Der Redakteur | 04.02.2019 Sind Pomelos mit Schadstoffen belastet?

Renate Richter aus Zella-Mehlis möchte wissen, ob Pomelos aus China bedenkenlos gegessen werden können. Oder ob sie mit Schadstoffen belastet sind. Thomas Becker hat nachgeforscht.

von Thomas Becker

Pomelostücke auf einem Teller.
Pomelos kommen oftmal aus China. Sind die Früchte Schadstoffbelastet? Bildrechte: Colourbox.de

Unsere Pomelos kommen heute zwar meistens aus China, aber die ersten kamen in den 70er Jahren aus Israel nach Westeuropa. Hervorgegangen ist die Pomelo aus mehrfachen Kreuzungen von Mandarine und Pampelmuse. Erst entstanden Orange und Grapefruit und unter erneuter Mithilfe der Pampelmuse irgendwann die Pomelo. Mittlerweile gehört sie zu den Standards im Supermarkt. Dank ihrer Größe ist sie auch schlecht zu übersehen. Wenig Kalorien und viel Vitamin C sprechen für das gelbe Ungetüm, das sich aber erstaunlich leicht schälen lässt, wenn man jetzt Verwandte wie Pampelmuse oder Apfelsinen als Vergleichsfrucht nimmt.

Spätestens nach dem "Entkleiden" ist aber Händewaschen angesag. Die Früchte sind zwar meistens in einer Schrumpffolie verpackt, sodass auf dem Transportweg nichts Schädliches hinzukommen kann, aber Rückstände von Pflanzenschutzmitteln werden eben doch immer wieder nachgewiesen.

Regelmäßig gibt es Stichproben

So lange die Pomelos nicht auffällig werden, weil sie beispielsweise im Verdacht stehen für Erkrankungswellen verantwortlich zu sein, werden sie kontrolliert wie jedes andere Lebensmittel auch. Erster Verantwortlicher in der EU ist der Hersteller. So lange China noch nicht zur EU gehört, springt der Importeur als "Hersteller" ein. Er hat dafür zu sorgen, dass die Waren, die er einführt bzw. in den Verkehr bringt, die gesetzlichen Vorschriften einhält und er tut auch gut daran, das durch Laboruntersuchungen zu überprüfen. Denn die Lebensmittelüberwachungen der Länder machen regelmäßig Stichproben.

Nun ist zwar in Thüringen seit 2010 keine Pomelo mehr im Labor gewesen, aber das ist nicht verwunderlich, weil sie hier weder wächst, noch in einem unserer "zahlreichen" Häfen oder Flughäfen landet. Entsprechend sind zum Beispiel die Kollegen in Hamburg (Hafen) oder Hessen (Flughafen) zuständig. Und alle Daten aus den Bundesländern landen dann im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und in dessen "Nationaler Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln". Der jährliche Bericht ist online abrufbar und so gut sortiert wie Ihr Supermarkt.

Konkret bedeutet das für die chinesischen Pomelos des Jahres 2017, dass sie nicht zu den übermäßig auffälligen Früchten gehörte. Das war 2016 und 2015 noch ein klein wenig anders, aber auch nicht alarmierend. Für 2018 liegen die Zahlen noch nicht vor. Grapefruit, Pomelo, und Sweetie (ein Grapefruit-Handelsname) kamen im Jahr 2017 zusammen exakt 100 Mal ins Labor. Die "Rückstandsquote" lag zwar bei 91 Prozent, das bedeutet aber nur, dass da Rückstände nachgewiesen wurden. Und zwar in geringen Mengen, von Bio war ja auch nicht die Rede.

2017 kam es bei vier Proben zu Überschreitungen von Rückstandshöchstgehalten. (…) Aber es gab keine Beanstandungen bei Proben aus China bei Grapefruit, Pomelo und Sweetie.

Nina Banspach, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Diese vier Proben waren Früchte aus der Türkei und einem unbekannten Drittstaat. Zum Vergleich: Bei allen 2017 untersuchten Lebensmitteln aus Drittstaaten wurden bei 6,3 Prozent der Proben Rückstandshöchstgehalte überschritten. Proben mit tolerierbaren Rückständen wie bei den chinesischen Pomelos gibt es übrigens auch bei den Produkten aus EU und aus Deutschland. Beispiel unsere ‚deutsche‘ Zwiebel.

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Zwiebeln

Von 236 Zwiebelproben insgesamt wurden bei 22,5 Prozent Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden, ohne Grenzwertüberschreitungen. 163 Proben davon kamen aus Deutschland, bei 21,5 Prozent waren Rückstände nachweisbar. Allerdings wurden hier keine "Grenzwerte" überschritten, die wie gesagt Rückstandshöchstgehalte heißen. Äpfel kamen gleich 628 Mal ins Labor, 484 Proben hatten Rückstände, Grenzwertüberschreitungen gab es bei exakt zehn Proben, acht davon kamen aus Deutschland, der Rest aus der EU. So gesehen kann man hier durchaus Äpfel mit Pomelos vergleichen, ohne allerdings die uns unbekannten Produktionsbedingungen in China zu bewerten.

Pomelo
Nach dem Schälen Hände waschen! Bildrechte: Colourbox.de

Die CO2-Bilanz der Pomelo soll nicht die beste sein, bei der Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln soll China auch nicht zimperlich sein, so konnte man es in verschiedenen Medienberichten in der Vergangenheit immer wieder lesen. Das ist schlecht für Boden und Grundwasser in China. Die gute Nachricht für uns Verbraucher ist aber eben auch, dass für all diese Stoffe auf der Schale Schluss ist, wenn man sich beim Schälen geschickt anstellt und sich anschließend gründlich die Hände wäscht.

Das funktioniert bei Äpfeln nicht ganz so gut und bei Brunnenkresse oder Salat gar nicht. Während die Brunnenkresse gemeinsam in einer Kategorie getestet mit Wasserspinat und der Kräuterpflanze Mukunuwenna, unerlaubte Rückstandshöchstgehalte bei zehn von zwölf Proben aufzuweisen hatte, glänzte der Feldsalat an dieser Stelle mit einer glatten 0,0! Und auch der grüne Salat war nur in 0,6 Prozent der Fälle im verbotenen Bereich.

Was verdächtig aussieht und schmeckt, wird untersucht

Trotzdem gilt für Salat und Pomelo das Gleiche, das auch für den stinkenden Fisch oder den chemisch schmeckenden Apfel gilt: Die kommunalen Lebensmittelüberwachungsämter nehmen verdächtige Früchtchen entgegen und geben sie ins Labor.

Das nennt sich bei uns ‚Verdachtsprobe‘ und da wird vom kommunalen Amt ein Schein ausgestellt, auf dem steht, was untersucht werden soll.

Verena Meyer, Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz

Und am Ende landet auch diese Probe als Nummer im Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Der Verbraucher mit guter Nase oder empfindlichem Gaumen kann also durchaus auch einen Beitrag zur Lebensmittelsicherheit leisten.

Denn die Menge an Nahrungsmitteln, die wir aus fernen Ländern importieren, ist schon beträchtlich. Und weil wir es gerne essreif und erntefrisch mögen, gibt’s eben die sogenannte "Flugmango". Die kann zwar selbst nicht fliegen, kam aber eben nicht mit dem Schiff, sondern per Flugzeug zu uns in den Supermarkt. Es sei denn, sie ist einer Stichprobe zum Opfer gefallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 04. Februar 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 19:28 Uhr

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