Der Redakteur | 25.09.2018 Ist das Handy-Blaulicht schädlich?

Peter Schwabe aus dem Kyffhäuserkreis wollte wissen: Wie gefährlich ist das blaue Licht von Handy- und anderen Displays für die Augen? Kann davon die Netzhaut geschädigt werden?

von Thomas Becker

Es gibt Dinge, die tun wir unseren Augen einfach nicht an. Wir schauen nicht direkt in die Sonne und auch nicht in den Strahl eines Laserpointers. Auch sind wir sensibilisiert wegen des UV-Lichts und tragen Sonnenbrillen im Sommer und im Schnee. Soweit, so bekannt.

Nun ist das mit dem Licht aber so eine Sache. Physikalisch gesehen ist es nur eine Form der elektromagnetischen Strahlung, teilweise in einem für uns sichtbaren Bereich. UV-Strahlung sehen wir nicht, trotzdem schadet sie Haut und Augen, wenn wir uns nicht schützen. Mit dem Blau ist es etwas anders, das liegt im für uns sichtbaren Bereich, ist Teil des natürlichen Sonnenlichts, sehr energiereich und kann zur Überproduktion eines Eiweißstoffes führen und letztlich zum Absterben von Sehzellen.

Gleißendes Sonnenlicht
Den direkten Blick in die Sonne verkneifen wir uns - aber bei Bildschirmen sind wir weniger vorsichtig. Bildrechte: Colourbox.de

Im Rahmen der Evolution schwante uns offenbar recht zeitig, dass Licht nicht nur Gutes hat und deshalb haben wir natürliche Schutzmechanismen entwickelt. Wir verkleinern die Pupillen, kneifen die Augen zusammen, machen die Augen zu oder wenden uns ab. Das alles ist beim Blick auf unsere liebgewordenen Bildschirme allerdings nicht der Fall, sodass es durchaus möglich ist, dass mehr Licht ins Augeninnere gelangt, als gut ist. Es gibt Studien, die diese Zusammenhänge untersucht haben, darunter die vom französischen Institut für Gesundheit und Medizinforschung, das den Einfluss von blauem Licht auf die Netzhaut untersucht hat. Der Versuch mit Ratten lässt darauf schließen, dass blaues Licht die altersbedingte Makuladegeneration fördern kann. Das ist eine Schädigung der Sehzellen, die irreparabel ist und zu hochgradiger Sehbehinderung und sogar Blindheit führen kann.

Ob und in welchem Umfang künstliche Lichtquellen dabei eine Rolle spielen, ist schwer zu sagen. Da ist die Forschung noch nicht abgeschlossen.

Achim Neuhäuser, Sprecher Bundesamt für Strahlenschutz

Allerdings gibt auch es verschiedene Studien, die untersucht haben, inwiefern die Geräte, die auf dem Markt sind, die Grenzwerte einhalten, innerhalb derer die Nutzung der Geräte als unschädlich angesehen wird. Hier haben sich keine Überschreitungen gezeigt. Tierversuche hingegen haben immer das Problem, dass eine direkte Übertragung auf den Menschen nicht so ohne weiteres möglich ist, so Achim Neuhäuser. Versuche an Menschen verbieten sich von selbst, wenn man mal davon absieht, dass die intensive Nutzung von Displays und die zunehmende Verbreitung von LED-Lampen durchaus auch als Langzeitstudie angesehen werden kann. Wenn man so will, ist unser ganzes Leben eine einzige Studie, die dann unter Umständen doch wissenschaftlich ausgewertet werden kann.  Epidemiologische Studien heißen diese, die auch vom Bundesamt für Strahlenschutz durchgeführt bzw. in Auftrag gegeben werden.

Da schaut man sich Menschen mit Erkrankungen an und versucht über die Erforschung ihrer Lebensumstände herauszufinden, wie könnten die in Zusammenhang stehen mit der Erkrankung. Was könnten Auslöser, Ursachen oder Faktoren sein.

Achim Neuhäuser, Sprecher Bundesamt für Strahlenschutz

Eine gewisse Vorsicht kann also nicht schaden und wer das Risiko einer Makuladegeneration minimieren möchte, der kann durchaus auch etwas tun. Das ist vergleichbar mit anderen "Vorsichtsmaßnahmen", die der Gesundheit zuträglich sind, wie weniger Fleisch zu essen, weniger Alkohol zu trinken usw. Was das zusätzliche blaue Licht im Auge betrifft, wären das - neben der Einschränkung des digitalen Konsums - recht simple Maßnahmen. Einerseits kann eine Bildschirmeinstellung vorgenommen werden, die den Blaulichtanteil minimiert. Viele Handys haben bereits einen einfachen Blaulichtfilter, den man einschalten kann. Auch sind in den Stores Apps erhältlich, die diesen Effekt haben.

 Ein PC-Bildschirm und ein Smartphone-Display leuchten in einem dunklen Raum.
So besser nicht: PC-Monitor und Smartphone in dunklem Raum Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Es gibt Brillengläser mit einem Blaulichtfilter. Außerdem sollte man grundsätzlich nicht bei Dunkelheit auf irgendeinen Bildschirm schauen. Denn im Dunkeln wird sozusagen durch die vergrößerte Pupille das Einfallstor für das blaue Licht richtig weit geöffnet und es kommt noch besser dorthin, wo es auf Dauer wehtun könnte.

Hinzu kommt: Wir steigen ja derzeit auch auf LED-Leuchtmittel um, die ihr helles Licht ausgerechnet durch eine Mischung aus gelblichen und eben blauen Lichtanteilen herstellen. Die negative Wirkung des blauen Lichts auf die lichtempfindlichen biologischen Strukturen im Auge hat deshalb auch bei der Einteilung der Risikogruppen von LED-Leuchtmitteln eine Rolle gespielt. Die nebenbei gesagt, wenn sie nachts leuchten, auch einen negativen Einfluss auf den unseren Schlaf haben. Auch hier ist der hohe blaue Anteil des Lichts schuld.

Welche LED-Leuchten sind wie gefährlich? Freie Gruppe:
Kein Risiko auch bei sehr langer Bestrahlungsdauer. Dazu gehören glühlampenförmige LED-Leuchtmittel mit Schraubgewinde und einer matten Oberfläche sowie röhrenförmige LEDs.

Risikogruppe 1:
Spotförmige LED-Leuchtmittel
Geringes Risiko – der Blick in die Lichtquelle ist über mehrere Minuten ohne Risiko möglich.

Risikogruppe 2:
u.a. LED-Taschenlampen
Mittleres Risiko - Blick in die Lichtquelle ist wegen der Schutzreflexe des Auges im Bereich von Sekunden gefahrlos möglich

Risikogruppe 3:
Hohes Risiko - auch bei sehr kurzer Exposition ist eine Schädigung des Auges möglich. Hier sind die Schutzreflexe des Auges (Lidschluss) und das Abwenden nicht mehr ausreichend.

Verhaltenstipps zum Umgang mit LED-Leuchtmitteln

Der Bundesverband der Augenärzte verweist darauf, dass das Risiko mit dem Abstand zur Lichtquelle sinkt. LED-Lampen sollten deshalb generell in einem Abstand von mindestens 20 cm genutzt werden. Soweit möglich, sollten im täglichen Gebrauch LED-Lampen der "freien Gruppe" verwendet werden. Auch die LED-Lampen der Risikogruppe 1 können im Haushalt bedenkenlos verwendet werden, wenn Personen nicht für längere Zeit in die Lichtquelle blicken. Von LED-Lampen der Risikogruppen 2 und 3 rät der Augenärzteverband im privaten Bereich ab und warnt auch vor importierten Billigprodukten aus dem Internet. Leuchten, Tisch-, Lese- und Nachtischlampen mit sichtbarem "LED-Chip" sollten immer so angeordnet werden, dass der Chip eben nicht direkt zu sehen ist und man bei der Nutzung nicht direkt in die Lampe blickt. Ergänzend lässt sich noch sagen, dass LED-Leuchtmittel mit warmweißem Licht einen geringeren Blaulichtanteil haben.

Vielleicht sind all die Warnungen überflüssig, vielleicht gehen in ein paar Jahren bei diesem Thema aber auch alle Warnlampen an, wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass das blaue Licht uns - so wie das UV-Licht oder die natürlichen Röntgenstrahlen auch - schon immer begleitet. Allerdings sind wir bei letzteren im Laufe der Jahre auch vorsichtiger geworden und haben die Röntgendosen ständig reduziert. Mit der künstlichen Dauerbestrahlung durch Displays und LEDs haben wir hingegen gerade erst begonnen…

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 25. September 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2018, 19:57 Uhr

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