Der Redakteur | 28.03.2019 Was hat die Wohlfahrtspflege mit besonders schönen Briefmarken zu tun?

Brigitte Liske aus Meiningen kauft gerne schöne Briefmarken. Oft kosten sie mehr - wegen einer Spende für die "Wohlfahrtspflege". Was ist die Wohlfahrtspflege und wer bekommt das Geld? Unser Redakteur für Hörerfragen - Thomas Becker - hat recherchiert.

von Thomas Becker

Wohlfahrtsbriefmarke
Die Wohlfahrtsbriefmarken gibt es seit 70 Jahren. Bildrechte: MDR/Wohlfahrtsbriefmarken.de

Die Wohlfahrtsmarke ist gerade 70 geworden. Sogar der Bundespräsident kam zum Geburtstag und der Jubilar kann wahrlich Zuspruch gebrauchen. Marken mit Zuschlägen für den guten Zweck gibt es schon länger als 70 Jahre und es gibt neben der Wohlfahrtspflege auch noch andere, die über Zuschlagmarken Geld einnehmen.

Dazu gehören die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die Stiftung Deutsche Jugendmarke und alle zwei Jahre im Wechsel gibt es eine Marke für die Umwelt und die Förderung der Philatelie- und Postgeschichte.

Doch zurück zu unserer Ausgangsfrage, wer denn nun die Wohlfahrtspflege ist: Dahinter steckt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. und deren Mitglieder - gleichzusetzen mit den Begünstigten und die kennen wir. Es sind:

  • die Arbeiterwohlfahrt,
  • der Deutsche Caritasverband,
  • der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband,
  • das DRK,
  • die Diakonie
  • und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST).

Nach einem Verteilschlüssel wird da Geld verteilt, das übers Jahr durch den Verkauf der Wohlfahrtsmarken von der Post eingenommen wird. In den vergangenen 70 Jahren waren das mehr als vier Milliarden verkaufte Wohlfahrts- und Weihnachtsmarken mit einem einen Erlös von über 650 Millionen Euro für den guten Zweck. So weit so stolz ist die Bilanz. Leider stirbt mit dem Brief auch die Briefmarke aus und die Wohlfahrtsmarke ebenso.

2017 überwies die Post weniger als zwei Millionen Euro an die Wohlfahrtpflege. Hinzu kommt noch die Summe aus dem Verkauf der Marken durch die Verbände selbst und deren Einrichtungen. Hier gibt es keine exakten Zahlen, weil man einfach den riesigen bürokratischen Aufwand scheut, der dafür nötig wäre. 

Wohlfahrtsbriefmarke
Der Erlös der Marken kommt - wie der Name schon sagt - der Wohlfahrt zugute. Bildrechte: MDR/Wohlfahrtsbriefmarken.de

Wir haben 100.000 Dienste und Einrichtungen, die theoretisch an diesem System teilnehmen könnten.

Sigrid Forster Abteilung Wohlfahrtsmarken Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V
Wohlfahrtsbriefmarke 13 min
Bildrechte: MDR/Wohlfahrtsbriefmarken.de

Diese müssten alle zurückmelden, wie viele Marken sie verkauft haben. Wer will das zusammentragen und vor allen Dingen die säumigen Melder "mahnen", doch bitte endlich die Zahlen zu liefern. Die Marken liefert die Post übrigens portofrei an die Interessenten. Und an dieser Stelle sollten alle Einrichtung der genannten Mitgliedsverbände vom AWO-Kindergarten bis zum Seniorenheim des DRK die Ohren spitzen. Sie können nämlich die Wohlfahrtsmarken über ihre Verbände ganz einfach bestellen und dann in Eigenregie verkaufen. Und der Erlös bleibt direkt vor Ort.

Der AWO-Kindergarten bezieht die Marken zum Portowert und verkauft sie, ob einmalig beim Sommerfest oder das ganze Jahr über und kann das Geld vor Ort direkt einsetzen. Egal ob für ein Klettergerüst oder einen Ausflug.

Sigrid Forster Abteilung Wohlfahrtsmarken Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V.

Das ist übrigens der Grundgedanke der Wohlfahrtsmarke, der ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Für die Einrichtungen ist das ganz ohne Risiko, nicht verkaufte Marken dürfen sie ganz normal auf ihre Briefe kleben, bekommen halt eben nur kein zusätzliches Geld für das Klettergerüst. Aber für stressgeplagte Eltern ist der kleine Service vielleicht ganz angenehm, wenn man die fehlende Briefmarke beim Abholen des Kindes gleich mitnehmen kann.  

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 28. März 2019 | 15:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2019, 16:22 Uhr

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