Der Redakteur | 16.01.2019 Wer überwacht eigentlich Gewinnspiele?

Ob Sonderaktionen von Lotto, bei der Aktion Mensch oder Gewinnaktionen von Privatfirmen oder beim MDR - Wer prüft oder überwacht, dass die Aktionen tatsächlich stattgefunden haben, die angeblichen Gewinner tatsächlich existieren und die Gewinne auch tatsächlich ausgezahlt werden? Das wollte David Gebhardt aus Erfurt wissen.

von Thomas Becker

Mann hat einen Bleistift in der Hand, vor ihm liegen Lottoscheine
Bildrechte: Colourbox.de

Nun soll es ja nichts geben, was es nicht gibt. Aber das Ergebnis des heutigen Tages ist es schon, dass es bei vielen Gewinnspielen ausreichende Sicherheitsmechanismen gibt, die letztlich dafür sorgen, dass es einerseits den Gewinn gibt und dann auch den Gewinner. Wir haben heute bei uns im Haus begonnen und unter Hinweis auf unsere Gewinnspielbedingungen und die Revision gelernt, dass für Nachprüfungen aller Art die Gewinnspielunterlagen aufgehoben werden.

Bei uns gibt es wie in anderen großen Unternehmen auch eine interne Revision. Wir müssen nachweisen - ob das Konzertkarten sind oder Reisen oder auch Geldbeträge. Die Gewinner werden entsprechend auch gespeichert. Und zwar zehn Jahre lang. Die Revision kontrolliert das auch regelmäßig.

Jens Christof, stellvertretender Hörfunkchef MDR THÜRINGEN

Letztlich sind so viele Menschen mit den Abläufen betraut, dass das Ganze über das berühmte "Vier-Augen-Prinzip" weit hinausgeht. Hinzu kommt, dass Unternehmen die Gewinnspiele durchführen, um zum Beispiel mit ihren Kunden ins Gespräch zu kommen und diese auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Das ist auch in der Privatwirtschaft so, sagt Rechtsanwalt Steffen Wilde aus Köln, der schon für viele Firmen Gewinnspielbedingungen rechtssicher formuliert hat. Man kann davon ausgehen, je bekannter der Name eines Unternehmens ist, umso sicherer kann man sein, dass solche Gewinnspiele auch sauber ablaufen. Und eine Firma, die Millionen umsetzt wird nicht wegen der Verlosung eines Kleinwagens ihren Namen aufs Spiel setzen.

Das wird in dieser multimedialen Welt immer wichtiger, dass man eine Reputation hat.

Steffen Wilde, Rechtsanwalt

Ein Notar beurkundet die Gewinnspiele

Ganz anders kann das bei oft unaufgefordert zugesandten Gewinnspielbenachrichtigungen aussehen, egal, ob sie per Post kommen oder übers Netz. Wer keinen Namen hat, kann auch keinen verlieren. Notar Dr. Stephan Döbereiner aus Gotha wirft solche Dinge grundsätzlich ungesehen in den Papierkorb. Beruflich wird er immer mal wieder hinzugeholt, wenn es darum geht, den ordnungsgemäßen Ablauf von Gewinnspielen zu beurkunden. Das kann die Bestückung eines Adventskalenders eines Vereins sein, der hochwertige Preise enthält oder die Verlosung eines Autos in einem Autohaus. Ein Notar ist in solchen Fällen eine Amtsperson, die sehr genau hinschaut.

Das ist eine reine Tatsachenbeschreibung des Notars. Er ist vor Ort, beobachtet den Verlosungsvorgang und wenn etwas nicht ordnungsgemäß abläuft, greift er ein. Und anschließend macht er ein Ergebnisprotokoll von dem, was er beobachtet hat.

Dr. Stephan Döbereiner, Notar

Das bedeutet auch, dass ein Notar es ablehnt, einen Vorgang zu protokollieren, den er eben nicht durchschauen kann. Zum Beispiel das Ermitteln von Gewinnern in den Tiefen eines IT-Systems. Doch auch diese Systeme sind mitunter über jeden Zweifel erhaben, so wie die Systeme von Lotto. Diese gelten als so sicher und nicht manipulierbar, dass sogar die Mitarbeiter von Lotto nebst Geschäftsführer mitspielen dürfen. Trotzdem ist der berühmte "Herr Rohr", den wir noch vom Telelotto kennen, bis heute ein treuer Begleiter bei den Ziehungen und auch bei den Sonderziehungen von Lotto Thüringen sind amtliche Augen dabei.

Da kommt dann extra ein Beamter aus Erfurt nach Suhl und nach einem festgelegten genehmigten Ablauf werden dann die Gewinner ermittelt. Darüber wird dann ein Ziehungsprotokoll angefertigt.

Jochen Staschewski, Geschäftsführer von Lotto Thüringen

Sonderauslosungen müssen genehmigt werden

Übrigens muss sich Lotto vorher die Sonderauslosungen von den Aufsichtsbehörden des jeweiligen Bundeslandes genehmigen lassen. Das Geld dafür stammt aus einem Topf, in dem die nicht abgeholten Gewinne landen. Und auch die von unserem Fragesteller angesprochene "Aktion Mensch" hat eine ganze Reihe von Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um einerseits Manipulationen auszuschließen und andererseits die Rechtmäßigkeit zu dokumentieren. Dazu haben wir folgende schriftliche Stellungnahme erhalten:

"Die 'Aktion Mensch' ermittelt einmal pro Woche im Beisein eines Aufsichtsbeamten (jeweils ein Mitarbeiter eines Ministeriums, zum Beispiel ein Beamter aus dem Rheinland-Pfalz Ministerium der Finanzen) die Gewinnzahlen. Teilnehmende sind außerdem der Ziehungsleiter, ein Administrator aus der IT sowie ein Ziehungsadministrator. Diese vier Personen überwachen gemeinsam die Fehlerlosigkeit der Ziehung in der 'Aktion Mensch'-Geschäftsstelle. Für die Ziehung sind zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Die Ziehungs-Software wird auf einem extra dafür eingerichteten Rechner durchgeführt. Diese Ziehungs-Software wurde vom TÜV Rheinland abgenommen und wird nach jeder Änderung oder Erweiterung (z.B. neue Lose, neue Ziehungsarten etc.) erneut abgenommen. Somit werden die vom Gewinnplan geforderten Wahrscheinlichkeiten gewährleistet."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 16. Januar 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 15:57 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.