Der Redakteur | 27.05.2019 Warum haben Pedelecs keine Blinker?

Rudolf Schröder aus Gera hat gefragt: "Ich besitze ein E-Bike. Warum sind keine Fahrtrichtungsanzeiger an einspurigen Fahrrädern und E-Bikes erlaubt bzw. vorgeschrieben? Es wäre doch ein Beitrag zur Verkehrssicherheit. Gerade ältere Radfahrer nehmen ungern die Hand vom Lenker."

von Thomas Becker

Frau auf einem Elektrofahrrad
Wer mit dem Pedelec abbiegen will, muss dies mit dem ausgestreckten Arm anzeigen. Bildrechte: dpa

Der technische Fortschritt macht auch vor dem Fahrrad nicht halt. Mittlerweile sind batteriebetriebene Scheinwerfer und Rücklichter erlaubt. Der Dynamo hat sein Monopol als alleinige Energiequelle verloren. Trotzdem hat es der Blinker, amtsdeutsch "Fahrtrichtungsanzeiger“ nicht ans Rad geschafft. Was ist beim Blinker anders?

Fahrräder müssen für den Betrieb des Scheinwerfers und der Schlussleuchte mit einer Lichtmaschine, einer Batterie oder einem wieder aufladbaren Energiespeicher oder einer Kombination daraus ausgerüstet sein.

52.Verordnung zur Änderung Straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften vom 18.Mai 2017

Schon die Tatsache, dass es diese 52.te Verordnung gibt, zeigt, dass hier offenbar ständig etwas im Fluss ist. Das unterstellt nämlich, dass es 51 weitere zuvor gegeben hat, und der Herausgeber solcher Verordnungen – in diesem Falle das Bundesverkehrsministerium –  mit der Zeit geht. Und das "Gehen" ist ein langsamer Prozess, der auch wohlüberlegt ist. Das erkennt man zum Beispiel an Änderungsvermerken in der Verordnung, wie: "In Absatz 4 Nummer 7a wird das Wort "oder" am Ende durch ein Semikolon ersetzt." Am Ende dieser Verordnung darf aber nun immerhin schon ein zweispuriges E-Bike einen Blinker haben. Was also ist beim einspurigen E-Bike anders? Zunächst ist das, was fahrradähnlich ist, auch noch als Fahrrad anzusehen. Das hatte einst einen Dynamo, der keinen Strom lieferte, wenn man an der Kreuzung stand. Das Problem kann man also als gelöst betrachten.

Wir sehen auch den Bedarf, gerade bei älteren Menschen. Und wir sehen jetzt auch die Voraussetzung, dass ein Fahrtrichtungsanzeiger bei einem Pedelec zuverlässig betrieben werden kann, durch den großen Akku, den wir ja sowieso haben.

Siegfried Neuberger Geschäftsführer Zweiradindustrieverband (ZIV)

Doch es gibt noch weitere Probleme, über die man nachdenken muss. Einfach zwei Blinker außen an den Lenker zu bauen, damit ist es nicht getan. Es muss auch sichergestellt sein, dass die Blinker nicht ständig abbrechen oder verbogen oder verdeckt werden. Denn wir sind trotz E-Motor-Unterstützung noch immer bei einem Fahrrad, auch wenn es Pedelec heißt. Im Gegensatz zu einem Dreirad-Pedelec fällt ein einspuriges Rad schnell einmal um, wird in Fahrradständer geschoben und auch mal mit wehenden Jacken gefahren oder mit Gepäck beladen. Und das sind alles Dinge, die dazu führen können, dass der Blinker dann nicht zuverlässig zu sehen ist oder nicht zuverlässig funktioniert, sich der Pedelecfahrer aber darauf verlässt. Eine entsprechende Kontrollmöglichkeit wäre deshalb auch sinnvoll, also eine Anzeige, durch die der Fahrer erkennen kann, dass sein Gefährt hinten auch wirklich blinkt. Dort wird es übrigens nicht reichen, einfach zwei Lämpchen an den Gepäckträger zu schrauben. Denn wir brauchen da einen Mindestabstand von der Mittelachse des Fahrrades, damit der nachfolgende Verkehr auch zweifelsfrei erkennen kann, in welche Richtung es denn nun gehen soll. Das bedeutet: Der Blinker braucht eine Verlängerung nach außen, die bitte aber auch so stabil ist, dass sie nicht beim ersten Umfallen abbricht. Aber wie weit muss und wie weit darf dann der Blinker herausragen? Und das ist längst noch nicht alles.

Blinker müssen auch von allen Seiten und aus verschiedenen Winkeln sichtbar sein, von den Verkehrsteilnehmern. Das ist die Schwierigkeit, die ich dabei sehe.

Anna Schehmel, Projekt „Pedelec statt Auto, aber sicher“ beim VCD

Trotzdem befürwortet die Pedelec-Expertin den Ansatz, gleichwohl gibt es auch andere Möglichkeiten, das Problem mit der Angst vor dem Loslassen des Lenkers in den Griff zu bekommen. Verschiedene Vereine und Verbände wie Verkehrswacht, ADFC, auch die Polizei bieten Kurse an, in denen man solche Dinge einfach außerhalb vom Straßenverkehr unter Anleitung üben kann, so Frau Schehmel. Denn die elektrische Tretunterstützung ist für viele ältere Menschen der willkommene Anlass, sich nach Jahren der Abstinenz wieder aufs Rad zu schwingen. Leider haben sich Verkehrsdichte und Beschleunigungsverhalten geändert. Und wenn dann der technische Fortschritt auch in Sachen Sicherheit neue Möglichkeiten bringt, sollte man die auch nutzen.

Wir hoffen, dass wir auch mit der Unterstützung anderer Verbände das Verkehrsministerium davon überzeugen zu können, hier eine Änderung der STVZO vorzunehmen.

Siegfried Neuberger Geschäftsführer Zweiradindustrieverband (ZIV)

Und das Ministerium? Das braucht bei solchen Fragen gewöhnlich immer etwas mehr Zeit. Denn dazu müssen unter Umständen sogar mehrere Fachbereiche gehört werden und ihre Stellungnahme abgeben. Denn eine Antwort hat auch so ein bisschen amtlichen Charakter. Sobald diese bei uns eingetroffen ist, werden wir sie an dieser Stelle anfügen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 27. Mai 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2019, 15:00 Uhr

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