Zigaettenkippe auf Asphalt
Mit rund 50 Euro Bußgeld für eine weggeworfene Zigarettenkippe ist ein Umweltsünder in Erfurt noch gut bedient. Anderswo wird's richtig teuer. Bildrechte: Colourbox.de

Der Redakteur | 02.07.2019 Wer legt das Bußgeld für weggeworfene Kippen fest?

Diese Frage erreichte uns anonym: "Mein Sohn hat auf dem Bahnhofsvorplatz in Erfurt eine Zigarettenkippe weggeworfen und musste deshalb 50 Euro Bußgeld bezahlen. In Gotha muss man für so etwas viel weniger Bußgeld zahlen. Wer legt das fest? Und ist so eine Willkür erlaubt?"

von Thomas Becker

Zigaettenkippe auf Asphalt
Mit rund 50 Euro Bußgeld für eine weggeworfene Zigarettenkippe ist ein Umweltsünder in Erfurt noch gut bedient. Anderswo wird's richtig teuer. Bildrechte: Colourbox.de

Zunächst kostet die achtlos entsorgte Kippe in Erfurt sogar 55 Euro. Wenn man sich erwischen lässt. Wenn nicht, besteht allerdings auch kein Grund zur Freude, denn irgendwann schlägt das Imperium zurück, also die Natur. In gebrauchten Zigarettenfiltern sind dann Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol, Nitrosamine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe vertreten und die Liste ließe sich um hunderte weitere Schadstoffe fortsetzen. Der nächste Regen spült alles sehr schnell aus, das Zeug landet in der Erde und im Grundwasser und irgendwann auch wieder in unserer Nahrungskette. Besten Dank auch! Zur Sicherheit hat die Stadt Erfurt noch darauf verwiesen, dass das Wegwerfen von Abfällen jeglicher Art im öffentlichen Raum verboten ist.

Dies schließt allerlei Unrat ein. Wie beispielsweise Pappteller, Kunststoffbecher, Blechdosen, Kaugummi, Zeitungen usw.

Peter Neuhäuser, Amtsleiter des Bürgeramtes der Stadt Erfurt

So ganz nebenbei erwähnt Herr Neuhäuser in seiner Mail, dass andere Städte das Vergehen mit 100 Euro ahnden. Grundsätzlich gilt nämlich: Die Kommunen haben weitgehend freie Hand bei der Erstellung ihrer Strafkataloge. In der Stadt und im Dorf sind sie ja zuständig für ihren öffentlichen Raum und dort ist die Kippe schließlich gelandet. Je nachdem, welche weggeworfenen Gegenstände die Gemeinde am meisten nerven, kann dann im Rahmen des Thüringer Ordnungsbehördengesetzes die Höhe der Geldbuße festgelegt werden. Und dieser Rahmen liegt zwischen 5 und 5.000 Euro.

Wenn also eine Stadt das Gefühl hat, 55 Euro sind nicht abschreckend genug und die Kippen fliegen weiter fröhlich in die Sandkiste des Spielplatzes, kann man auch richtig hinlangen. In anderen Ländern sind übrigens empfindlich hohe Strafen üblich, ohne dass den Bürgern mittels Mülleimern gleichzeitig Angebote gemacht werden in der Öffentlichkeit. Das bedeutet: Jeder hat seinen eigenen Müll grundsätzlich wieder mitzunehmen. Bei uns wird hingegen gern darüber diskutiert, ob die Müllbehälter in den (Party-)Parks nicht ein bisschen zu klein geraten sind. Doch hier wäre die große Tonne auch nicht der große Wurf.

Wenn Sie einen großen Abfallbehälter aufstellen, der dann eben auch eine große Öffnung hat, dann steuern Sie das Verhalten nicht ganz rechtstreu handelnder Bürger dahingehend, dass sie Hausmüll, der zu Hause nicht mehr in die Tonne passt, dorthin bringen.

Axel Kunze, Referent für Ordnungsangelegenheiten Gemeinde- und Städtebund

Das Problem mit den Zigarettenkippen wird in anderen Ländern übrigens auch sehr rigoros angegangen. Und zwar beim Grundübel, dem Rauchen selbst. Seit dieser Woche dürfen in Schweden Raucher auch in den Außenbereichen von Gaststätten nicht mehr rauchen. Auch öffentliche Spielplätze, Bushaltestellen, Bahnsteige und weitere Orte sind Tabu und das gilt auch für E-Zigaretten. 2025 soll dann in Schweden zum letzten Mal am Glimmstängel gezogen werden dürfen. Drei Jahre später wäre Schweden dann kippenfrei, denn so lange braucht es in etwa bis zur völligen Auflösung eines Stummels. Für Cadmium und Co. im Boden und im Grundwasser gilt das aber leider nicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 02. Juli 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2019, 08:42 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

04.07.2019 11:19 Lynnsophie25 4

Über sowas wird sich aufgeregt aber über die Hundehaufen an jeder Ecke sieht man schön drüber hinweg. Von wegen das Ordnungsamt kontrolliert. Mittlerweile liegen die Haufen überall und die kleinen schwarzen Tütchen auch. Von wegen der böse böse Raucher. Fangt da mal lieber an und stellt mehr Mülleimer auf!!!

03.07.2019 09:01 Olaf Schauerhammer 3

Für was hat denn dann der Freistaat 2017 einen Umwelt-Bußgeldkatalog erlassen wenn die Kommunen ihr eigenes Ding am Landesrecht vorbei machen?