Mann liegt im Liegestuhl am Pool und telefoniert.
Wie sicher ist die Handynutzung im Ausland? Bildrechte: Colourbox.de

Servicestunde | 01.07.2019 Datensicherheit im Urlaub

Es geht nicht ohne: Smartphone, SMS, WhatsApp und Co. sind auch im Urlaub ein ständiger Begleiter. Dank freiem EU-Roaming und Hotel Wlan ist das auch gar nicht mehr so teuer. Aber wie sicher sind Ihre Daten? IT-Sicherheitsspezialist bei der Jenaer IT-Firma ESET, Thomas Uhlemann, ist zu Gast in der Servicestunde bei Matthias Haase und klärt über die möglichen Gefahren auf.

Mann liegt im Liegestuhl am Pool und telefoniert.
Wie sicher ist die Handynutzung im Ausland? Bildrechte: Colourbox.de

Offene Wlans bergen hohes Angriffsrisiko

Nutzer von Hotspots können nicht wissen, wie gut die Anbieter bei der Sicherheit vorgesorgt haben. Sie können aber auf ein paar Details achten. Eine Passwort-Abfrage ist zum Beispiel ein erster Anhaltspunkt, der Vertrauen schafft. Denn in komplett offene Netzwerke können sich neben harmlosen Nutzern auch Kriminelle einloggen und den Datenverkehr über sogenannte Netzwerk-Sniffer verfolgen. Mit den sogenannten Schnüffel-Programmen können private Zugangsdaten, etwa für E-Mail-Anbieter, abgegriffen werden. In komplett offenen Wlans sollten Nutzer nur Internetangebote nutzen, bei denen überhaupt keine persönlichen Daten eingegeben werden müssen. Dazu zählen etwa reine Nachrichtenseiten oder Unterhaltungsangebote.

Einloggen mit individuellem Passwort

Experte Thomas Uhlemann
Thomas Uhlemann erklärt, was es bei der Internetnutzung im Ausland zu beachten gibt. Bildrechte: MDR/Verena Sitz

Deutlich besser geschützt gegen Hacker sind Smartphone- und Computernutzer in Netzwerken, in denen für jeden einzelnen Zugang neue Passwörter vergeben werden. Das kann beispielsweise ein Zugangscode sein, der Kunden eines Geschäfts auf dem Kassenzettel zugewiesen wird, oder auch ein Passwort, das mit der Zimmernummer des Hotels vergeben wird. In der Regel ist das ein WPA2-Passwort, das viele Nutzer auch vom Router zu Hause kennen. Mithilfe der individuellen Passwörter lässt sich nachverfolgen, wer sich wann wo angemeldet hat. Gleichzeitig ist bei diesen Zugängen mit Passwort die Kommunikation zwischen Smartphone oder Laptop und dem Router von Geschäft oder Hotel abgesichert. Grundsätzlich können Hacker zwar auch über solche sicheren Netzwerke Daten abgreifen - etwa wenn das Windows auf dem Rechner wegen fehlender Updates Sicherheitslücken hat - allerdings ist es deutlich schwieriger als bei komplett offenen Wlans.

Spätere Verschlüsselung bietet keine sichere Verbindung

Auf einer Tafel vor einer Gaststätte steht mit Kreide geschrieben: Internet Free! (Gratis). 11 min
Bildrechte: IMAGO/Gerhard Leber

Ist das Wlan nicht mit einem Passwort geschützt, ist theoretisch eine spätere Verschlüsselung der Webseiten, zum Beispiel für das Onlinebanking, für E-Mail-Konten oder auch von Online-Shops mit dem Adresskürzel "https://" statt dem üblichen "http://", möglich. In der Adresszeile des Browsers fürs Smartphone oder den Laptop taucht dann ein kleines Schlosssymbol auf. Allerdings ist diese Verschlüsselung wirkungslos, wenn ein Hacker über das offene Wlan bereits einen Keylogger auf den Rechner geschmuggelt hat. Denn dann kann er eine späten Eingaben mitverfolgen.

Kommunikation über Smartphones sicherer als über Laptops

Wer mit dem Laptop ein öffentlich zugängliches Wlan nutzt, sollte grundsätzlich noch etwas mehr auf die Sicherheit achten als Smartphone-Nutzer. Denn in Apps reinzuschauen ist für Hacker immer etwas schwerer als in Programme. Die App-Anbieter tunnelten, vereinfacht gesagt, die Verbindung ins Internet. Allerdings sollten auch bei Smartphones Lücken im Betriebssystem möglichst schnell durch Updates geschlossen werden. Bei Android-Smartphones macht zusätzlich auch ein Virenscanner Sinn.

Per VPN sicher ins Internet

Die beste Sicherheit bieten derzeit Smartphone-Apps oder Programme für den Laptop, die auf eine Technik mit dem Kürzel VPN setzen. Das steht für "Virtuelles Privates Netzwerk". Dabei richten die Programme gewissermaßen einen Tunnel vom Gerät durch das öffentliche Wlan zu einem Punkt im Internet ein. Durch diesen Tunnel werden dann die Daten übertragen. Das macht es Angreifern fast unmöglich, Passwörter abzugreifen. Der Internetbrowser Opera hat VPN schon von Haus an Bord. Die Technik können Internetnutzer mit einem Knopfdruck aktivieren und dann sicher surfen. Andere Browser wie Chrome oder Firefox lassen sich nachträglich sicher machen, indem Nutzer eine entsprechende kostenlose Erweiterung herunterladen und auf dem Laptop installieren. Auf dem Smartphone kann eine VPN-Verbindung über kostenlose Apps wie "Cyberghost" oder "OkayFreedom" genutzt werden. "Cyberghost" etwa aktiviert automatisch das sichere Surfen, wenn man über ein offenes Wlan ins Internet geht.

Quelle: MDR/in/finanztip/verbraucherzentrale

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 01. Juli 2019 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2019, 07:00 Uhr

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