh schlafen. Sie finden sich in einer Kolonie an ihrem Lieblingsaufenthaltsort in Hecken und Büschen zusammen, suchen im Winter außerhalb der Brutzeit ihre Schlafplätze schon sehr früh am Tag auf. Auch hier gilt: Nicht jetzt die Hecke stutzen oder zumindest vorher sicher stellen, dass kein Vogel drin sitzt.

Siebenschläfer
Der Siebenschläfer Bildrechte: IMAGO

Kein anderes heimisches Wildtier schlummert so lange wie der Siebenschläfer. Denn er wacht erst im Mai/Juni auf. Zwischen August und September kommen die Jungen auf die Welt. Ende September zieht sich der Siebenschläfer dann wieder in seine Ast- oder Erdhöhlen oder Baumnester zurück und schließt die Augen. Seine Herzschlagfrequenz verringert sich während seines immer tiefer werdenden Schlafes nach und nach von etwa 300 auf nur noch fünf Schläge pro Minute. Auch die Körpertemperatur fällt auf fünf Grad Celsius. Wenn Sie einen ruhigen und möglichst naturnahen Garten haben, können Sie gute Chancen haben, den Siebenschläfer zu beherbergen.

Neben dem Sommerbau legt der Feldhamster speziell an die kalte Jahreszeit angepasste Winterbaue an. Diese dienen nur der Überwinterung und sind tiefer angelegt als die Sommerbaue (mindestens 1,20 m tief). Während der Überwinterung wacht der Nager in regelmäßigen Abständen auf, um von seinen Vorräten zu naschen oder die Kotkammer aufzusuchen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 23. Oktober 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 13:45 Uhr