Bahnarbeiter arbeiten vor einem Nahverkehrszug im Bahnhof Ilmenau
Bahnarbeiter arbeiten vor einem Nahverkehrszug im Bahnhof Ilmenau Bildrechte: IMAGO

Der Redakteur | 08.11.2018 Wer reinigt die Gleisbetten?

Die Gleisbetten z.B. im Bahnhof in Heilbad Heiligenstadt oder in Leinefelde sind sehr verschmutzt. Warum werden diese von der Bahn nicht gereinigt?

von Thomas Becker

Bahnarbeiter arbeiten vor einem Nahverkehrszug im Bahnhof Ilmenau
Bahnarbeiter arbeiten vor einem Nahverkehrszug im Bahnhof Ilmenau Bildrechte: IMAGO

Saubere Bahnanlagen sind eine tolle Sache. Bahn und Politik sind an dieser Stelle gefordert und müssten doch einfach nur mal aus dem Teig kommen. So ähnlich klang die E-Mail, die uns erreicht hat, angesichts der verschmutzen Gleise auf den Bahnhöfen in Heilbad Heiligenstadt, Leinefelde und anderswo. Überraschende Erkenntnis: Es sind nicht die Bahnmitarbeiter, die ihren Unrat auf die Gleise werfen und sie nehmen auch nur ungern den Schwarzen Peter entgegen, wenn es um das mangelhafte Reinigen geht. Auch wenn sich heute einige Hörer meldeten und mit dem Hinweis auf die stattlichen Fahrpreise eine gewisse Sauberkeit einforderten.

Wenn wir Gleise reinigen würden, wäre das ein hoher manueller Aufwand und ein sehr hoher fahrplantechnischer Aufwand. Wenn sich nämlich Menschen im Gleis aufhalten, müssen diese für den Zugverkehr gesperrt werden. Wir müssten also Züge ausfallen lassen, um die Gleise zu reinigen.

Jörg Bönisch, Sprecher Deutsche Bahn Leipzig
Ein Aufkleber 'Danke, dass sie hier nicht rauchen!' an einer Glasscheibe.
Gleisbett ist kein Aschenbecher Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Zwar gibt es "Staubsauger", die zum Beispiel bei den S-Bahnen in Berlin im Einsatz sind. Diese haben Zuggröße und brauchen freie Fahrt. S-Bahn-Strecken haben da den Vorteil, dass nachts wirklich keine Züge fahren, auch keine Güterzüge, und dann eben solche Reinigungsfahrten durchgeführt werden können. Auch ist das Streckennetz überschaubar und die Entfernungen zwischen den Bahnhöfen sind geringer. Man stelle sich nur mal vor, eine solche "Kehrmaschine" würde von ICE-Bahnhof zu ICE-Bahnhof "eilen" um dort jeweils hin und her zu rangieren von Gleis 1 bis Gleis x um dort die Gleisbetten zu reinigen. Das in den Fahrplan einzutakten, wäre eine ziemliche Herausforderung.

So bleibt eigentlich nur der überraschende Appell an alle Reisenden, doch bitte die bereitgestellten Mülleimer zu nutzen und eben nicht die Gleisbetten. In diesem Zusammenhang steht auch der Hinweis von Jörg Bönisch, dass der "große Aschenbecher" mit dem Schotter am Boden ein Grund dafür war, dass unsere Bahnhöfe heute rauchfrei sind. Denn es war offenbar verführerisch cool, kurz vor dem Einsteigen die Kippe unter den Waggon zu schnippen. Entsprechend sahen die Gleisbetten vor den Bahnsteigkanten auch aus. Wer bitte soll das aufsammeln?

Dass das alles in den Zwischenräumen des Schotters verschwindet und demzufolge auch kein Problem darstellt, ist übrigens ein Irrtum. Denn am Ende des Jahrzehnts oder auch Vierteljahrhunderts kommt in Abhängigkeit von der Belastung der Strecke der Tag, an dem tatsächlich die Schottersteine gereinigt werden. Das übernimmt ein gelbes Monster, das durchaus 140 Meter lang sein kann und einen Lärm veranstaltet, der zur Größe passt. Jochen Stein fährt ein solches Teil. Er ist allerdings nicht für die Aktion "Schöner unsere Gleise" unterwegs, sondern für unsere Sicherheit.

Der Schotter muss so sauber sein, dass er verzahnt. Wenn da ein hoher Schmutzanteil drin ist, dann hat das Nachteile für Stabilität.

Jochen Stein, Fa. Wiebe Holding GmbH & Co. KG

Denn über das Schotterbett werden Last und Schwingungen nach unten abgeleitet und wenn der Zug drübergefahren ist, sollte sich das Gleis noch an seinem Ort befinden und zwar exakt. Bei speziellen Messfahrten wird das auch immer wieder überprüft. Den Streckenläufer mit dem "Hämmerchen" gibt es nicht mehr. Und das ist auch gut so, bei Tempo 300 auf unseren ICE-Strecken.

Wenn die Spezialzüge dann über einen Gleisabschnitt gelärmt sind, dann ist der Schotter durchgesiebt und "nachgefüllt" und enthält nur noch die vorgeschriebenen Steingrößen. Auch Schwellen werden bei dieser Gelegenheit ausgetauscht oder das komplette Gleis. Hinterher sieht dann alles schön sauber aus. Wobei man auch sagen muss, dass außerhalb der Bahnhöfe es vor allen Dingen Mutter Natur ist, die das Schotterbett verunreinigt. Stichwort Laub, Äste usw. und nicht alles wird von den Zügen wieder "hinweggefegt".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 08. November 2018 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2018, 16:40 Uhr

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4 Kommentare

09.11.2018 19:42 Kaufmann 4

Man erlebt es an Bahnsteigen und Bushaltestellen immer wieder: Einige Leute müssen schon morgens um 5 Uhr ihrer Zigaretten-Sucht nachgehen.

Selbstverständlich wird dann auch in Nichtraucherzonen gequalmt. Personal der Bahn ist ja meist nicht mehr vor Ort. Wenn ein anderer sich gestört fühlen sollte, bekommt er einen blöden Spruch zu hören.

Auch beim Warten auf den Bus. Einige Raucher nutzen sogar drei Minuten Wartezeit aus, um die Luft zu verpesten. Da konnen dann 5 Leute ohne Zigarette im Regenunterstand warten. Dann kommt ein sechster dazu und qualmt alles voll. Jeder muss es einatmen - besonders dumm wenn es gerade regnet. Das grenzt schon an Körperverletzung.

Natürlich wird dann hinterher der Zigarettenmüll einfach auf den Boden geworfen. Auch ganze Schachteln. Unmöglich!

09.11.2018 17:18 Tunkfurm 3

Dass bei der S-Bahn Berlin nachts keine Züge fahren, kann man generell so nicht sagen. Das Zeitfenster der Betriebspause ist sehr kurz. Am Bahnhof Ostkreuz fährt die Ringbahn beispielsweise bis morgens um ca. halb 2! Wenig später um 4 Uhr fahren dann schon die nächsten planmäßigen S-Bahn-Züge.

Ab Freitagabend bis Montag früh gibt es gar keine Betriebsruhe. Da ist auch nachts durchgehend Zugverkehr. Trotzdem bekommt die S-Bahn ihre Gleise gereinigt. Und das bei der enormen Größe der Stadt, mit unzähligen Bahnstationen.