Der Redakteur | 29.01.2019 Wie verteilt die GEMA das Geld an die Künstler?

Axel Christian aus Erfurt war lange Schatzmeister beim Festkomitee Erfurter Karneval und hat sich dort auch um die GEMA Gebühren gekümmert. Nun fragt er sich, wie die Verteilung an die Künstler vorgenommen wird?

von Thomas Becker

Puppe, mit Kussmündern übersäter Polizist, auf einer Karnevalsmesse
Musik macht Spaß. Aber bei Geld hört der Spaß auf. Damit Musikschaffende für ihre Arbeit bezahlt werden gibt es die GEMA. Bildrechte: imago/CoverSpot/Collage MDR.DE

Das Ganze ist komplex und führt häufig auch zu Verwechslungen. Gern wird zum Beispiel die GEMA mit der GEZ verwechselt, die übrigens jetzt Beitragsservice heißt und Rundfunkbeiträge für Radio und Fernsehen einzieht. Das ist etwas völlig anderes. Unterm Strich werden diese Beiträge von Ihrem Konto abgebucht, das ist schon auch klar, aber ein bisschen was gibt’s ja auch fürs Geld. Das ist auch bei der GEMA so. Die macht sich regelmäßig Freunde bei Karnevalsvereinen und anderen Partylöwen. Allerdings ein wenig zu Unrecht. Denn in Wirklichkeit – das wird jetzt überraschen – ist es geradezu ein Segen, dass es diese Einrichtung gibt. Wäre es nämlich nicht so, dann würde es keine Partys mehr geben. Zumindest nicht legal. Entweder, weil sich keiner den Organisationsstress antun möchte oder, weil die Musik längst ausgestorben wäre.

Wir bezahlen die Arbeit der Kreativen. Und wenn diese nicht bezahlt werden würde, dann gäbe es irgendwann keine kreative Arbeit mehr. Das gilt nicht nur für die Musik.

Gabi Schilcher Sprecherin GEMA

Denn grundsätzlich ist die GEMA eine Einrichtung, die Verlage, Komponisten und Texter einen nicht unerheblichen Teil ihrer Einkünfte zahlt. Klar – wie beim Fußball – gibt es die Megastars, die Millionen bekommen und denen das nicht oft gegönnt wird. Aber auch im Musikgeschäft muss der Großteil der Künstler noch „richtig“ arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Ein Kessel Komik (2)
"Ein bisschen Spaß muss sein" - Ohne die GEMA müsste der örtliche Karnevalsverein Komponist,Texter und Verlag des Stimmungskrachers fragen, ob das Lied gespielt werden darf. Bildrechte: MDR/Axel Berger

Die Gesetzeslage ist allerdings so, dass ein Urheber eines Werkes bestimmen kann, was damit geschieht. Also streng genommen müsste sich ein Karnevalsverein mit dem Komponisten, dem Texter und dem Verlag von „Ein bisschen Spaß muss sein“ zusammensetzen, um die Konditionen auszuhandeln. Ob also für die einmalige Aufführung am 11.11. nun 53 Cent fällig werden oder ein bisschen mehr. Spätestens da hört der Spaß auf, da man ja auch mit einem einzigen Titel nicht durch den Abend kommt und tausende Karnevalsvereine zeitgleich beim gleichen Komponisten anklingeln würden. Deswegen wurden schon im 19. Jahrhundert erste Verwertungsgesellschaften gegründet, die die Rechte von Künstlern wahrnehmen sollten. Übrigens auch von Interpreten, also Geigern oder Trompetern oder von Sängern wie Roberto Blanco. Deren „GEMA“ heißt GVL, zu der kommen wir auch noch.

Nun sind wir erst einmal bei dem Punkt, an dem die GEMA bei den Veranstaltern Geld einsammelt. Auch wenn man als Karnevalsverein ein Formular ausfüllt, ist das ein überschaubarer Aufwand. Unter Berücksichtigung von Raumgröße und Eintrittsgeld kommen vielleicht irgendetwas um die 100 Euro heraus und damit ist die Angelegenheit fast schon erledigt. Der Blick auf die Rechnung offenbart dann eine weitere Vereinfachung, die Gelder für die GVL zieht die GEMA nämlich gleich mit ein und reicht sie durch.

Etwas komplizierter wird es, wenn eine Band im Spiel ist. Da muss zwar auch pauschal gezahlt werden, aber dazu möchte die GEMA eine Titelliste übermittelt haben. Am Ende bekommen die Urheber auch sozusagen ihr Geld auch „direkt“ von dieser Veranstaltung. Ein überschaubarer Aufwand, weil die Band auch ein überschaubares Repertoire hat. Wenn jedoch „Konserven“ gespielt werden, also Roberto Blanco von CD Spaß verbreitet, oder der Roberto gar als Hintergrundbeschallung aus dem Radio kommt, dann erfährt die GEMA nichts davon. Aus gutem Grund!

Nehmen Sie die Hintergrundmusik bei einem Café, da müsste sich ja jemand hinsetzen, der aufschreibt, welcher Titel gespielt wurde.

Gabi Schilcher Sprecherin GEMA

Deshalb ist die Pauschale je Veranstaltung die bessere Idee. Eine Pauschale zahlen übrigens auch die Radiosender. Aber zwar nicht in Abhängigkeit von der Raumgröße, sondern eher von Sendergröße, von den Einnahmen und der Hörerzahl. Zusätzlich werden dann die Titellisten an die GEMA übermittelt. Sendestunde für Sendestunde. Das geschieht heute elektronisch direkt aus den Sendesystemen, dadurch ergibt sich am Ende auch ein Verteilschlüssel. Und dieser Verteilschlüssel wird auch genommen, um das Geld der Karnevalsvereine mit zu verteilen. Man geht also davon aus, dass der Tonträger X in einem ähnlichen Verhältnis auf Partys gespielt wird, wie im Radio. Für richtige Diskotheken werden die Ausspiele gesondert ermittelt, weil hier noch einmal ganz andere Musik gespielt wird als im Radio. Aber auch das läuft über die GEMA. Die häufigste Frage, die den Kollegen dort gestellt wird, ist übrigens die, wieviel der Dieter Bohlen nun bekommt, wenn ein Titel von ihm im Radio gespielt wird.

Das, was der Sender einspielt, geteilt durch die Minuten in denen Musik gespielt wird, das ist ungefähr das, was wir verteilen können. Also in Ihrem Fall vielleicht 3 Sekunden pro Minute.

Gabi Schilcher Sprecherin GEMA
Sujetbild Digitalradio
Läuft auf einer öffentlichen Party Musik aus dem Radio, wird eine Pauschale fällig. Welche Musik genau gespielt wird, interessiert aber keinen. Bildrechte: digitalradio.de

Das teilen sich dann Komponist, Texter und Verleger. Und wenn es drei Komponisten sind, dann teilen sich die drei den Komponistenanteil. Voraussetzung: Jeder ist Mitglied bei der GEMA. Für die Künstler gibt es – wie schon erwähnt – auch eine Verwertungsgesellschaft, die GVL, die „Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten“. Wer singt oder geigt, ist hier zu Hause. Also wenn Dieter Bohlen auch noch „gesungen“ hat, dann gibt’s zum GEMA-Geld für die Komposition auch noch ein paar Groschen für den Gesang von der GVL. Und damit der Karnevalsverein nicht noch eine Rechnung bekommt, erledigt das die GEMA immer gleich mit.

Wenn Sie eine GEMA-Rechnung erhalten für das Ausspielen von Tonträgern, sagen wir 100 Euro, dann kommen noch einmal 20 Euro oben drauf für die GVL, also für die Interpreten.

Gabi Schilcher Sprecherin GEMA

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 29. Januar 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2019, 11:53 Uhr

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