Baum vor offener Landschaft mit Feldern und Hügeln
Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

Der Redakteur | 07.02.2019 Warum stehen einige Bäume alleine auf Feldern?

Ramona Markowski fragt: "Warum stehen in vielen Gegenden Thüringens immer einzelne Bäume auf Feldern? Rundherum nichts, nur dieser eine Baum?" Redakteur Thomas Becker ist dem auf den Grund gegangen. Dazu hat er unter anderem mit Holm Wenzel vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz gesprochen.

von Thomas Becker

Baum vor offener Landschaft mit Feldern und Hügeln
Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

Jeder Baum ist ein Einzelstück. Eine Einzelanfertigung von Mutter Natur im Zusammenspiel mit den Genen, mit Wasser, Wind, Luft und Sonnenschein. Manchmal legen auch wir Menschen Hand an und am Ende steht eben ein einzelner Baum einsam und verlassen auf einem Feld.

Solitärpflanze sagt der Fachmann, aus dem Französischen von solitaire, das für "Einzelgänger" steht. Aber weil er eben steht, der Baum, und eben nicht als Einzel"gänger" wandert, fällt er auf. Und das mitunter schon seit Generationen. Offenbar haben sich schon viele in Thüringen über „ihre“ Einzelbäume Gedanken gemacht. Schattenspender für Landarbeiter, Wegweiser für Postboten, Grenzbäume für Ackerflächen, Landeplätze für Mäusebussarde – es gibt verschiedene Deutungen, die aber nicht alle einzeln belegbar sind, uns aber heute genannt wurden. Manchmal steht der Baum auch gar nicht mehr da, geblieben ist nur die Legende: Luther war wenige Wochen nach Beginn seines Jurastudiums nach Mansfeld zu seinen Eltern. Auf dem Rückweg wurde er am 2. Juli 1505 bei Stotternheim nahe Erfurt von einem schweren Gewitter überrascht, er suchte Schutz unter einem einzeln stehenden Baum und wurde von einem Blitz umgeworfen.

In Todesangst rief er die Heilige Anna an und gelobte: "Ich will Mönch werden!"

Website luther2017.de

Gut, dass die Heilige Anna ihr Handy an hatte. Heute erinnert ein Gedenkstein an diesen Moment und den Baum, wobei wir natürlich rufen wollen: Bitte nicht nachmachen. Der Martin hat an dieser Stelle alles falsch gemacht.

Matthias Krüger  vom Institut für Zoologie und Evolutionsforschung an der Uni Jena kennt solche einzeln stehenden Bäume auch. Für ihn sind diese als "Einzelkämpfer" für die Natur eher von untergeordneter Bedeutung und nennt er ein Beispiel.

Da sind einzelne Bäume schon 1806 bei der Schlacht von Jena und Auerstedt als sozusagen „Marker“ benutzt worden für die Schlacht. Die lässt man stehen, weil es dazu historische Geschichten gibt. Deren Wirkung für das Ökosystem ist aber eher untergeordnet.

Matthias Krüger Institut für Zoologie und Evolutionsforschung Uni Jena

Trotzdem sind uns Bäume heilig, besondere Exemplare werden sogar unter Schutz gestellt und kartiert, sie sind somit weltweilt abrufbar. Die Informationen aus Thüringen laufen bei Holm Wenzel im Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz zusammen.

Naturdenkmale sind nicht nur Bäume, das können Felsen Quellen oder Flächen bis fünf Hektar sein.   Wenn es ein Baum ist, dann kann das wissenschaftliche Gründe haben oder landeskundliche Gründe. Aber auch ein schöner alter Baum kann unter Schutz gestellt werden.

Holm Wenzel Referent TLUBN,  Bereich Schutzgebiete der Abteilung Naturschutz

Landeskundliche Gründe können zum Beispiel sein, dass ein Baum tatsächlich einmal als Grenzbaum gepflanzt wurde, sei es auch nur für ein Flurstück. Wir haben heute keine belegbaren Hinweise gefunden, dass es so führsorgliche Großgrundbesitzer gab, die für ihre Landarbeiter Schattenbäume gepflanzt haben. Was nicht ausschließt, dass es so etwas gegeben hat. Der Heimatforscher Michael Etzold aus Ziegelheim im Altenburger Land hat sich schon mit solchen Bäumen befasst. Er schreibt, dass schnellwachsende Gehölze wie Pappeln zur Alleenbepflanzung verwendet wurden, manchmal sind dann einfach nur die stärksten und gesündesten geblieben. Einzelne Obstbäume können die Reste von Streuobstwiesen sein oder von Obstbaumreihen an Wegen, wo es den Weg längst nicht mehr gibt.

Buchen oder Eichen wurden als Jubiläumsbäume gepflanzt. Viele 1909 zum 50. Geburtstag Kaiser Wilhelms II. und ebenso im Jahre 1913 anlässlich seines 25jährigen Thronjubiläums. Für Könige wie den sächsischen König wurden auch Gedenkbäume gepflanzt oder für die Gefallenen von Kriegen. Tatsächlich wurden diese nicht nur an zentralen Punkten innerhalb von Ortschaften gepflanzt, sondern oft auch an den Ortsenden oder sogar (wie bei uns) an markanten, gut einsehbaren (Treff-)Punkten außerhalb von Ortschaften. Viele dieser Bäume stehen heute noch.

Michael Etzold Heimatforscher aus Ziegelheim im Altenburger Land

Letztendlich ist es aber auch egal, wer uns den schönen Baum geschenkt hat. Vielleicht war es auch die Natur selbst, ein Vögelchen, das über dem Feld …, Sie wissen schon. Denn die besonders schützenswerte Schönheit und Einzigartigkeit eines Baumes kann auch dadurch entstehen, dass er eben die Möglichkeiten hatte, sich zu entfalten. Im Gegensatz zu seinen Glaubensbrüdern im dunklen Wald. Da wird der Baum plötzlich ganz menschlich.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 07. Februar 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2019, 19:12 Uhr

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