Der Redakteur | 20.11.2019 Wie werden Motorräder geblitzt?

Karl-Heinz Elsner aus Weimar wollte vom Redakteur wissen, wie zu schnelle Motorradfahrer bei Kontrollen ermittelt werden. Schließlich haben sie nur hinten Nummernschilder und werden von vorn geblitzt....

von Thomas Becker

Marc Marquez und Valentino Rossi beim MotoGP auf dem Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal.
Die Rennfahrer verzichten zur Sicherheit gleich mal aufs Nummernschild... Bildrechte: dpa

Unbestritten haben Motorräder hier einen kleinen Vorteil: Nummernschild und Gesicht sind niemals gleichzeitig auf einem Radarfoto. Und trotzdem sollten sich niemand zu sicher fühlen. Schon gar nicht im Ausland. In den USA sind die Nummernschilder zum Beispiel nur hinten an den Fahrzeugen, deshalb wird auch nur von hinten geblitzt. Und auch anderswo ist das üblich.

Das  passiert auch häufig zum Beispiel in Österreich oder Frankreich. Das liegt aber daran, dass dort eine Halterhaftung gilt.

Rechtsanwalt Christian Janeczek Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht DAV

Diese haben wir bei uns nicht. Das liegt an der Konstruktion unseres Rechtssystems, dass wir niemanden stellvertretend bestrafen. Allerdings sind wir bei den Knöllchen fürs Falschparken schon so weit, dass man als Halter auf den Verwaltungskosten sitzen bleibt, wenn man nicht verrät, wer falsch geparkt hat. Und diese sind meistens über den Kosten für das Verwarngeld.

Das Foto der Polizei zeigt einen 17-jährigen Motorradfahrer, der bei der Fahrt in München seinen ausgestreckten Mittelfinger in eine Überwachungskamera hält.
Ob das gut ausgeht? Bildrechte: dpa

Bleiben wir aber bei unseren Motorradfahrern. Je nach Schwere des Delikts oder auch der Häufigkeit geben sich Polizei und Justiz schon Mühe, den Übertäter zu finden. Mitunter reicht da auch schon der rasche Blick des Beamten, der im Blitzerauto sitzt und sich die Nummer des Motorrads notiert. Bei Wiederholungstätern, die prinzipiell sich einen Spaß daraus machen, an festen Blitzeranlagen vorbeizurasen, macht sich die Polizei auch schon mal die Mühe und ist vor Ort, um den Betreffenden anzuhalten. Sich dann auf das fehlende Foto vom Gesicht zu berufen, ist übrigens keine kluge Idee. Der Richter hat viele Möglichkeiten, mit Hilfe von Gutachtern und polizeilicher Ermittlungsarbeit Personen zweifelsfrei zu identifizieren. Auf dem Originalfoto (nicht auf dem schlechten Ausdruck natürlich) sind zum Beispiel mitunter sehr wohl Gesichtsmerkmale zu erkennen, die reichen von den Augenpartien, über Leberflecke, bis hin zu Tattoos oder Piercings. 

Ich habe die Statur, die möglicherweise passt. Ich kann die Lederkombi sichern und den Helm. Und wenn ich alle Merkmale zusammennehme, kann das ausreichen für die Überzeugungsbildung.

Rechtsanwalt Christian Janeczek Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht DAV

Und da helfen dann am Ende auch keine Ausreden mehr. Mit denen ist es ohnehin so eine Sache. Was die meisten Fahrzeugführer nicht bedenken, der Bußgeldkatalog gilt für die Annahme, dass wir nur schusselig unterwegs sind und nicht vorsätzlich. Das gilt auch für "Sünder" mit Punkten in Flensburg.

Sobald Voreintragungen da sind, kann die Geldbuße erhöht werden. Wird festgestellt, dass jemand nicht nur versehentlich, sondern vorsätzlich zu schnell gefahren ist, verdoppelt sich automatisch die Geldbuße.

Rechtsanwalt Christian Janeczek Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht DAV
Christian Stange 2015 beim SUPERBIKE IDM Lauf am Lausitzring.
Hier ist Schnellfahren erlaubt... Bildrechte: imago images / Pakusch

Das bedeutet: Welche Ausrede auch immer Sie sich zurechtlegen, es ist in 99,9 Prozent der Fälle die falsche. Denn man muss immer abwägen zwischen dem eigenen Grund und der Gefährdung anderer. Die Begründung wird also ganz schnell zum "Geständnis", vorsätzlich zu schnell unterwegs gewesen zu sein mit den beschriebenen Folgen für den Kontostand.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 20. November 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2019, 09:55 Uhr

1 Kommentar

lucas1a vor 9 Wochen

...dennoch werden viel zu wenig Motorräder geblitzt und kontrolliert. Man muß es nur einmal selbst beobachten: Wird ein Motorradfahrer wegen Raserei kontrolliert, juckt das Denjenigen überhaupt nicht. Nach der Kontrolle, 1km weiter, wird wieder gerast. Man weis ja genau, das war die Kontrolle, und jetzt passiert mit Kontrollen im größeren Umkreis nix mehr. …