Der Redakteur | 10.04. 2019 Erfurt/Leipzig/Dresden - Sind Flüge von diesen Flughäfen teurer?

Karsten Günther aus Kromsdorf fragt: Warum sind Urlaubsbuchungen von mitteldeutschen Flughäfen viel teurer als von anderen in Deutschland?

von Thomas Becker

Flugzeug beim Landeanflug
Der Flughafen um die Ecke ist bequem zu erreichen. Aber sind die Flugpreise auch günstig? Bildrechte: dpa

Gefühlt ist es wie an den Kassen im Supermarkt. Man steht immer an der, wo es länger dauert. Bei den Flugpreisen oder Pauschalreisepreisen ist immer der eigene Abflughafen der teuerste. Aber ist das nur ein Gefühl oder lässt sich das belegen? Grundsätzlich muss man sich vor Augen führen, dass wir in einer Marktwirtschaft leben und Angebot und Nachfrage die Preise diktieren. Es gibt viele verschiedene Airlines, aber keine AirSamariter, alle wollen Geld verdienen und tun das auch. Einfluss auf den Flugpreis haben aber auch Faktoren wie Konkurrenz durch andere Airlines und Bahn auf dieser Strecke, der Buchungszeitraum und die Auslastung, der Reisezeitraum mit dem Hochpreiszeitraum Ferien und dann die sehr unterschiedliche Preispolitik der einzelnen Airlines.

Faktor 1 - Konkurrenz

Bei unserer Bevölkerungsdichte rund um die Flughäfen Erfurt, Dresden und Leipzig wird auf vielen Strecken maximal eine Airline satt. Das bedeutet: Es gibt eine Monopolstrecke und keine Konkurrenz, mit der man im Wettbewerb steht. Am augenscheinlichsten ist das auf den Strecken, auf denen Air Berlin der Lufthansa früher Konkurrenz gemacht hat. Dort haben sich die Preise nach oben entwickelt seit der Air Berlin-Pleite.

Das ist München-Düsseldorf, München-Hamburg, München-Köln/Bonn und Hamburg-Düsseldorf. Und auf diesen Strecken sieht man einfach, dass die Preise deutlich teurer sind als vergleichbar lange Strecken, wo es Konkurrenz gibt.

Felix Methmann Referent Team Mobilität und Reisen Bundesverband der Verbraucherzentralen

Um beim Beispiel der innerdeutschen Strecken zu bleiben, die Eurowings fliegt von Leipzig nach Düsseldorf auch konkurrenzlos und das an vielen Tagen für mehr als 400 Euro hin und zurück. Wer von Berlin nach Düsseldorf fliegt, der zahlt am gleichen Tag nicht einmal die Hälfte.

Generell richten sich unsere Preise nach den marktwirtschaftlichen Prämissen. Angebot und Nachfrage bestimmen – wie bei anderen Airlines auch – an der Stelle den Preis. So wird die Strecke DUS-LEJ beispielsweise weniger frequent geflogen als die Strecke DUS-TXL.

Stellungnahme Pressestelle Eurowings

Faktor 2 – Buchungszeitraum

Um hinter das System der einzelnen Airlines zu schauen, muss man sehr viel Zeit haben und fast schon hellseherische Fähigkeiten. Hier hat tatsächlich jede Airline eine andere Strategie, die man sich ganz genau anschauen sollte. Natürlich ist diese auch wieder von Strecke zu Strecke unterschiedlich, aber einzelne Muster lassen sich schon ablesen und am Ende kommen Preisunterschiede heraus, die gewaltig sind. Die jüngste Flugpreisanalyse des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt hat solche Muster in einer großen Tabelle offen gelegt.

Ein „völliges Chaos“ liefert Ryanair. Am 09.10.2018 haben die Tester zum Beispiel nach einem Flug von Leipzig nach London geschaut. Für ein Flugdatum in drei Monaten kostete der Flug 9,99 Euro. Bei einem Monat Vorlauf 18,35 Euro. Eine Woche vor Abflug wieder 9,99 Euro und am Tag davor 240,71Euro. Der Flug von Schönefeld nach London mit Ryanair kostete hingegen über alle Buchungszeiträume hinweg 9,99 Euro und stieg erst am Tag vor dem Flug auf 32,12 Euro. Das gleiche ab Hamburg mit dem Unterschied, dass es hier am Tag vorher 119,33 Euro kostete. Nürnberg ist – nach gründlichen Recherchen deutlich weiter von London entfernt als Hamburg – und wurde trotzdem für maximal 30,59 Euro angeboten, am Tag vor dem Abflug. Dass Leipzig bei Ryanair in der Tabelle den teuersten Preis geliefert hat, kann Zufall gewesen sein. Den teuersten Flug bei Eurowings in der Tabelle gab‘s von Tegel nach Karlsruhe für 329,99 Euro, vom benachbarten Flughafen Stuttgart zurück nach Tegel konnten Sie am gleichen Tag für 79,99 Euro fliegen. Vielleicht wollten an dem Tag alle nach Karlsruhe und keiner wollte weg von Stuttgart – wir wissen es nicht.

Faktor 3 – Reisezeitraum

Auch hier kann man sehr viel Geld sparen, wenn man geschickt vorgeht. In den Ferien wollen alle fliegen, das ist der teuerste Zeitraum, das weiß jedes Kind, das das Klagelied der Eltern schon mitsingen kann. Der einfachste Trick hier: Sich den Ferienkalender vorzunehmen und in den Bundesländern starten, in denen eben gerade keine Ferien sind. Oder gar im Ausland. Sehr beliebt ist Prag, gerade bei den Sachsen aus Dresden, die ja eigentlich den Flughafen vor der Nase haben. Dank der A 17 dauert aber auch die Anfahrt von Erfurt nach Prag keine vier Stunden mehr.

Dann ist es kein großer Unterschied, ob man von Berlin oder Prag fliegt, möglicherweise sind auch die Stellkosten für das Fahrzeug günstiger, je nachdem wo man es abstellt.

Michael Hummel, Reiseexperte der Verbraucherzentrale

Faktor 4 – Preispolitik

Dass es Unterschiede zwischen den Airlines gibt, das sieht man ganz deutlich in der Tabelle des DLR. Ryanair scheint mit wellenförmigen Preisen sensibler auf die Auslastung oder das aktuelle Buchungsverhalten zu reagieren und schiebt immer mal "Knallerpreise" ein. Billigkonkurrent Easyjet ist vom Ausgangspreis her zwar oft etwas teurer als Ryanair, steigt aber über den ganzen Zeitraum bis zum Flugtag nur sehr moderat an. Im Ergebnis kommt man dann oft billiger weg als bei Ryanair. Eurowings  verzeichnet hingegen eine eher stetig ansteigende Kurve. Je näher der Abflug rückt, umso teurer wird es in den meisten Fällen. Rühmliche Ausnahme am Test-Tag: Köln-Dresden. Eine Woche vor Abflug kostete das Ticket noch 279,99 Euro am Tag davor nur noch 219,99 Euro. Nach Leipzig war es genau umgekehrt. Lotto scheint berechenbarer zu sein. Vielleicht kommt auch eine andere Untersuchung zu einem anderen Zeitraum zu einem anderen Ergebnis. Es bleibt der Eindruck, dass man vor dem Urlaub Urlaub nehmen muss, um sich durch den Preisdschungel zu kämpfen.

Trotzdem müssen wir in Mitteldeutschland nicht in eine Weinerlichkeit verfallen, in der Annahme, gezielt benachteiligt zu werden. Alle genannten Faktoren treffen auch auf andere Flughäfen zu, die zum Beispiel eine ähnliche Konkurrenzsituation haben, nämlich gar keine. Und wenn sich das dann mit Ferienzeiten und ungünstigen Buchungstagen mixt, dann kommt ein Preis heraus, bei der man große Augen bekommt. Das Vergleichsportal Check24 hat dazu vor zwei Jahren Untersuchungen veröffentlicht, die auch nur Stichproben waren, aber ebenso erschreckende Zahlen zutage brachten. Preisunterschiede bis zum Sechsfachen für einen Flug nach Paris war der Spitzenwert. Solche Unterschiede zwischen dem billigsten und dem teuersten Flughafen gibt es eben auch, wenn unsere mitteldeutschen keine Rolle spielen.

Grafik Preisunterschiede Flugreisen in Abhängigkeit zum Flughafen
Die Grafik zeigt: Mit der Wahl des richtigen Flughafens kann man viel Geld sparen. Bildrechte: Check24

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 10. April 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 10:36 Uhr

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