Der Redakteur | 01.07.2019 Warum werden E-Heizungen nicht gefördert?

Rüdiger Haase Gerstungen schreibt uns: Ich heize mit Strom und mein Strom für die Heizung wird immer teurer. Warum wird meine umweltfreundliche E-Heizung nicht genauso gefördert wie die E-Autos?

von Thomas Becker

Förderprogramme, Steuererhebung, Steuererleichterung - das alles sind Mittel des Staates, um das Verhalten von uns Bürgern oder von Unternehmen in bestimmte Richtungen zu lenken. Mit sanftem finanziellen Druck. Anreize lassen sich setzen, indem man z.B. Steuern erhöht oder senkt oder - da sind wir beim Fördern - sogar noch richtig was obendrauf legt. Hier sind Zuschüsse sehr beliebt, aber längst nicht alles.

Wir verstehen unter Förderung neben solchen Zuschussprogrammen beispielweise zinsgünstige Darlehen oder Bürgschaften oder Eigenkapitalhilfeprogramme. Natürlich erlässt das Land aus eigenem Interesse Richtlinien.

Steffen Peschke, Thüringer Aufbaubank, Leiter Kundencenter Mittelthüringen

Es sind immer die Regierungen, die letztlich eingesetzt vom Wähler, für die Entwicklung des Landes verantwortlich sind. Die entsprechenden Fachministerien entwickeln auch die Förderprogramme, die dann zum Beispiel von der Thüringer Aufbaubank abgewickelt werden. Die Bank verteilt das Geld. Auch der Bund und die EU haben Ziele und Förderprogramme, um die 3.000 geistern derzeit durch die Lande und es ist ganz sicher eine Kunst, das Richtige für sich zu finden.

Ein wichtiger Ansprechpartner in Sachen Heizungserneuerung kann auch die KfW sein. Und dieser Erneuerungsgedanke steckt auch hinter der Förderung von E-Mobilität. Weil es salopp gesagt politisch und gesellschaftlich gewollt ist, ineffiziente oder/und klimaschädliche Systeme zu ersetzen. Das ist bei Heizungen nichts anderes. Deswegen wird eine Heizung, die direkt am Stromnetz hängt - selbst wenn Sie mit Nachtstrom arbeitet - nicht unbedingt vorn dabei sein.

Die Direktheizung mit Strom, da hätte ich momentan noch Bauchgrimmen. Rein primärenergetisch ist es einfach der ineffizientere Weg. Warum sollte ich aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme machen, wenn ich daraus drei Kilowattstunden Wärme machen könnte mit einer Wärmepumpe.

Peter Schossig, Geschäftsfeld Energieeffiziente Gebäude am Fraunhofer Institut

Weil die Anfangsinvestitionen natürlich größer sind, werden Anreize geschaffen in Form von Förderprogrammen. Ohnehin sieht Peter Schossig die Wärmepumpe ganz vorn, wenn es um die Zukunft unserer Heizung geht. Zumal unser Strom, der ja zum Betrieb der Pumpe auch gebraucht wird, mehr und mehr aus erneuerbaren Quellen kommt.

Nun könnte man sich die Frage stellen, haben die denn eigentlich bei den knapp 40 Grad am vergangenen Wochenende keine anderen Sorgen als eine Heizung? Stimmt, aber die Wärmepumpe könnte eben - richtig geplant - auch bei 40 Grad eine Lösung sein. Als "Klimaanlage". Die Betonung liegt auf "richtig geplant". Denn hier muss ein Gesamtkonzept her, das zum Gebäude passt. Ohne technisch ins Detail zu gehen: Die Wärmepumpe arbeitet ja nach dem Kühlschrankprinzip. Jemandem wird Wärme entzogen, ein anderer bekommt sie. Beim Kühlschrank ist es die Rückwand und letztlich die Küche. Nun stellen wir uns unser Haus als großen Kühlschrank vor, der - je nach Jahreszeit - entweder innen beheizt wird oder gekühlt. Es lohnt sich also durchaus, darüber einmal nachzudenken, bevor man die neue Gasheizung ordert. Ganz wichtig dabei ist die richtige Reihenfolge der Schritte, sonst gibt es keinen Euro, egal wie die Institution heißt, die letztlich das Vorhaben fördern soll.

Man muss seinen Förderantrag stellen, bevor man die Aktivitäten auslöst und kann erst dann anfangen zu bauen. Das schreiben Bundes- und Europarecht vor.

Steffen Peschke, Thüringer Aufbaubank, Leiter Kundencenter Mittelthüringen

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 01. Juli 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2019, 16:18 Uhr

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1 Kommentar

01.07.2019 17:05 Ralf Bock 1

Ich fasse mich kurz, und das fällt mir bei diesem Thema schwer. Es geht hier einfach um den guten alten Nachtstrom. Seit vielen Jahren nahezu verteufelt. Bei unserer heutigen smarten Zählertechnik spielt dieser Name keine Rolle mehr. Bei Überproduktion, zu welcher Tageszeit und woraus erzeugt auch immer, kann man in einem „Nachtstromofen“ mittels ehemals Schamottekern eine temporär überflüssige Energie speichern. Die heutigen Speichermaterialien sind natürlich wesentlich effizienter. Aber man baut lieber Batteriehäuser aus natürlich endlichen Rohstoffen. Ein seltsames Umweltbewusstsein! Viele Grüße Ralf Bock