Nervenbahnen
Bei Multipler Sklerose greifen weiße Blutkörperchen Nervenfasern an. Bildrechte: Colourbox.de

Servicestunde | 28.05.2018 Wissenswertes zu Multipler Sklerose

Multiple Sklerose ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie ist nicht heilbar, kann inzwischen aber auf verschiedene Arten behandelt werden. Die wichtigsten Informationen für Betroffene und ihre Angehörigen.

Nervenbahnen
Bei Multipler Sklerose greifen weiße Blutkörperchen Nervenfasern an. Bildrechte: Colourbox.de

Am 30. Mai ist Welt MS-Tag. Welche Aktionen gibt es dazu in Thüringen?

Speziell zum Welt MS-Tag, der dieses Jahr am 30. Mai stattfindet, organisiert der Landesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) verschiedene Aktionen in Thüringen:

  • Am 29. Mai gibt es einen Benefizlauf mit der Lorenz-Keller-Schule in Heiligenstadt.
  • Am 30. Mai bietet die DMSG Beratung und Informationen zum Thema im Hainich-Klinikum in Mühlhausen an. Im Rahmen eines "Tages der Begegnung mit MS Betroffenen" können Betroffene und Interessierte miteinander ins Gespräch kommen.

Was ist Multiple Sklerose und welche Symptome treten dabei auf?

  • Multiple Sklerose (Kurz: MS) ist eine Autoimmunerkrankung.
  • Sie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Meist erkranken Menschen zwischen dem 20. und dem 35. Lebensjahr
  • Weiße Blutkörperchen greifen Nerven an, die im Hirn und im Rückenmark verlaufen.
  • Sind die Fasern im Rückenmark betroffen, kommt es häufig zu sehr großen Lähmungserscheinungen. Diese können bis zur Querschnittslähmung reichen.
  • Sind die Fasern im Gehirn betroffen, ist die Beweglichkeit oder die Sensibilität nicht so stark eingeschränkt.
  • Das Fatigue-Syndrom, also Energielosigkeit, ist ein weiteres Symptom.

Welche Symptome können auf eine MS-Erkrankung hindeuten?

"Nicht jedes Kribbeln sollte überinterpretiert werden", sagt Neurologe Udo Polzer. Dennoch gibt es einige Warnzeichen, die auf eine mögliche MS-Erkrankung hinweisen können.

  • Sehstörungen
  • Veränderte Farbwahrnehmungen, denn oft ist eine Entzündung des Sehnervs, die dafür verantwortlich ist, der erste Schub.
  • Sensibilitätsstörungen, also ein Kribbeln in der Hand, dem Bein oder dem Unterarm, das über mehrere Tage anhält

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, MS zu behandeln. Eine Möglichkeit ist die immunmodulatorische Therapie. "Wir können durch Therapien den Erkrankungsverlauf verzögern", erklärt Udo Polzer.

Diese Therapieform…

  • …beeinflußt das Immunsystem. Dadurch soll die aggressive Reaktion der weißen Blutkörperchen auf den Körper reduziert oder ganz unterdrückt werden. Das Ziel: Die Krankheit soll nicht weiter voranschreiten.
  • …verringert die Anzahl der Schübe
  • …verringert das die Behinderung sich verschlimmert.

Allerdings verhindern diese Medikamente nur, dass die Krankheit schlimmer wird. Eine Verbesserung der Symptome oder eine Heilung von MS bieten sie nicht.

Was sollten Betroffene bei der Ernährung beachten?

MS-Patienten sollten auf ihre Ernährung achten. Konkret bedeutet das:

  • Wenig klassische, tierische Fette zu essen. Eine ballastreiche Ernährung mit viel Salat, Gemüse und frischen Produkten ist sinnvoller.
  • Auf den Vitamin-D-Spiegel zu achten, da MS-Patienteneinen Mangel an Vitamin D haben. Nehmen sie das Vitamin zu sich, kann das den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Aber: Eine zu hohe Dosis kann zu Herzrythmusstörungen führen.
  • Ungesättigte Fettsäuren, wie sie etwa in Fisch und speziellen Kapseln enthalten sind, können die Ernährung ebenfalls unterstützen.

Was sollten Betroffene generell beachten?

"Wichtig ist, dass man sich mit der Erkrankung auseinandersetzt", sagt Udo Polzer. Je besser Patienten über die Erkrankung bescheid weiß, desto besser können sie dagegen angehen und sind nicht von jeder kleinen Veränderung irritiert.

  • Sie sollten Übergewicht vermeiden.
  • Sie sollten sich viel bewegen.
  • Sie sollten nichts einnehmen, was das Immunsystem stärkt, da das Immunsystem ohnehin übermäßig aktiv ist. Substanzen, die das Immunsystem stimulieren, könnten einen Schub auslösen.
  • Generell sollten sie Rücksprache mit dem Arzt halten, bevor sie eigenmächtig Medikamente einnehmen.

Außerdem ist es wichtig, den Bezug zum Leben nicht zu verlieren und weiter aktiv am Leben teilzunehmen, rät der Experte.

Welche Hilfsangebote gibt es für Betroffene und ihre Angehörigen?

Nicht nur die Betroffenen selbst sollten über ihre Erkrankung bescheid wissen, auch für Angehörige ist eine Aufklärung wichtig. Angebote dazu macht zum Beispiel der DMSG Landesverband Thüringen.

  • Bei der sportorientierten Kompaktschulung ("Spoks") gibt es ein speziell auf MS-Patienten ausgerichtetes Sportprogramm. Angehörige sollen ebenfalls an den Kursen teilnehmen, um die Übungen später mit den Patienten zuhause weiterführen zu können.
  • Die DMSG bietet außerdem soziale Betreuung mit einer speziell ausgebildeten Sozialarbeiterin und psychologische  Gespräche an. Außerdem gibt es einen Gesprächskreis für frisch Betroffene.
  • Verschiedene Stiftungen bieten finanzielle Hilfe an
  • Von Seiten der DMSG gibt es ein Angebot für Rechtsgespräche und einmal im Jahr ein Seminar mit einer Rechtsanwältin, die gezielt auf Fragen Betroffener eingehen kann.
  • Es gibt Stiftungen, die Betroffene in finanziellen Problemsituationen unterstützen.

 

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 28. Mai 2018 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2018, 08:00 Uhr

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