Der Redakteur | 07.05.2019 Was ist mit Kameras und Handys bei Veranstaltungen?

Warum werden bei Veranstaltungen Unterschiede zwischen mitgebrachten Kameras und Handys gemacht? Zum Beispiel mussten wir eine einfache Pocketkamera ins Auto zurückbringen, während Handys mit weitaus besserer Fotoqualität durchgelassen wurden!

von Thomas Becker

Menschen stehen vor einer Bühne und betrachten eine beeindruckende Lichtshow.
Bildrechte: Colourbox.de

Wir bewegen uns auf einem sehr sensiblen Gebiet. Und zwar zwischen Kunst, Urheberrecht, Anstand und Sicherheit. Wir haben es mit empfindlichen Künstlern zu tun, mit mächtigen Verlagen, mit geldinteressierten Urhebern, mit ängstlichen, weil verantwortlichen Veranstaltern und mit Tausenden von Menschen, die bestenfalls in Partylaune sind. Deshalb sind meistens Flaschen und Gläser verboten und Taschenkontrollen dienen zunächst der Sicherheit. In vielen Fällen sind Rucksäcke verboten, Handtaschengrößen beschränkt und größere Gegenstände, die zum Wurfgeschoss oder zur Waffe werden können, müssen ebenso draußen bleiben.

Ist da ein Vorsatz?

Roland Kaiser singt am Freitagabend (03.08.12) bei den Filnächten am Elbufer in Dresden
Kameras dabei - große und kleine... Bildrechte: IMAGO

Ob die Pocketkamera in der Handtasche von Frau Auerbach für einen Security-Mitarbeiter als bedrohlich eingestuft wurde, wissen wir nicht. Wenn die kleine Kamera wegen der verbotenen Film- und Tonaufnahmen zum verbotenen Gegenstand wurde, dann ist das schon etwas lächerlich, sagt Medienanwalt Daniel Kötz und verweist darauf, dass sein Handy möglicherweise viel bessere Bilder macht. Allerdings ist die Pocketkamera auch nicht zum Telefonieren geeignet, weshalb der Kontrolleur unter Umständen einen gewissen Vorsatz unterstellen konnte, dass man sich über das Aufnahme-Verbot hinwegsetzen will. Ob das Mitführen deshalb so rigoros untersagt werden kann, das ist juristisch zweifelhaft. Es kann gern einmal jemand auf die Spitze treiben und die Angelegenheit vor Gericht bringen, dann wissen wir mehr. Beim Handy hingegen heutzutage die Absicht zu unterstellen, dass jemand fotografieren will, ist hingegen schwierig.

Meines Erachtens nach übersteigt es die Befugnis des Veranstalters, wenn er vorher dafür sorgen will, dass die Leute keine Handys haben. Und jetzt über die Waffenkontrolle hinaus, auch noch die kleinen schmalen Handys aufspüren will. Da sind wir nahe dem Abtatschen.

Dr. Daniel Kötz, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht

Hausrecht gilt schon

Nach dem Motto: Generalverdacht für alle! Vorsorglich verhaften wir die Bevölkerung und erwischen somit auch die Spitzbuben, das geht natürlich nicht. Auch würde wohl ein Richter die  Persönlichkeitsrechte der unbescholtenen aber pauschal verdächtigten Gäste höher einstufen, als irgendwelche Urheberrechte, die möglichweise verletzt werden könnten. Zudem handelt es sich beim Handy heute um einen Alltagsgegenstand, den man dabei hat. Die Veranstalter, die das Mitführen von "Fotohandys" verbieten, machen sich mit einer solchen Regelung schon ein wenig lächerlich. Gleichwohl sieht es der Medienanwalt als legitim an, dass ein Veranstalter von seinem Hausrecht Gebrauch macht und weiterhin Bild- und Tonaufnahmen von der Veranstaltung untersagt. Dieser Bitte sollte man auch Folge leisten, denn sonst ist man ja nicht mehr der "Unschuldige vom Eingang", sondern tatsächlich jemand, der gegen den mit dem Kauf der Eintrittskarte abgeschlossenen "Vertrag" verstößt. Dann muss man sich auch nicht wundern, wenn man nachdrücklich nach draußen gebeten wird.

Der Veranstalter hat natürlich auch Wünsche des Künstlers zu berücksichtigen. Und wenn ein Künstler sagt, dass er möchte nicht, dass Aufnahmen gemacht werden, dann hat er dafür zu sorgen, dass das eingehalten wird.

Prof. Jens Michow, Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft

Es gibt Künstler, die sehen das als Werbung, wenn die Leute Sequenzen der Konzerte in den sozialen Netzwerken posten. Anders Künstler wollen das eben nicht. Und auch wer viel Eintrittsgeld bezahlt, hat sich dafür nicht die Generalerlaubnis für alles erkauft. Und da sind wir auch schon an dem Punkt, wo wir die Kiste mit dem Anstand öffnen. Da steht also ein Künstler auf der Bühne und gibt für "sein" Publikum mitunter das letzte verschwitzte Hemd. Und statt in strahlende und ebenso verschwitzte Gesichter schaut er nur auf blendende Displays? Die "Handys zum Himmel", statt der Hände? Wieviel von einem Konzert bekommen die "Kameramänner" da unten eigentlich noch mit?

Leuchtende Störenfriede

Ina Müller während eines Konzertes auf der Parkbühne.
Direkte Ansprache gegen störende Handys: Ina Müller Bildrechte: imago/Future Image

Prof. Michow sieht hier schon eine Entwicklung, die viel von der Atmosphäre der Konzerte zerstört hat. Und so ganz nebenbei stört das Handy auch. Denn die Handydisplays spiegeln das Licht der Scheinwerfer und im Ergebnis bekommen die Künstler ständig irgendwelche Lichtblitze ins Gesicht. Wie die klassische Uhr aus dem Schulunterricht, mit der man das Sonnenlicht den Mitschülern ins Gesicht gespiegelt hat. Ein Bob Dylan lässt sich so etwas nicht bieten, er hat in Wien schon ein Konzert unterbrochen, bis die Leute ihre Handys weggesteckt hatten. Ina Müller beispielsweise geht vor ihren Konzerten schon mal durch die Reihen und spricht die Leute direkt an, die permanent mit dem Handy herumfuchteln. Das ist dann richtig peinlich und heilsam wahrscheinlich auch.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 07. Mai 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 18:58 Uhr

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1 Kommentar

07.05.2019 18:44 Körbs Volker 1

Meiner Meinung nach müßte das fotografieren bei solchen Veranstaltungen generell untersagt werden. Ich habe immer mehr den Eindruck das viele Leute sich mehr mit ihren Handys beschäftigen als das besuchte Event zu genießen.Das ständige hochhalten dieser Dinger stört den Künstler auf der Bühne,sowie den dahinter stehenden Zuschauer.