Der Redakteur | 05.04.2019 Wie lange dürfen Bahnschranken geschlossen bleiben?

Bettina Fehringer aus Grabfeld ärgert sich sehr oft über die sehr lange Schrankeschließungen am Übergang Grimmenthal. Deshalb fragt sie, ob es Vorschriften gibt, wie lange eine Schranke geschlossen sein darf?

von Thomas Becker

Pkws an einer Schranke
Wie lange dürfen Bahnschranken geschlossen bleiben? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Bahnübergang gilt das Recht des Stärkeren. Was für uns eine Selbstverständlichkeit ist, dass nämlich der Zug Vorfahrt hat, wird mit der größeren Masse und der geringeren Haftreibung begründet und dem sich daraus ergebenden längeren Bremsweg. Und geregelt ist es natürlich auch. In der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung wird auf Bahnübergänge Bezug genommen, die früher in Abhängigkeit von der Region und der Bahngesellschaft auch "Wegkreuzung" oder "Planübergang" hießen.

Auf Bahnübergängen hat der Eisenbahnverkehr Vorrang vor dem Straßenverkehr.

Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) Absatz 3

Übrigens regelt Absatz 2, dass Bahnübergänge nur an Strecken mit Höchstgeschwindigkeiten bis 160 km/h zulässig sind. Und das sind nicht die einzigen Regeln, denn ein Bahnübergang ist mehr als nur "Schranke runter" oder "Schranke hoch" und der Autofahrer ist – so deutlich muss man das sagen – nicht der entscheidende Faktor. Die Pressestelle der Deutschen Bahn in Leipzig hat sich große Mühe gegeben und für die ausführliche schriftliche Antwort die Fachabteilungen hinzugezogen. Das verkürzte Fazit: Der Bahnübergang Grimmenthal ist schon etwas außergewöhnliches, hier greifen die Prozesse von gleich drei Bahnübergängen ineinander. Oder leider eben auch nacheinander. Denn hier vereinen bzw. kreuzen sich gleich vier Bahnstrecken.

  • aus/in Richtung Erfurt – Suhl – Grimmenthal
  • aus/in Richtung Meiningen
  • aus/in Richtung Eisfeld – Hildburghausen
  • aus/in Richtung Ritschenhausen – Bad Neustadt

Ein Zug auf den Gleisen kurz vor einem Bahnübergang
Lange Wartezeiten an Bahnübergängen können viele verschiedene Gründe haben. Bildrechte: MDR/Ganske-Zapf

Von der technischen Ausrichtung her ist der Bahnhof Grimmenthal Teil der Strecke Neudietendorf – Arnstadt – Suhl – Grimmenthal – Ritschenhausen – Rentwertshausen, die durch ein elektronisches Stellwerk in Arnstadt gesteuert wird. Nicht aber die Schranke am Bahnübergang. Hier ist noch "Handbetrieb" angesagt. Das bedeutet zwar nicht, dass der Schrankenwärter persönlich kurbelt, aber er steuert das System vor Ort. Es ist ein aussterbender Beruf. Reine Schrankenwärterarbeitsplätze gibt es laut Auskunft der Bahn in Thüringen neben Grimmenthal noch in Niederspier. Hinzu kommen mechanische Schranken auf sogenannten Weichenwärter- oder Fahrdienstleiterarbeitsplätzen. Hier schließt und öffnet der Weichenwärter bzw. Fahrdienstleiter die ihm zugeordneten Schranken nach vorgeschriebenen Grundsätzen. In Niederspier laufen zur Zeit die Umbauarbeiten für die Ausrüstung mit elektronischer Bahnübergangstechnik, teilte die Bahn mit und das wird auch für Grimmenthal vorbereitet:

Zurzeit laufen Planungen für den Umbau und die Erneuerung des Bahnüberganges in Grimmenthal. Die Inbetriebnahme der neuen Anlage ist für 2021 geplant.

Pressestelle der Deutschen Bahn in Leipzig

Und jetzt wird es kompliziert. Züge fahren grundsätzlich auf technisch (mechanisch, elektromechanisch, oder elektronisch) gesicherten Fahrstraßen. Ein Signal (Einfahrt in Bahnhöfe bzw. aus Bahnhöfen heraus) kann erst auf Fahrt (Signal grün) gestellt werden, wenn alle Anlagen (z.B. Weichen und Schranken) in der richtigen Stellung stehen bzw. verschlossen sind. Eine Schranke bleibt auch geschlossen, solange das entsprechende Signal auf "Fahrt" steht und bis die Zugfahrt abgeschlossen ist. Daraus folgt auch umgekehrt: Wenn eine Schranke eben nicht geschlossen ist, gibt es auch kein grünes Signal auf der entsprechenden Strecke. Die geschlossene Schranke wird über sogenannte Schlüsselsperren (also mechanisch) dem elektronischen Stellwerk bestätigt. Vor dem Öffnen der Schranken muss der Fahrdienstleiter im elektronischen Stellwerk Arnstadt, nach elektronischer Prüfung der Voraussetzungen, diese Schlüsselsperren wieder freigeben. Erst danach kann der Schrankenwärter die Schranken vor Ort in Grimmenthal wieder öffnen. Und dann nähert sich vielleicht schon der nächste Zug auf einer anderen Strecke. Diese Prozesse dauern eben deutlich länger als bei automatischen Schrankenanlagen, zumal ja in Grimmenthal - wie eingangs beschrieben - die Prozesse von drei Bahnübergängen ablaufen. An dem Tag, als Frau Fehringer besonders lange warten musste, kam noch eine Störung dieses Ablaufes hinzu:

Im konkret beschriebenen Fall konnte die Freigabe der Schlüsselsperren vom Fahrdienstleiter in Arnstadt wegen technischer Probleme nicht erfolgen. Erst nach Beheben der Störung konnte die Anlage wieder in Grundstellung gebracht und die Schranken wieder geöffnet werden.

Pressestelle der Deutschen Bahn in Leipzig

Wenn Sie also mal wieder lange stehen müssen im Grimmenthal, dann gehen Sie einfach davon aus, dass "da oben" im Bahnwärterhaus niemand ist, der sie ärgern möchte, sondern jemand, der dafür sorgt, dass Sie sicher über die Gleise kommen. Die Verantwortung ist enorm und Fehler sind schnell gemacht. So lange der Mensch aber als größte Fehlerquelle aktiv an den Prozessen beteiligt ist, dauern die nochmaligen Rückversicherungen und Bestätigungen eben etwas länger.

Ein unbeschrankter Bahnübergang in der Nähe von Sorge (Sachsen-Anhalt).
Trotz geschlossener Schranke über den Bahnübergang? Das wird teuer - und vor allem gefährlich. Bildrechte: imago

Und wenn Schranken gefühlt überhaupt nicht mehr hochgehen, dann berechtigt das auf keinen Fall dazu, sich irgendwie vorbei zu mogeln. Wer trotz geschlossener Schranke den Bahnübergang kreuzt, ist lauf Bußgeldkatalog mit 700 Euro, zwei Punkten und drei Monaten Fahrverbot dabei. Fußgänger und Radfahrer zahlen die Hälfte. Und wenn das ganz große Fass aufgemacht wird und das als gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr gewertet wird, sind wir bei § 315 des Strafgesetzbuches, der sogar Freiheitsstrafen vorsieht. Die dauern übrigens deutlich länge als die nervige Wartezeit an der Schranke. Bei Störungen gibt es nur einen Weg über die Gleise: Nämlich die 110 anzurufen, die Polizei kümmert sich dann um das Problem.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 05. April 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 15:00 Uhr

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4 Kommentare

07.04.2019 12:47 Hugo Leichtsinn 4

Unbedingt Untersuchungsausschuss einberufen.

06.04.2019 21:16 Klaus Schubert 3

Es ist richtig die Leute zu bestrafen wenn sie eine geschlossene Bahnueberquerung missachten! Es sind andere Leute die ihre Zeit und eventuell Gesundheit aufs Spiel setzten wegen unvernuenftigen Leuten.