Der Redakteur | 24.10.2019 Woher kommt der Ruf "14, 15 Kirmse"?

"14, 15 Kirmse!" Birgit Huschke aus Rittersdorf im Weimarer Land hat sich gefragt, warum das bei vielen Kirmes-Veranstaltungen gerufen wird. "Der Redakteur" ist der Herkunft des Rufs auf den Grund gegangen.

von Thomas Becker

Volles Haus beim Kirmesopening in Dingelstädt
Wie ist die Kirmes eigentlich entstanden und woher kommen die Schlachtrufe? "Der Redakteur" hat Antworten. (Symbolfoto) Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Es gibt so wundervolle Vermutungen, die teilweise auch schon zum festen Glauben mutiert sind, dass es schade um sie wäre. Eine Erklärung hat unsere Fragestellerin gleich mitgeliefert: es könnte das Alter sein, ab dem junge Mädchen einst zur Kirmes durften. Die Großmutter hatte sie einst in diesem Alter um die 14, 15 Jahre zur Balljungfer erklärt. Gegen diese These sprechen andere Schlachtrufe, so wie die aus dem Schwarzatal, wo von "(60) - 70 - 80 - 90 Kirmes" die Rede ist. Denn wir wollen doch nicht hoffen, dass man so lange warten muss, um erstmals dabei sein zu dürfen.

Kirmes-Rufe haben nichts mit Jahreszahlen zu tun

Vermutungen, die Zahlen 14 und 15 könnten etwas mit der Jahreszahl 1415 zu tun haben, ließen sich auch nicht erhärten. Dann müsste dieses Jahr nämlich ein ganz bedeutsames gewesen sein, schließlich ist die "Virzen, fuffzen, Kirmse!" weit verbreitet. Es war übrigens das Jahr, in dem Jan Hus in Konstanz als Ketzer auf dem Scheiterhaufen endete.

Großspurige Kirchweih-Schlachtrufe

Auffallend ist, dass viele Kirchweih-Schlachtrufe recht großspurig daherkommen. Soll heißen: Auf der "Kerb" (=Kirmes) ist es derb. "Wem iss de Kerb – Unser!" Das klingt noch halbwegs harmlos, wenn auch besitzergreifend. Selbstbewusst ist auch die Einlassung: "Wie san ma? Schee san ma!" Doch je nach Gegend sind "die anderen "wahlweise "hässlich" oder haben "an Scheissdregg", also wohl keine ernstzunehmende Kirmes. In diesem Kontext klingt die Erklärung von Peter Pilz plausibel. Er ist Ortschronist der Einheitsgemeinde Schwallungen, der die Zahlenspielerei in diesen Bereich der Aufschneidereien einsortiert: Wir können länger feiern als andere.

Im Schmalkaldetal heißt es 3 - 6 - 9 - Tage Kirmes, also ein Zeichen, dass die Jugendlichen bis 9 Tage feiern wollen. In Schwallungen heißt es "14 -15 Kirmes", die wollen 15 Tage feiern. Und da die Eckardtser im Feiern ganz stark sind, haben sie das gleich auf 21 Tage erweitert.

Peter Pilz, Ortschronist der Einheitsgemeinde Schwallungen

Kirchweihe als Grund zum Feiern

Interessanterweise haben wir keinen Kirchenhistoriker gefunden, der sich mit diesen Schlachtrufen befasst beziehungsweise deren Herkunft erforscht hätte. Auch befragte Kulturhistoriker und Volkskundler konnten kurzfristig keine Aussage dazu treffen. Fest aber steht, dass die Weihe stets eine feierliche Angelegenheit war und danach eine Kirche etwas Göttliches war und definitiv kein weltlicher Alltagsgegenstand mehr. Von daher ist es angemessen, wenn das Dorf als Kontrast zu den Ausschweifungen der Kirmeszeit auch gutgekleidet die Kirche aufsucht. Denn sie sollten wissen: Die Kirchweihe gab es schon im 4. Jahrhundert, die Party kam erst später.  

Unter Kirchweihe versteht man die Feier, durch die ein Kirchengebäude in seinen liturgischen Dienst übernommen wird. Und entscheidend war tatsächlich, dass ein Bischof die Kirche in Dienst nimmt, die erste Messe dort feiert. Ab dem Mittelalter entwickelt sich der Brauch, dass man zum Jahrestag nicht nur die Messe, sondern auch einen Jahrmarkt feiert.

Prof. Dr. Christopher Spehr, Inhaber Lehrstuhl Kirchengeschichte Uni Jena

Welche Erklärung haben Sie?

Wobei man sich - wenn die genauen Weihedaten nicht bekannt sind - in Sachen Kirmesdatum auch gern der Geburtsdaten des Patronats der Kirche bedient hat. Das alles genau zu untersuchen, einschließlich der Kirmes-Rufe, wäre ein schönes Thema für eine Abschlussarbeit, liebe Studenten. Mit Professor Spehr stünde vielleicht sogar schon der Erstbetreuer bereit. Für kürzere Einlassungen zum Thema nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion, wir prüfen und ergänzen und hoffen immer noch auf die eindeutige und umfassende Erklärung für diese Tradition … die vielleicht auch ganz einfach sein könnte: "Warum rufen die Leute '14 - 15 - Kirmse'?" Na, weil sie betrunken sind.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 24. Oktober 2019 | 16:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2019, 18:16 Uhr

1 Kommentar

Jedimeister Joda vor 12 Wochen

Das Thema ist wohl interessannt, allerdings wenig relevant.