Der Redakteur | 09.01.2020 Haben Hunde ein "eingebautes" Navi?

Hat ein Hund ein eingebautes Navi? Wenn er mit seinem Hund eine längere Autofahrt zu einem Ort macht, wo der Hund schon einmal war, dann wird der Hund selbst nach stundenlangem Schlafen kurz vor dem Ziel wach. Und dann erwartet er unruhig und freudig die Zielankunft. Woher weiß er, dass sie gleich da sind?

Ein Hund steckt seien Kopf aus einem Autofenster.
Woher weiß der Hund, dass das Ziel gleich erreicht ist? Bildrechte: Colourbox

Ein Hund ist ein Raubtier, aber auch ein Tier, dessen Vorfahren durchaus Teil der Nahrungskette waren. Zwei Gründe, beim Schlaf nun nicht gleich völlig abzuschalten. So wie auch bei uns einige Sinne auf Empfang sind, mit gewissen Schwellwerten, sonst würden wir ja unseren geliebten Wecker nicht hören. Das heißt, auch wenn der Hund schläft, sind Nase und Ohren auf Empfang. Nun stellen wir uns die Autobahnfahrt vor, die über Kilometer gleichförmig verläuft. Gleichmäßig rollen die Reifen über die Fugen, auch das Geräusch des Motors im 6. Gang ist nichts Aufregendes. Was da passiert, ist unterhalb aller "Schwellwerte", die ein Wachwerden erforderlich machen.

Wenn aber jemand von der Autobahn runter fährt, ist das natürlich ein Moment! Jetzt passiert etwas! Wir fahren Kurven, müssen anhalten … wahrscheinlich sind wir bald da!

Dr. Karsten Brensing Verhaltensforscher und Buchautor

Lange Autofahrt + Kurven + Hupen = Gassi

Hund 3 min
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Ob Hunde einen siebten Sinn haben oder einfach nur gute Beobachter sind. Darüber haben wir mir Andrea Buisman, Fachfrau für Hundetraining- und erziehung, gesprochen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 09.01.2020 16:10Uhr 03:03 min

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Nun ist es vielleicht sogar relativ wurscht, wo sich die Abfahrt befindet oder der Stadtverkehr/Lärm beginnt, wo das Pflaster ständig wechselt und das Tempo ebenso. Am Ende geht immer die Tür auf, was für einen Hund schon mal ein Grund zur Freude ist. Und alleine schon diese gedankliche Verbindung "lange Autofahrt + Kurven, Hupen, Kopfsteinpflaster = Gassi" ist nicht zu komplex für ein Hundehirn. Möglicherweise kommt das "Wecksignal" auch von uns selbst. Der vermeintlich tief schlafende Hund dämmert vielleicht nur vor sich hin und macht ab und zu dann doch mal die Augen auf.

Hunde beobachten uns Menschen. Also, kurz bevor man irgendwo ankommt, schaut man vielleicht auch mehr nach der Umgebung.

Andrea Buisman, Fachfrau für Hundetraining- und erziehung

Sprich: Es wird unruhiger im Auto und der Hund registriert das. Oder es gibt sogar „Weckreize“ von draußen. Wie gesagt, der Hund schläft ja nicht mit allen Sinnen. Es könnte also durchaus sein, dass er sich auch Gerüche oder Geräusche der Gegend eingeprägt hat, die wir gar nicht wahrnehmen (können). Vielleicht hängen kurz vor Köln Fledermäuse unter einer Autobahnbrücke und deren Geräusche lösen im Schlaf das Gleiche aus, wie das Kopfsteinpflaster kurz vor Kassel.

Wenn ein Hund bestimmte Dinge wahrnimmt, die für ihn Grund sind, sich zu orientieren, dann wird er munter und versuchen, sich zu orientieren. Er wird sich umsehen und gucken, was da los ist.

Dr. Karsten Brensing Verhaltensforscher und Buchautor

Hunde können nicht nur gut schnuppern

Logo MDR 10 min
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Riechen, Sehen, Hören - Wie Hunde ihre Umwelt wahrnehmen - darüber haben wir mit Verhaltensforscher und Buchautor Dr. Karsten Brensing gesprochen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 09.01.2020 16:10Uhr 09:53 min

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Und "gucken" ist durchaus ein gutes Stichwort. Zwar ist es richtig, dass Hunde besser riechen und hören können als wir, aber trotzdem laufen sie ja nicht blind durch die Gegend. Es ist ein Trugschluss, dass Hunde weniger mit den Augen wahrnehmen als wir, sagt Hundeexpertin Andrea Buisman, Co-Autorin der zahlreichen Fachbücher von Martin Rütter. Auch in der Kommunikation zwischen Hunden läuft vieles visuell. Stichwort Schwanzwedeln.

Hunde haben auch einen guten Blick. Das heißt, sie sehen dann: Wir fahren auf den Waldparkplatz ein. Oder: Da ist das Haus von unseren Freunden.

Andrea Buisman, Fachfrau für Hundetraining- und erziehung

Genauso wie wir prägen sie sich Bilder ein und verknüpfen diese auch mit Erinnerungen. Also, was auch immer den Hund aus dem Dämmerschlaf geweckt hat, danach steht tatsächlich ein Erkenntnisprozess, ähnlich dem von uns Menschen.

Auch Tiere haben eine Biografie. Es ist nicht so, wie wir uns das immer vorgestellt haben, dass die Tiere nur im Hier und Jetzt leben. Das ist Quatsch. Natürlich kann sich ein Hund an etwas erinnern, was für ihn relevant und emotional war. Hunde leben vermutlich in einer Welt, die der unseren sehr nahe ist.

Dr. Karsten Brensing Verhaltensforscher und Buchautor

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 09. Januar 2020 | 16:10 Uhr

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