Der Redakteur | 14.11.2019 Toiletten in Hotels nur für Gäste: Geht das?

Darf ein Hoteleigentümer festlegen, dass Toiletten im öffentlichen Bereich des Hotels nur von Hausgästen benutzt werden dürfen? Diese Frage hat uns Igor Naumann aus Erfurt gestellt. Redakteur Thomas Becker hat dazu recherchiert.

von Thomas Becker

Eine Toilette
Hotels müssen ihre Toiletten nicht kostenlos für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Bildrechte: Colourbox.de

Ganz klares "Ja!". Ob es klug ist, dahinter darf man jedoch getrost ein Fragezeichen setzen. Zunächst die rechtliche Seite... Wer eine Gaststätte betreibt oder ein Hotel, der ist rechtlich in einer ähnlichen Situation wie jemand, der ein Häuschen hat oder eine Mietwohnung. Der Gewerbetreibende darf also selbst entscheiden, ob er seine Einrichtung zum öffentlichen Klo macht oder nicht.

Weil ich eben das Hausrecht als Mieter und erst Recht als Eigentümer eben auch ausüben kann, für die von mir innegehaltenen Räume, über die ich die Verfügungsgewalt habe. So bin ich nicht verpflichtet, jedem aus der Öffentlichkeit generell Zutritt zu gewähren.

Rechtsanwältin Beate Heilmann, Deutscher Anwaltsverein, Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien

Und an dieser Stelle gleich das Strafgesetzbuch zu zücken und sich darauf zu berufen, dass da jetzt jemand Hilfe in einem Notfall verweigert, das dürfte eher nicht klappen. Solche Notfälle hatte der Gesetzgeber nämlich nicht im Sinn.

Die unterlassende Hilfeleistung ist strafrechtlich klar geregelt. In einem Notfall muss ich Hilfe leisten. Aber das würde ich nicht als einen Unglücksfall ansehen. Das wäre aber die strafrechtliche Voraussetzung.

Rechtsanwältin Beate Heilmann, Deutscher Anwaltsverein, Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien

Wenn es also rechtlich schon kein medizinischer Notfall oder Unglücksfall ist, so ist es doch hoffentlich ein bedauerlicher Einzelfall. Denn dass jemand letztlich um ein Gespräch beim Geschäftsführer bittet, obwohl er eigentlich nur zur Toilette möchte, dass sollte doch bitte nicht Standard sein. Und ist es auch nicht, sagt der oberste Vertreter der Thüringer Gastronomen.

Ich kenne keinen konkreten Sachverhalt, wo ein Hotelier oder Gastronom sagt, im Grundsatz geht das gar nicht, es sei denn, die Kapazitäten wären sehr klein. Aber das ist eher ein theoretischer Gedanke.

Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Thüringen e.V.

In der Praxis sieht es dann so aus, dass für Gäste, die nur etwas da lassen, ein kleines Schild an der Tür hängt, mit dem Hinweis, dass dieser besondere Service 50 Cent oder einen Euro kostet. Denn letztlich ist es ja so, dass die Gastronomen, wie andere Unternehmen auch, ihre Kosten kalkulieren. Und da sind die Kosten für Verbrauchsmaterialien und Reinigung der Toiletten mit eingepreist. Das geht natürlich irgendwann nicht mehr auf, wenn eine Einrichtung verkehrstechnisch "günstig" liegt und auch noch eine "Wohlfühlqualität" anbietet, die sich natürlich herumspricht in der Stadt.

Vielleicht versäumt aber auch das eine oder andere Geschäft, das Geschäft zum Ausgangspunkt einer nachhaltigen Geschäftsbeziehung zu machen, so wie es in Japan üblich ist. Dort erreicht man die Kunden gerne gezielt übers Klo. Mit Hightech-Schüsseln und wahren Duft- und Klangerlebnissen werden die Leute geradezu umschmeichelt, so dass sie dann im Anschluss entspannt und erleichtert die Regalreihen abschreiten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 14. November 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 17:03 Uhr

1 Kommentar

wwdd vor 10 Wochen

Wenn man dann im Park wild pinkelt, ist es auch nicht richtig und wird möglicherweise bestraft.