Der Redakteur | 01.04.2019 Forscht die Industrie an Autos mit Holzvergasern?

Otmar Stieber aus Haina kennt aus seiner Kindheit Lastwagen mit Holzvergasern. Die Fahrer schütteten Pellets in die Kessel, um Holzgas als Treibstoff zu nutzen. Wird dahingehend geforscht?

von Thomas Becker

Ein Auto mit Holzvergaser 1947 vor dem Hauptbahnhof in Leipzig
Auto mit Holzvergaser im Jahr 1947: Die Antriebstechnik war vor allem in Kriegszeiten im Einsatz, als Benzin knapp war. Bildrechte: imago/imagebroker

Die Vorstellung hat schon was. Ich schiebe ein paar Scheite Holz ins Auto und fahre los. Drei Kilogramm Holz entsprechen etwa einem Liter Benzin - und wenn alles verbrannt ist, kurzer Tankstopp am Waldrand und weiter geht’s.

Gut fünf Minuten dauert alleine das Anheizen

Aber so einfach ist es leider nicht. Es fängt schon mit dem Starten an. Wen schon die paar Sekunden Vorglühen des Diesels nerven, der wird an den fünf Minuten zum Anheizen schier verzweifeln. Und das ist schon eine Spitzenzeit, so Günter Hartmann, der einen alten Traktor der Marke "Fahr" aus dem Jahre 1943 fährt. Zu besonderen Anlässen versteht sich, aber trotzdem nicht im guten Anzug. Denn es geht im schlimmsten Fall los mit der Reinigung des Systems vom Einsatz am Vortag. Das lässt sich nur beim erkalteten System und stundenlangem Abkühlen erledigen und dauert alleine schon eine knappe halbe Stunde.

Aber mal angenommen, der Traktor steht "gereinigt und gelüftet" in der Garage, dann sind aber auch die fünf Minuten anheizen recht schweißtreibend. Per Kurbel und Handgebläse bringt Günter Hartmann den Sauerstoff an die Feuerstätte, bis ein brennbares Gas entstanden ist. Dann - das ist schon ein Segen des Fortschritts - startet er den Motor statt mit einer weiteren Kurbel mit etwas Benzin, das sich in einem Extratank befindet. Und dann schaltet er sofort auf Holzgas um. Zum Fahren kann er das Benzin leider nicht gebrauchen. Dafür braucht’s die Holzgase, die letztlich als brennbare Bestandteile hauptsächlich Kohlenmonoxid und Methan enthalten. Mit denen tuckert der Traktor dann fröhlich vor sich hin und auch sehr umweltfreundlich. Nur der Prozess davor ist es leider nicht und seine Endprodukte sind es auch nicht.

Die Gase, die entstehen, bis man ein brennbares Gas hat, die sind sehr giftig, auch die entstehenden Teerablagerungen.

Günter Hartmann, Besitzer Holzvergaser-Traktor Typ "Fahr"

Denn Asche ist leider nicht das einzige, was am Ende übrig bleibt. Hinzu kommt das Holzgaskondensat, das ist eine braune Brühe, die man früher einfach auf die Straße laufen ließ. Doch sie enthält einen kleinen Chemiebaukasten, darunter Phenol, Kresol und Essigsäure, sodass Günter Hartmann das "Abwasser" seines Traktors in einem Kanister sammelt und dann wie auch das Altöl bei der nächsten Sondermüll-Entsorgung abgibt.

Notvariante in Kriegs- und Krisenzeiten

Und der Holzvergaser braucht auch über das tägliche Reinigen hinaus viel Pflege, vom Reinigen des Aschekastens bis hin zur Demontage einzelner Teile und dem Einfetten der Dichtungen. Denn Nebenluft darf das System nicht ziehen, der Motor saugt das Gas sozusagen selbst an. Wenn das nicht mehr funktioniert, bleibt er einfach stehen. Da hilft auch das Nachwerfen neuer Holzscheite nicht mehr. Kein Wunder, dass die Holzvergaser eher eine Notvariante waren. Im Krieg, bei den Russen in entlegenen Gebieten oder zu DDR-Zeiten, wenn unsere Freunde in der Sowjetunion mal wieder am Ölhahn spielten. Wir hatten heute einige Anrufe von Thüringern, die bis in die 80 Jahre von mehr oder eher weniger gelungenen Versuchen berichteten, den "LO"  aus dem VEB Robur-Werke Zittau zum Holzvergaser umzurüsten. Es gab Erzählungen von Kohle-Lkw in der Rhön und einem gesichteten Holzvergaser-LO in Gera.

Keine Forschung zu Holzvergasern - aber zur Gasgewinnung aus Biomasse

Und Hans-Joachim Büttner aus Meinigen berichtete davon, dass zu wenig trockenes Holz zur Verfügung stand, weshalb die Gasreinigungsanlagen nicht richtig funktionierte und die Rückstände Kolben und Zylinder regelrecht verklebten. Denn es waren ja "ganz normale" Benzinmotoren. Auch der Traktor von Günter Hartmann ist technisch ein Benziner, bei dem der Vergaser quasi durch den Holzvergaser ersetzt wurde.

Dass das aktuell zum Trend wird, damit ist nicht zu rechnen, der Verband der Autoindustrie ist bei der Suche nach einem forschenden Experten in der Automobilindustrie offenbar auch nicht fündig geworden. Wobei eines auch zur Wahrheit gehört: Bei der Suche nach alternativen Kraftstoffen sind auch die Holzabfälle dabei, zum Beispiel, wenn es um die Vergasung von Biomasse geht, aus der dann eben Gase wie Methan gewonnen werden. Und das haben wir heute schon in Erdgastanks und es lässt sich auch viel einfacher tanken, als es mit einem Feuerchen an Bord des Fahrzeugs mühsam herzustellen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 01. April 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 16:19 Uhr

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7 Kommentare

02.04.2019 22:29 Burkhard Picker 7

Das wäre ja eine Katastrophe, wenn das gut funktionieren würde. Da hätte Vater Staat kaum Zugriff auf den Antriebsstoff- Holz. Vor Jahren gab es den Anlauf mit Rapsöl in der Landwirtschaft zu fahren. Das durfte nicht sein aus oben genanntem Grund. Da mußte das Bioöl zu Rapsmethylester umgewandelt werden. Da hatte man den Weg zur Chemie und zurück zwischengebaut. Der Staat verlangte seine Abgaben drauf und Biodiesel war dann nicht konkurenzfähig. Prima System erst Fördermittel für die Rapsölherstellung verteilen,dann die Abgaben drauf erhöhen so das die Hersteller in den Ruin getrieben werden. Ich glaube dieses System heißt Kapitalismus und der große Philosoph aus Trier hatte bestimmt recht. Wenn eine Firma in Konkurs geht kann es viele Gründe geben. Am Einfachsten macht der Staat neue Vorschriften o. Spielregeln und schon ist es um die Firma geschehen. Nur die die systemrelevant u. alternativlos sind die werden vom Staat gerettet. Und hier ist es egal ob Staatsbank oder Aktienges.

01.04.2019 20:47 augu 6

ein Bekannter hat mir mal erzählt, dass gegen Kriegsende auch deutsche Panzer auf Holzvergaser umgerüstet wurden. Wohl aber nicht, um damit in die Schlacht zu fahren, sondern um den Russen gen Westen zu entkommen.
Die vielen PKW´s mit Holzvergasern in den Endvierziger Jahren habe ich als Kind selbst erlebt.
Eine spätere Variante mit Propangasflasche war nicht nur viel leichter zu handhaben, sondern auch sehr preiswert im Verbrauch. Der Nachteil war bei Überlandfahrten nur die wenigen Stellen, wo man die leere Flasche gegen eine neue, volle tauschen konnte.