Der Redakteur | 10.05.2019 Woher kommt die Bezeichnung "fliederfarben"?

Warum ist mit der Bezeichnung " Fliederfarben" immer hellviolett gemeint? Wer hat diese Farbzuschreibung festgelegt? Denn es gibt ja auch weiße Fliederbüsche.

von Thomas Becker

Zartrosa bis lilane Blüten in Nahaufnahme
Ein fluffiges Lila Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Blaukraut bleibt Rotkraut und Brautkleid bleibt weiß. Damit sind wir der Antwort auf die Frage noch kein Stück näher gekommen, aber immerhin zeigt uns das eher ins lila-violett gehende Kraut, dass in diesem Farbspektrum eine große Unsicherheit herrscht. In Abhängigkeit von der Region übrigens. Und das ist mit der Fliederfarbe nicht anders. Erschwerend kommt hinzu, dass nur Frauen in der Lage sind, solche Farben voneinander zu unterscheiden, zumindest bei ihren Blusen und unseren Hemden. Ein Hemd, das wir Männer als banal "lila" bezeichnen, ist in Abhängigkeit von der Gattin vielleicht violett oder ein Veilchenton oder eben doch fliederfarben.

Und wer es wagt, darf vom heutigen Tag an widersprechen. In allen dieser Fälle haben nämlich Pflanzen für den Farbnamen Pate gestanden. Das Violett kommt zum Beispiel aus dem Französischen und heißt nichts anderes als Veilchen. Und nun halten Sie einmal ein Veilchen an Ihr Hemd und dann eine Fliederblüte und vergleichen Sie. Wenn Sie Glück haben, gibt es keinen Unterschied. Trotzdem wird die Gattin vehement behaupten, dass ein fliederfarbenes Hemd weder lila ist, noch violett, allenfalls ein hellerer Ton des einen und irgendwann sehen wir ganz alt(rosa) aus. Unbestritten ist jedoch, unser Flieder kommt ursprünglich aus dem asiatischen Raum.

Die ursprüngliche Art, die hier nach Europa gebracht wurde als Gartenpflanze, die hat eben das klassische dunkle Lila. (…) Aber inzwischen gibt es Richtung Weiß verschiedene Abstufungen, weil dort durch Züchtungen hellere Farbtöne erzielt werden.

Dr. Stefan Arndt, Leiter Botanischer Garten Jena

Deswegen sind auch die Menschen in Persien nicht auf die Idee gekommen, einen Flieder mit der Farbe Weiß in Verbindung zu bringen. Sie nannten das Gesträuch einfach "lilak". Da steckt unverkennbar unsere heutige Farbe Lila drin. Über Spanien und Frankreich und zu Zeiten der Kreuzzüge kamen Begriff und Pflanze dann zu uns. Die Franzosen sagen übrigens noch heute "lilas" und meinen den Flieder.

zart lila Fliederblüte der Sorte Madame Nadja 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warum wir aber mit dem Wort "Flieder" ausscheren, das hat wohl nordische Gründe. Denn seinen Namen hat der Flieder angeblich über den Umweg der Unterweltgöttin Frau Holle bekommen, die für den Holunder Pate gestanden haben soll. Holunderfrüchte werden im Norden als "Fliederbeeren" bezeichnet. Je nach Region auch "Fleder-", "Vlēder-" oder "Vliederbeeren". In Schweden ist "Fläder" sogar die Bezeichnung für den Holunder selbst, wogegen der Flieder dort einfach "lila" heißt.

Irgendwann im 18.Jahrhundert ging dann bei uns der Name "Flieder" auf unseren heutigen Flieder über. Warum auch immer. Vielleicht hat ein weitgereister Südschwede irgendetwas verwechselt. Sie können aber auch gerne wieder "Lilach" sagen, das ist nämlich eine veraltete deutsche Bezeichnung für den Flieder. Und damit wäre auch der Beweis erbracht: Unser "fliederfarbenes" Hemd ist also doch einfach nur lila.

Edle Ziergehölze aus Frankreich und den USA Flieder: Duftender Blütentraum in Pastell-Tönen

Hellblau, Rosé und Lila-Nuancen - diese Töne tragen Fliederblüten. Eine Auswahl an Flieder-Sorten, die in Frankreich und den USA geschaffen wurden, stellen wir Ihnen hier vor.

Offene Blüten und geschlossene Knospen an einem Zweig
Eine bewährte Züchtung unter den Fliedersorten ist die 'Belle de Nancy'. Sie wurde bereits Ende des 19. Jahrhundert in Frankreich gezüchtet. Der Edelflieder trägt eine gefüllte Doppelblüte und verbreitet einen intensiven Duft. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Offene Blüten und geschlossene Knospen an einem Zweig
Eine bewährte Züchtung unter den Fliedersorten ist die 'Belle de Nancy'. Sie wurde bereits Ende des 19. Jahrhundert in Frankreich gezüchtet. Der Edelflieder trägt eine gefüllte Doppelblüte und verbreitet einen intensiven Duft. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Zartrosa bis lilane Blüten in Nahaufnahme
Auch 'Gilbert' ist eine historische, französische Züchtung. Ihre Blütenblätter sind gedreht. Erkennbar ist diese Sorte an dem gelben Staubbeutel. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Helle Fliederblüten mit grünen Blättern, im Hintergrund rote und gelbe Pflanzen
Die Hybride 'Olivier de Serres' trägt zart-blaue Blüten und ist doppelt gefüllt. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich gezüchtet. Über Frankreich kamen die Fliederzüchtungen schließlich nach Amerika. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Lilafarbene Fliederblüten an einem Zwei mit grünen Blättern
'Excel' hat nichts mit Tabellenkalkulation zu tun, sondern steht für "excellent", also "ausgezeichnet". Die Züchtung entstand 1930 in Amerika und zählt zu den historischen Fliedersorten. Sie gilt als zuverlässiger Blüher. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Helle Fliederblüten im Detail
'Prof. Hoser' ist wegen seiner ungewöhnlichen Blütenrispen ein eleganter Schatz unter den Fliedersorten. Auch diese Züchtung entstand in den 1930er-Jahren. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Hellblaue Fliederblüten in der Nahaufnahme
Die Blüten zum Porzellan: Die 'Wedgewood Blue' gilt als "blaues Wunder". Wegen ihrer zarten, bläulich-weißen Blütenfarbe wurde sie nach dem Porzellan-Hersteller Josiah Wedgewood benannt. Ihm gelang es, Porzellan in genau diesem Farbton herzustellen. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Kleine, rosane Blüten schauen zwischen grünen Blättern hindurch
'Palaibin' zählt zu den Zwergflieder-Sorten und ist langsam wachsend. Er kann auch gut in Kübel gepflanzt werden und so beispielsweise die Haustür dekorativ flankieren oder den Balkon verschönern. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Zarte, weiße Blüte an grünen Zweigen
Die Blüten der 'Anabel' erinnern an Glocken. Die Sorte blüht zeitig. In Kombination mit den meisten anderen Fliedersorten und einem Spätblüher wie 'Sahra Sands' lässt sich die Blütezeit gut ausdehnen. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Intensiv-violette Blüten an Zweigen mit grünen Blättern vor einer Landschaft mit Baum und einem bewölktem Himmel
'Sarah Sands' zählt zu den Spätblühern und lässt sich gut mit dem Zierapfel kombinieren. Sie gehört zu den Amerikanern und wurde von Theodor Habermayer auf Long Island gezüchtet. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Fliederblüten in verschiedenen Lila-Tönen vor einem wolkigen Himmel
'Pocahontas' wurde nach der sogenannten Indianerprinzessin benannt und stammt aus Kanada. Sie versprüht einen dezenten Duft und gehört auch zu den Frühblühern. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Geschlossene Fliederblüten an einem Zweig
'Rus' - der Name lässt es ahnen - stammt aus Russland. Ihre intensiv duftenden Blüten sind sehr groß. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Fliederzweige in verschiedenen Pastelltönen stehen als Strauß in einer Vase auf einer Wiese.
Die meisten Fliedersorten blühen Mitte Mai. Wer sich für gleichzeitig blühende Pflanzen entscheidet, kann auch gut verschiedene Blütenfarben - wie hier in der Vase - miteinander kombinieren. Das sorgt für einen dezenten Farbrausch im Garten. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Alle (12) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 12. Mai 2019 | 08:30 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 10. Mai 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2019, 14:44 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

11.05.2019 22:34 Burkhard Picker 2

Hallo! Leider ist dieFrage bzw. die Antwort darauf nur interessannt und nicht relevant. Mehr von dem Zeug braucht niemand. MfG

11.05.2019 17:24 Lothar Liebmann 1

Sehr geehrter Herr Becker!
Diese Ihre Beiträge lese ich stets sehr gern, ist doch unschwer zu erkennen, dass hier wirklich journalistisch und vor allem unter Verwendung deutscher Sprache gearbeitet wird - ganz im Gegensatz zur Praxis einiger der Radiomoderator*Innen, die Satzzeichen nicht erkennen oder lesen können, Gera als Gärra, 'haben wir' als 'Hammer' aussprechen sowie weit überwiegend vom Genitiv noch nie etwas gehört noch gelesen zu haben scheinen usw. usf.!

Alles Gute und weiter so!

Ihr Hörer und Leser L.Liebmann