Servicestunde | 01.02.2021 Was sich an den Nutzungsbedingungen bei WhatsApp ändern soll

WhatsApp wollte eigentlich zum 8. Februar seine Nutzungsbedingungen ändern. Nachdem viele Nutzer auf die Barrikaden gingen oder zu anderen Messengern abwanderten, ist dieser Termin verschoben worden. In der Servicestunde schauen wir uns an, was sich überhaupt ändern wird, wie es bei WhatsApp mit dem Datenschutz generell aussieht und was die Alternativen wie Ginlo, Signal, Skype, Telegram, Threema und Wire anders machen, klären wir mit Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen.

Am 4. Januar 2021 änderte WhatsApp seine Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinie. Um den Messenger-Dienst weiterhin nutzen zu können, sollten deutsche Nutzer und Nutzerinnen dieser Änderung bis zum 8. Februar zustimmen - andernfalls wäre der Account gesperrt worden. Nachdem es daran viel Kritik gab, hat WhatsApp den Termin auf den 15. Mai verschoben.

Was soll sich ändern?

Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
Seit 2014 ist WhatsApp Teil des Facebook-Konzerns. Bildrechte: imago/wolterfoto

Im Grunde genommen will WhatsApp den Datenaustausch innerhalb des Mutterkonzerns Facebook vereinfachen. Dadurch soll es dem Konzern erleichtert werden, personalisierte Werbeanzeigen für seine Nutzer zu schalten. Nachrichten, die Sie bei WhatsApp schreiben, könnte der Facebook-Konzern dann also nutzen, um auch auf anderen Plattformen für Sie gezielte Werbung zu platzieren. Bisher war das nach den europäischen Datenrichlinien nicht möglich. Konkret heißt es hier bislang: "Keine der Informationen, die WhatsApp auf dieser Grundlage weitergibt, dürfen für die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen verwendet werden." Das bedeutet, WhatsApp gibt auch jetzt schon Ihre Daten an den Facebook-Konzern weiter, sie werden aber nicht für kommerzielle Zwecke verwendet. Nachrichten sollen aber auch weiterhin nicht gelesen werden.

WhatsApp auf einem iPhone 13 min
Bildrechte: imago images / xim.gs

WhatsApp wollte zum 8. Februar seine Nutzungsbedingungen ändern. Nach heftiger Kritik wurde dieser Termin verschoben. Was sich bei WhatsApp ändern soll und welche Alternativen es gibt, war Thema in der Servicestunde.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 01.02.2021 11:05Uhr 12:46 min

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Aufgrund der Änderung der Nutzungsbedingungen haben schon jetzt viele User den Messenger-Dienst gewechselt. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, bleibt abzuwarten, schließlich ist WhatsApp in diesem Bereich mit Abstand Marktführer, was den Vorteil bringt, dass ein Messenger-Dienst für beinah all Ihre Kontakte funktioniert.

Was sollten Alternativen bieten?

Trotzdem lohnt ein Blick auf die Alternativen. Tatsächlich gibt es extrem viele unterschiedliche Apps, die einen Messenger-Dienst anbieten. Wichtige Punkte bei der Auswahl einer solchen App sollten sein:

  • Zugänglichkeit: Ist der Messenger für die weit verbreiteten Betriebssysteme Android und iOS verfügbar?
  • Ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung möglich? Andernfalls könnten Dritte die Inhalte Ihrer Nachrichten mitlesen, zum Beispiel bei Snapchat der Fall.
  • Handelt es sich um eine reine Messenger-App? Skype, Instagram und TikTok bieten auch Messenger-Funktionen für ihre Nutzer, der eigentliche Zweck dieser Plattformen ist aber ein anderer.

Welche Alternativen gibt es?

Threema Icon
Alle Server von Threema befinden sich in der Schweiz. Bildrechte: IMAGO

Threema: Der schweizer Instant-Messenger Threema arbeitet mit zufällig generierte IDs, die den einzelnen Usern zugeordet werden. Es besteht also keine Klarnamen-Pflicht. Bei Threema können Telefonnummern beziehungsweise E-Mail-Adressen Ihrer Kontakte abgeglichen werden, um Freunde zu finden, die den Messenger ebenfalls verwenden. Die dazu benötigten Daten werden nicht dauerhaft gespeichert und das Unternehmen Threema bekommt die Daten nur anonymisiert.

Ginlo: Ginlo ist ein Münchener Unternehmen, das keine Server außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums nutzt. Hier müssen Sie Ihre Handynummer angegeben, der Zugriff auf ihre Kontaktdaten ist nicht zwingend. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist hier standardmäßig enthalten und Sie können für einzelne Nachrichten eine "Selbstzerstörungsoption" auswählen. Diese Nachricht wird dann zu einem bestimmten Zeitpunkt gelöscht und ist nicht wiederauffindbar.

Signal: Ein alternativer Messenger aus den USA ist Signal. Auch hier ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung Standard. Auch hier gibt es das Feature, dass Nachrichten nach einer gewissen Zeit gelöscht werden. Die Angabe einer Telefonnummer und das Angeben eines Nutzernamens ist zwingend. Der Zugriff auf das eigene Telefonbuch ist optional. Hier gibt es leider keine Datenschutzerklärung auf Deutsch. Im Gegensatz zu anderen Messengern (Telegram, WhatsApp) wird Signal von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben, die sich durch Spenden finanziert.

Telegram: Die Gruppenchats von Telegram sind zuletzt durch Corona-Leugner und Verschwörungserzählungen ziemlich in Verruf geraten. Auch das Entwicklerteam ist schwer zu greifen: Nach Stationen in Russland, London, Singapur sitzen sie aktuell nach eigenen Angaben in Dubai. Davon abgesehen verfügt die App über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in sogenannten "Secret-Chats". Gruppengespräche sind nicht verschlüsselt. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist bei Textnachrichten standardmäßig ausgeschaltet. Deshalb nutzen viele Telegram-Nutzer sie unwissentlich nicht. Die App benötigt Ihre Telefonnummer und einen Nutzernamen, außerdem speichert sie Adressdaten aus ihrem Telefon. Die Klardaten liegen meist unverschlüsselt auf den Telegram Servern. Ist ein User mehr als sechs Monate inaktiv, werden die Nutzerdaten automatisch gelöscht.

Auf einem Handy ist die App Telegram geöffnet
Durch Gruppenchats von Corona-Leugnern ist Telegram zuletzt in Verruf geraten. Bildrechte: MEDIEN360G

Wire: Der Instant-Messenger Wire hat seinen Sitz in den USA, die Entwicklung findet aber in Deutschland statt. Vom User verlangt der Messenger einen Namen und die Handynummer beziehungsweise eine E-Mail-Adresse. Die Inhalte von Nachrichten werden verschlüsselt auf Servern zwischengespeichert, bis diese zugestellt sind. Der Zugriff auf das eigene Adressbuch ist freiwillig. Auch hier gibt es eine Selbstzerstörungsfunktion für Nachrichten. Außerdem lässt sich Wire auch auf dem PC benutzen.  

Darüber hinaus gibt es noch weitere Messenger-Dienste, die bislang aber so wenig verbreitet sind, dass wir sie hier nicht aufgeführt haben. Natürlich gäbe es da auch noch den Facebook-Messenger. Da es sich hierbei aber um den gleichen Konzert wie WhatsApp handelt, würde ein Wechsel keinen Sinn ergeben.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag | 01. Februar 2021 | 11:05 Uhr

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