Servicestunde | 17.11.2021 Recycling und sozialer Nutzen: Umsonst- und Verschenkeläden

Wie können Sachen, die man nicht mehr braucht, sinnvoll weiter verwendet werden? Eine Möglichkeit ist es, sie an Umsonst- oder Verschenkeläden zu spenden. Sie gibt es mittlerweile in vielen Städten Mitteldeutschlands.

Eine Box, auf der "zu verschenken" steht, mit Gegenständen darin 12 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
12 min

Wie können Sachen, die man nicht mehr braucht, sinnvoll weiter verwendet werden? Eine Möglichkeit ist es, sie an Umsonst- oder Verschenkeläden zu spenden. Sie gibt es mittlerweile in vielen Städten Mitteldeutschlands.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 17.11.2021 11:50Uhr 12:04 min

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Seit einigen Jahren gibt es sie in immer mehr Orten: Sogenannte Umsonst-, Verschenke-, Kost-nix- oder Tauschläden. Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen ermöglichen sie eine sinnvolle Wieder- und Weiterverwendung von Dingen, die noch gut sind, die man aber aus welchen Gründen auch immer nicht mehr braucht. Zum anderen ermöglichen sie Menschen sich mit Dingen zu versorgen, ohne dafür marktübliche Preise zahlen zu müssen. Je nach Konzept, werden die Dinge entweder kostenlos oder gegen eine kleine Spende abgegeben.

Blick in den Verschenkeladen/Umsonstladen in Weimar
Der Umsonstladen Weimar hat mehrmals in der Woche geöffnet. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Keine Bedürftigkeitsprüfung

Umsonstläden nehmen in der Regel keine Bedürftigkeitsprüfung vor wie viele Kleiderkammern oder Sozialkaufhäuser, die von Sozialträgern wie Caritas oder Diakonie getragen werden. Das heißt jeder Mensch kann sie nutzen - sowohl um Dinge dort hin zu bringen als um welche zu entnehmen. Organisiert werden diese Läden oft von gemeinnützigen Vereinen und anderen sozialen Initiativen.

Viele Spielarten eines Modells

Wie genau ein solcher Laden genau organisiert ist, hängt immer von der jeweiligen Trägerinitiative ab. Bei manchen darf man nur etwas mitnehmen, wenn man auch etwas da lässt (Tauschläden), bei anderen muss man einen kleinen Obolus entrichten, um Sachen mitnehmen zu dürfen, wieder andere sind völlig kostenfrei. Manche Läden haben auch eine Obergrenze für die Zahl der Dinge, die pro Besuch mitgenommen werden dürfen. So soll Missbrauch vorgebeugt werden.

Die Arbeit im Laden - das Entgegennehmen und Sortieren der Spenden, das Abdecken der Ladenöffnungszeiten - wird meist von Ehrenamtlern übernommen.

Auch die Fixkosten eines solchen Ladens wie Miete und Energiekosten werden ganz unterschiedlich finanziert: zum Beispiel über Spenden, Projektmittel oder Patenschaften. Die Umsonstladenszene ist alles andere als einheitlich, aber gemeinsam ist ihnen, dass sie sich gegen die Wegwerfmentalität unserer Gesellschaft richten.

Verschenkeladen/Umsonstladen in Weimar - voller Kleiderständer
Kleidung findet sich in vielen Umsonstläden. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Verschenkeboxen auf der Straße

In größeren Städten finden sich in manchen Vierteln auch Verschenkeboxen oder ganze Schränke als unbeaufsichtigte Minimalversion eines Umsonstladens. Dort können alle Leute sowohl Sachen hinbringen als auch entnehmen. In manchen Stadtvierteln wie Leipzig-Schleußig stellen viele Leute aber auch einfach Kartons mit Dingen, die sie entsorgen wollen auf den Gehsteig. Nach dem Motto: "Irgendwer wird's schon brauchen." Der Nutzwert der so dargebotenen Dinge schwankt allerdings stark und die Grenze zur bequemen Altlastenentsorgung verschwimmt.

Tipps für Umsonstläden

  • Überlegen Sie, ob die Dinge, die Sie weggeben möchten, wirklich noch brauch- oder tragbar sind. Klamotten mit Löchern, alte Videokassetten oder zerlesene Bücher wollen auch die wenigsten anderen Menschen haben. Umsonstläden sind keine alternative Müllentsorgung.
  • Viele Umsonstläden haben Listen mit Dingen, was sie annehmen und was nicht. Schließlich sind die Lagerkapazitäten begrenzt. Informieren Sie sich also am besten vorher, was Sie wo abgeben können.
  • Da die Läden meist von Ehrenamtlichen getragen werden, können Öffnungszeiten auch mal schwanken, seien Sie daher nicht zu enttäuscht, wenn Sie mal vor verschlossener Tür stehen, auch wenn der Laden laut Website geöffnet sein sollte.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 17. November 2021 | 11:00 Uhr