Andrew Ridgeley und George Michael
Insgesamt 130 Wochen seit der Erstveröffentlichung im Jahr 1984 hielt sich der Weihnachtsklassiker "Last Christmas" von Wham! bisher in den Top 100. Bildrechte: imago/United Archives International

Der Redakteur | 06.12.2018 Wie werden die Top 100 ermittelt?

Petra Kühne aus Erfurt möchte wissen, wie es "Last Christmas" zum 130. Mal in die Charts geschafft hat. Eines ist schon mal klar: Die Jahre können es nicht sein, aber was ist es dann?

Andrew Ridgeley und George Michael
Insgesamt 130 Wochen seit der Erstveröffentlichung im Jahr 1984 hielt sich der Weihnachtsklassiker "Last Christmas" von Wham! bisher in den Top 100. Bildrechte: imago/United Archives International

Die Ermittlung der Charts ist ganz offensichtlich keine Spaßveranstaltung. Im offiziellen "Regelwerk zur Sicherung korrekter Charts-Ermittlung" gibt es ganz deutsch 13 Paragrafen und heftige Strafen, wenn man versuchen sollte, die eigenen Titel künstlich nach oben zu schieben.

Zum Beispiel, indem man kistenweise die eigenen Platten kauft. Nicht einmal Mitarbeiter bei Rundfunksender dürfen mit Geld dazu bewegt werden, die eigenen Titel zu spielen (siehe § 6). Wer es doch probiert, fliegt als Künstler bzw. Verlag oder auch Händler aus dem Gesamtsystem und der Bundesverband Musikindustrie e.V. kann bis zu 300.000 Euro Vertragsstrafe verhängen. Da muss eine junge Künstlerin ganz schön viele Platten verkaufen.

Diese Fälle sind schon sehr selten. Das Frühwarnsystem funktioniert sehr gut. Man kann wirklich an einer Hand abzählen, dass wirklich jemand versucht hat, die Charts gezielt zu manipulieren.

Hans Schmucker Pressesprecher GfK Entertainment

Also gehen wir davon aus, dass es stimmt und "Last Christmas" tatsächlich die Zahl 130 erreicht hat. Es sind übrigens die 130 Wochen, die sich der Titel in den Top 100 aufgehalten hat, verteilt über die Jahre seit der Erstveröffentlichung 1984. Danach gab es übrigens eine lange Pause und 1997 wurde der Titel erneut auf CD veröffentlicht. Das war der Start als weihnachtlicher Dauerbrenner.

Und als ein paar Jahre später dann die Downloads aufkamen und zuletzt die Streaming-Anbieter, war es leichter, sich passend zur Jahreszeit mal schnell "Last Christmas" zu kaufen oder in die Playlist zu ziehen. Deshalb könnte es sein, dass "Last Christmas" seinen Rekord irgendwann an einen anderen Titel verliert, weil die Titel grundsätzlich heute auch länger in den Charts verbleiben können.

Früher war das endlich. Wenn es keine CDs mehr gab, dann war’s das halt. Insofern hat sich der Musikmarkt da ziemlich verändert.

Hans Schmucker Pressesprecher GfK Entertainment

Und es geht bei den offiziellen Deutschen Charts tatsächlich um den Verkauf. Das darf nicht verwechselt werden mit den Hitparaden von Radiosendern oder den Deutschen Airplay-Charts. Diese gibt es auch noch, sind aber natürlich immer abhängig davon, für welche Zielgruppe ein Radiosender Musik macht und nach welchen Kriterien er seine Musik zusammenstellt.

Interessant ist auch, dass das Wort "Verkaufszahlen" suggeriert, dass hier die verkauften Alben oder Titel gezählt werden. Das ist aber schon seit zehn Jahren nicht mehr so. Gezählt werden die Umsätze. Damit soll verhindert werden, dass sich plötzlich "Ramschware" in den Charts wiederfindet, die nur deshalb so weit nach oben gerutscht ist, weil der Titel kaum etwas kostet. Hinzu kommt, dass es neben den Top 100 – Charts auch Spezialkategorien gibt, die teilweise nur bis zu den Top 10 oder Top 20 reichen, ganz einfach, weil es nicht jede Woche so viele Titel gibt, die sich sinnvoll darstellen lassen.

Vielleicht bemühen Sie sich ja um einen Platz in den Jazz-Charts, bei den Klassik-Charts oder den Top 10 bei den Veröffentlichungen in Sachen Humor. Aber bitte denken Sie daran: Nicht schummeln! Da verstehen die Chart-Macher keinen Spaß.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 06. Dezember 2018 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 16:54 Uhr

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