Säbelzahnschleimfisch
Es ist erwiesen, dass Luftblasen den Fisch nicht nur vorne verlassen. Bildrechte: IMAGO

Der Redakteur | 29.10.2018 Können Fische pupsen?

Haben Fische Blähungen? Diese Frage hat Sanny Hanf aus Moßbach eingeschickt. Thomas Becker hat sich aufgemacht, die Darmtätigkeit der Fische zu erforschen. Und ist dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen über das Pupsen unter Wasser gelangt.

von Thomas Becker

Säbelzahnschleimfisch
Es ist erwiesen, dass Luftblasen den Fisch nicht nur vorne verlassen. Bildrechte: IMAGO

Noch ist kein Fall bekannt, dass ein Fisch in der Apotheke nach Magentropfen gefragt hätte. Oder sich den Bauch haltend durchs Wasser geschwommen ist. Zu Fragen bringt auch nicht viel, also geht es nur über Experimente.

Und die haben tatsächlich schon stattgefunden! Denn dass Luftblasen den Fisch nicht nur vorn verlassen, das ist erwiesen. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Versuche ist ebenso überraschend wie unklar. Kanadische und schottische Wissenschaftler haben sich dafür schon vor mehr als 15 Jahren Heringen genähert, die in einem etwas größeren Aquarium herumschwammen. Und zwar mit Mikrofonen. Was sie dort zu hören bekamen, waren beinahe schon Konzerte. Die aus dem Hinterteil entweichende Luft erzeugte Töne, die über drei Oktaven gingen und auch eine Klangdauer von mehreren Sekunden hatten. Aber waren das wirklich Blähungen?

Die Wissenschaftler haben Dinge verfüttert, die dafür bekannt sind, Gase zu bilden im Magen-Darm-Trakt. Das hatte aber keinen Einfluss auf die Frequenz oder die Häufigkeit der Ausstöße.

Daniel Oesterwind, Meeresbiologe am Thünen-Institut für Ostseefischerei Rostock

Auffallend war jedoch, dass es Unterschiede gab zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Hering und dass nachts mehr los war als am Tag. Das führte letztlich zu der Überlegung, dass das soziale Kommunikationsformen sein könnten, die nachts mangels Licht möglicherweise verstärkt werden. Und vielleicht ist ja ein Hering ein toller Hecht, wenn er ganz besondere Töne absondern kann.

Entlastung für die Schwimmblase - Vorteil für den Hering

Aber vielleicht ist alles auch ganz anders und die Heringe zünden sozusagen den Turbo, weil sie vor dem Hecht fliehen wollen. Doch bevor Sie jetzt diesen Gedanken in der falschen Richtung weiterverfolgen: Es ist doch ein bisschen anders gemeint! Stellen wir uns einen Hering vor, der in den Tiefen des Meeres unterwegs ist und den jemand zum fressen gern hat. Dem Hering bleibt nur die Flucht nach vorn, nach rechts oder links und nach unten oder nach oben. Der klügste Fluchtweg könnte dabei der nach oben sein, denn der Hering gehört zu den Fischen, die über einen "Ductus Pneumaticus" verfügen, also über einen Kanal, der Schwimmblase und Darmtrakt miteinander verbindet.

Das heißt, beim schnellen Hochschwimmen dehnt sich die Luft aus und wird über den Darmtrakt ausgeschieden. Wenn die Räuber nur eine geschlossene Schwimmblase haben, können sie irgendwann nicht mehr folgen, weil sonst ihre Schwimmblase platzen würde.

Daniel Oesterwind, Meeresbiologe am Thünen-Institut für Ostseefischerei Rostock

Klarer Vorteil für den Hering also. Denn die Druckverhältnisse unter Wasser pressen sozusagen die Luft in der Luftblase zusammen. Je höher der Fisch schwimmt, umso geringer wird der Druck. Die Folge: Die Blase wird größer und der "Ductus Pneumaticus" sorgt für Erleichterung.

ein bunter Fisch
Ob dieser Fisch ein Völlegefühl verspüren könnte, muss noch erforscht werden. Bildrechte: colourbox.com

Ob die Fische allerdings ein "Blähgefühl" verspüren, dass muss erst noch erforscht werden. Doch Überraschungen sind nicht ausgeschlossen, so Oesterwind. Wir kennen heute schon Fische, die sich in einem Kokon begeben und über Wochen trocken liegen können, es gibt den Aal, der über Land wandern kann oder den Himmelsgucker, der die Insekten quasi mit einem Wasserstrahl abschießt.

Und warum sollen Fische dann nicht ein ganz normales Völlegefühl kennen mit allen menschlichen Folgen? Schließlich könnten sie mit etwas Fantasie auch auf diese Art einen Verfolger abschütteln. Doch so weit will Daniel Oesterwind nicht gehen.

Ich sehe eine eher geringe Wahrscheinlichkeit, dass es Blähungen sind, eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass es dem Druckausgleich dient und Kommunikation - das ist eher spekulativ.

Daniel Oesterwind, Meeresbiologe am Thünen-Institut für Ostseefischerei Rostock

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 29. Oktober 2018 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2018, 16:40 Uhr

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3 Kommentare

30.10.2018 19:00 part 3

Liebe Redaktion, fragen sie doch mal jemanden aus der Gattung der Säugetiere, die sich unter Wasser begeben, manche haben da sogar zwei oder mehr Öffnungen in ihrer Neopren- Kopfhabe beim Tauchen, natürlich wegen dem Auftrieb und der Druckunterschiede.

30.10.2018 18:51 ralf meier 2

Bei einem so gewichtigen und ernsten Thema fällt mir nur eins ein:

Klar doch, so entsteht Selterswasser !