Riesenstau auf der A2
Wie wird bei den Verkehrsmeldungen die Stauzeit ermittelt? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Redakteur | 21.09.2018 Wie wird bei den Verkehrsmeldungen die Stauzeit ermittelt?

Peter Schubert aus Jena hat sich gefragt, wie es sein kann, dass die Stauzeiten, die in den Verkehrsmeldungen durchgegeben werden, auf die Minute genau sind? Er möchte wissen, wie die Stauzeit ermittelt wird.

von Thomas Becker

Riesenstau auf der A2
Wie wird bei den Verkehrsmeldungen die Stauzeit ermittelt? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Zukunft des modernen Verkehrsservice hat gerade erst begonnen. Und unsere Stauzeiten sind da erst der Anfang. Irgendwann wird das Auto sogar von selbst bremsen und im Zusammenwirken mit anderen (selbstfahrenden) Autos den Stau schon im Entstehen verhindern, Stichwort "connected car". Das ist vielleicht noch die entferntere Zukunftsmusik, andere "Klänge" können wir jetzt schon "hören". Und zwar über DAB+ und TPEG. Aber der Reihe nach:

Bereits heute werten die Kollegen im MDR Verkehrszentrum in Halle verschiedene Datenquellen aus, um daraus die aktuellen Staulängen und Stauzeiten zu ermitteln. Das ist die klassische Meldung der Polizei über das Lagezentrum oder die eines aufmerksamen Autofahrers. Also der liegengebliebene LKW oder der Unfall zwischen A und B. Doch diese Daten dienen eigentlich mehr der Erläuterung des Geschehens. Die direkten Folgen für das Vorwärtskommen der Verkehrsteilnehmer auf der betroffenen Strecke – also die Länge des Staus oder die Stauzeiten – werden mit Hilfe von vielen Daten und mathematischen Modellen berechnet. Unser Verkehrszentrum bekommt diese zum Beispiel vom Datendienst TomTom oder vom ADAC, die wiederum Millionen GPS-Daten von Fahrzeugen oder Handydaten auf den Strecken auswerten und zu einem Gesamtbild ordnen. Da fließen übrigens auch Erkenntnisse von früheren Staus auf der gleichen Strecke mit ein. Am Ende kommen dann zum Beispiel diese 23 min heraus, die man auf einem Streckenabschnitt länger braucht als gewöhnlich.

Das ist wirklich ein Blick in Echtzeit auf die Straße, wie sieht es im Moment dort vor Ort aus.

Gert Höfer Leiter MDR Verkehrszentrum

Und dieser Blick auf die Straße soll noch genauer werden: Im vergangenen Jahr hat die ARD den Regelbetrieb des TPEG-Service gestartet. Dieses neue Übertragungsformat setzt auf das Digitalradio DAB+, und löst TMC ab, das über UKW gesendet wird. Damit können viel mehr Daten übertragen werden und das auch noch schneller und genauer. Das bedeutet: Der lange rote Strich auf dem Navi zwischen zwei Anschlussstellen, nur weil dort vielleicht irgendwo ein liegengebliebenes Fahrzeug steht, gehört dann der Vergangenheit an. Das Navi kennt dann nämlich den Ort genau. Ein Plus an Sicherheit, der nicht zu unterschätzen ist und der viele Folgeunfälle an Stauenden verhindern wird.

Das Entscheidende ist, dass man wirklich vor dem exakten Stauende warnt. Ob das hinter einer Kurve ist oder bei welchem Kilometer. Da können wir wirklich kreuzungsgenau auf 50 oder 100 Meter die Koordinate setzen: Dort beginnt der Stau.

Gert Höfer Leiter MDR Verkehrszentrum

Und das funktioniert bereits. Das heißt, die Datenpakete werden bereits ausgeliefert und schwirren durch die Luft. Wir müssen diese nur noch empfangen. Die ersten Navigationsgeräte mit diesem neuen Standard sind auf dem Markt. Wer sich ein neues Auto kauft, tut also gut daran, nachzufragen, ob das Navi DAB+ und TPEG unterstützt. Folgekosten entstehen dadurch übrigens nicht. In der täglichen Anwendung ist die Nutzung kostenfrei, denn die Daten kommen von den Verkehrszentren der verschiedenen ARD-Anstalten und werden über DAB+ unhörbar mitgesendet. Das bedeutet: Wenn Sie durch Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt fahren, dann bekommen Sie die Daten aus dem MDR Verkehrszentrum, wenn Sie in Bayern sind, dann sind eben die Kollegen des BR die Quelle.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 21. September 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2018, 14:00 Uhr

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