Der Redakteur | 06.05.2019 Funktioniert die "elektronische Handbremse" auch im Notfall?

Hans-Jörg Schönfeld aus Gera hat eine Frage zur Handbremse im Auto. Er sagt: was macht man heute bei den elektronischen Parkbremsen - diesen kleinen Hebelchen oder Knöpfchen - in einem Notfall? Früher konnte man die Handbremse ziehen, wenn zum Beispiel der Fahrer bewusstlos geworden ist. Geht das heute auch noch?

von Thomas Becker

Auf dem ADAC-Übungsplatz in Nohra bei Weimar absolviert MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder ein Fahrsicherheitstraining mit Bremstest aus nasser Fahrbahn, nachdem er Bier und Obstler getrunken hat, um seine Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss zu testen
Bei voller Fahrt die Handbremse ziehen? - Keine gute Idee. Und was ist mit der elektronischen Feststellbremse? Bildrechte: MDR/Nicky Scholz

Es ist keine schöne Vorstellung - plötzlich blockiert das Bremspedal, weil sich vielleicht ein Tennisball selbstständig gemacht hat. Oder schlimmer noch: der Fahrer verliert das Bewusstsein. Das Fehlen der herkömmlichen Handbremse ist da irgendwie keine schöne Vorstellung. Doch wir haben heute gelernt, eigentlich ist es ein Segen. Denn das Knöpfen oder Hebelchen mit  Namen "Parkbremse" oder auch "elektronische Feststellbremse" hat mehr drauf, als nur das Auto festzuhalten, wenn wir ausgestiegen sind.

Einfach mal in die Bedienungsanleitung des Fahrzeugs schauen, dort findet man Hinweise zur Notbremsfunktion

Harry Bittner Thüringer Fahrlehrerverband e.V.

Und diese verdient ihren Namen wirklich. Der Versuchsaufbau war wie folgt. Wir haben im ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Nohra das Eingreifen des Beifahrers mittels einer herkömmlichen mechanischen Handbremse verglichen mit dem Eingreifen mittels einer elektronischen Parkbremse. Zur Sicherheit sei noch einmal daran erinnert: Es geht heute nicht um den Spaß. Denn der ist ja gern gewollt, wenn man (bei glattem Untergrund und fernab des öffentlichen Verkehrs) das Auto filmreif und elegant um die eigene Achse drehen lassen will. Handbremse mal kurz anziehen und dann dreht er, der Peter. Eine fatale Geschichte in einer Notsituation bei Autobahngeschwindigkeit oder auf der Landstraße zwischen Alleebäumen, warnt hingegen der Wolfgang.

Die klassische Handbremse wirkt nur auf die Hinterräder und wenn ich da richtig hochziehe, dann dreht sich das Auto.

Wolfgang Lange, ADAC-Fahrsicherheitstrainer

Die Notbremsfunktion der elektronischen Parkbremse

Wir haben das ausprobiert auf einer glatten ebenen Fläche. Das Ergebnis war ein wenig Rummelplatzatmosphäre bei Tempo 40, einmal um die eigene Achse gedreht und dann stand das Auto. Das mag mit etwas Übung elegant aussehen, auf der Straße fehlen der Platz und das Verständnis der anderen Verkehrsteilnehmer. Das bedeutet: Wenn man wirklich einmal auf die alte mechanische Handbremse zurückgreifen müsste als "Notbremse", dann funktioniert das nur mit sehr viel Gefühl und Gottes Hilfe.

Anders bei der elektronischen Parkbremse inklusive "Notbremsfunktion". Was das kleine unscheinbare Hebelchen auslöst, das hat schon richtig was von einer Gefahrenbremsung und das sogar auf eher ungewöhnlichem Geläuf. Wir haben das Auto auf Tempo 70 beschleunigt, die Räder links fuhren auf glattem Untergrund und die Räder rechts auf rauer Fahrbahn. Dann den Bremshebel ziehen und  - ganz wichtig - festhalten! Begleitet von einem Warnton stand das Auto binnen Sekunden und das sogar in der Spur. Und zwar mit Hilfe von viel Elektronik und wenig Wolfgang.

Mit ganz wenig Lenkkorrekturen lässt sich das Fahrzeug selbst beim Einsatz dieser Parkbremse richtig gut verzögern. Ohne dabei auszubrechen. Also da haben wir eine wirkliche Notbremsfunktion. Die ist bei den meisten Herstellern identisch.

Wolfgang Lange, ADAC-Fahrsicherheitstrainer

Also Hebel ziehen: "Bremsen mit Musik", Hebel loslassen: "Auto fährt normal weiter". Weitere Hinweise gibt’s im Bordbuch, denn mitunter ist das Hebelchen auch ein Knopf und manchmal befindet es sich auch links vom Fahrer. Dann wird es natürlich schwieriger für den Beifahrer, einzugreifen.

Von einer Geschichte möchten wir jedoch abraten: Ja, bei vielen Autos führt das Öffnen der Tür dazu, dass die Parkbremse automatisch angezogen wird, aber das funktioniert nur im Stand. Während der Fahrt die Türen dann doch bitte lieber geschlossen halten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 06. Mai 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 19:09 Uhr

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2 Kommentare

06.05.2019 19:39 Karl 2

Wieder was gelernt.

06.05.2019 16:50 Jakob 1

Was ist bei einem Elektrik Ausfall wie es bei neuen Autos schneller geht als Mann denkt