Der Redakteur | 06.01.2020 Welche Fehler sollte man als Absender vermeiden?

Kurz vor Silvester hatte MDR THÜRINGEN viele Brief- und Paketgeschichten aus den Weihnachtsfeiertagen im Programm. Teilweise waren Briefe, Postkarten und Pakete nicht mehr rechtzeitig angekommen oder überhaupt nicht. Nun ist es einfach, alles auf die Post zu schieben. Welche Fehler sollte man aber als Absender vermeiden?

von Thomas Becker

Ein Mann wirft einen Brief in einen Briefkasten.
Als Absender kann man alles richtig machen - oder auch einiges falsch. Bildrechte: dpa

Fast elf Millionen Pakete hatte alleine die Deutsche Post vor Weihnachten zu bewältigen. Und zwar pro Tag. Deshalb wurden zusätzliche Autos angemietet und Saisonkräfte beschäftigt und die Bänder in den Postzentren liefen auf Hochtouren. 50.000 Pakete sortieren die großen Bänder in der Stunde und wenn alles richtig läuft, dann schaffen es die allermeisten Briefe und Pakete auch am nächsten Tag bis zum Empfänger.

E + 1 nennen wir das, das heißt: Heute aufgegeben in der Filiale oder vor der letzten Leerung im Briefkasten eingelegt, ist der Brief in 94 Prozent der Fälle am nächsten Tag beim Empfänger. Egal ob das von Hamburg nach München oder von Erfurt nach Greiz geht. Bei Paketen sind wir bei etwas über 80 Prozent. Auch E + 1.

Alexander Böhm, Sprecher der Deutschen Post

Wenn wir zunächst  bei den Paketen bleiben: Das Paket wird auf dem "Postamt" abgeholt und landet im Start-Paketzentrum (PZA). Davon gibt es 35 in ganz Deutschland und die Augen der Maschinen richten sich zunächst auf die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl. Wer an dieser Stelle einen Fehler macht, hat schon verloren. Mit der "99" haben viele Thüringer Glück, da sind Zahlendreher selten. Wer in Bremen wohnt (28…) und einen Paket mit dem Zahlendreher (82…) wartet, der kann "E + 1" schon mal vergessen, denn das Paket geht erst mal runter nach Bayern, so der Postsprecher. Wird dort der Fehler bemerkt und korrigiert, dann wird noch alles gut und das Paket ist "E + 2" beim Empfänger. Wenn nicht, dann geht’s zurück zum Absender.

Um den nun folgenden Einwänden gleich einen Riegel vorzuschieben: Ja, es kommt vor, dass Zusteller gar nicht klingeln oder zu kurz warten. Ja, es kommt vor, dass Zusteller den falschen Briefkasten erwischen, auch wiederholt. Und ja, es gibt die tollsten Geschichten, was Postboten so alles anstellen. Aber die Mitarbeiter der Postunternehmen, die sich heute bei uns gemeldet haben, bitten sehr darum, das nicht zu pauschalieren. Auch dürfen solche Fehler und Auswüchse nicht als Begründung herhalten, lieber einmal falsch als gar nicht auszuliefern. Zustellung ist per Gesetz kein Glückspiel. Und es wird auch nicht an die Adresse gesendet, die der aufgedruckten am nächsten kommt. Allenfalls wird der Zusteller, der seine "Schäflein" kennt, einen Brief zustellen, wenn er zweifelsfrei erkennt, wen die Tante gemeint hat. Auch wenn die Hausnummer von der 53 zur 52 mutiert ist.

Wir haben die Verpflichtung, alle Sendungen zweifelsfrei zuzustellen. Beispiel: Herrn Müller, Hauptstraße, Erfurt - diese Sendung können wir nicht zweifelsfrei zustellen.

Alexander Böhm, Sprecher der Deutschen Post

Diese Sendung ginge also retour. Auch wenn es eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit gibt, bei  - angenommen - zwei Müllers in der Hauptstraße, den richtigen Müller zu erwischen. Doch "retour" bedeutet: Wenigstens der Absender sollte korrekt sein. Der gehört nach wie vor zu den nicht ganz unwichtigen Angaben auf einem Brief, bzw. auf einem Paket und besonders dort auch darin. Ist nämlich der klassische Zettel beigelegt, wäre dies der einfachste Hinweis für die Kollegen in Wuppertal, wenn der ausgelaufene Rotwein aus dem Nachbarpaket den Aufkleber abgeweicht hat.

eine Hand mit Federhalter beim Schreiben auf ein Blatt Papier
Bildrechte: imago/Dirk Holst

In Wuppertal befindet sich nämlich das "Detektivzentrum" für Pakete. Briefe und Postkarten ohne Zustellchance landen in Marburg. Hier arbeiten besonders vereidigte Mitarbeiter, die nach Hinweisen suchen, die zur Ermittlung von Empfänger bzw. Absender führen. Wenn das nicht gelingt, wird die Sendung detailliert digital erfasst. Das heißt, bei Paketen kommt eine Beschreibung des Inhalts in eine Datenbank, bei der gemalten Postkarte werden sich eindeutige Stichworte wie "Kind", "Sonne" oder "Blume" finden lassen. Wenn nun jemand eine Sendung vermisst, kann er mit einer möglichst genauen Beschreibung Glück haben.

Nach drei Monaten werden Postsendungen vernichtet

Nach rund drei Monaten werden die Sendungen dann vernichtet bzw. amtlich versteigert. Aber keine Angst, persönliche Gegenstände kommen nicht unter dem Hammer. Alexander Böhm nennt die SD-Card als Beispiel. Diese würde nur versteigert, wenn sie eindeutig originalverpackt ist.

Ein Mitarbeiter der Deutschen Post leert einen Briefkasten. 19 min
Bildrechte: dpa

Aber die meisten Sendungen verlassen das Startpaketzentrum dann doch mit dem richtigen Ziel. Das hat den ganzen Tag im Modus "Export" gearbeitet und die Sendungen den anderen Paketzentren zugeordnet. Nachts gehen dann die Lkw auf die Straße, die nun sternförmig ihre "Wechselbehälter" in Richtung Zielpaketzentrum (PZE) fahren. Das war Stunden zuvor selbst noch ein Startpaketzentrum und ist nun auf "Import-Betrieb" umgestellt. Und der Begriff "in Richtung" bezüglich der Lkw-Ziele ist auch korrekt, denn das Ganze läuft schon ein bisschen wie die klassische Eimerkette. Also ein Post-Lkw mit einem Wechselbehälter, der von Bremen nach München muss, der fährt nicht die komplette Strecke und auf dem Rückweg nimmt er dann einen Wechselbehälter mit, der für sein eigenes Paketzentrum bestimmt ist. In diesem System des Durchreichens kann aber einiges passieren, sodass in der Folge "E + 1" nicht mehr zu halten ist. Und die Gründe müssen nicht einmal etwas mit der Post zu tun haben. Stichwort: Schnee und Eis und schlimmer.

Das kann ein Unfall sein auf der Autobahn. Unsere Fahrzeuge fahren jede Nacht sternförmig zu den Brief- bzw. Paketzentren und wenn es einen Unfall gab, der gar nichts mit uns zu tun gehabt haben muss, stehen wir genauso im Stau, wie jeder andere Autofahrer. Dort, wo die Lkw aufeinander warten, wird der Anschluss verpasst und dadurch gibt es eine Laufzeitverzögerung von einem Tag.

Das wäre höhere Gewalt und nicht die Regel. Sehr oft - so im Falle verschwundener Weihnachtskarten - ist eine fehlerhafte Anschrift schuld. Hier gilt nämlich genauso das Prinzip "zweifelsfrei", was die Zustellung betrifft und Absenderangaben fehlen meistens. Wohin also mit den guten Wünschen? Diese landen wie die unzustellbaren Briefe in Marburg, bei den "Briefdetektiven". Sie können dort gern nachfragen. Und zwar ebenfalls übers Internet.

Solche Nachforschungen sind immer Sache des Absenders, denn er ist ja Vertragspartner der Post.

Bitte keine Stricke um Pakete schnüren

Und noch etwas, weil es dazu ebenfalls einige Fragen gab: Dass die Anschrift leserlich sein sollte, versteht sich von selbst. Und wenn man sich bei blauer Schrift auf dunkelroten Umschlägen schon die Augen verbiegen muss, um die Adresse zu entziffern, ergeht es der Maschine im Verteilzentrum nicht anders. Also ein bisschen Kontrast ist schon hilfreich, auch eine ordentliche Schrift trägt zur Beschleunigung des Prozesses bei. Aber es muss nicht unbedingt Normschrift sein, die Lesetechnik der Post ist Kummer gewöhnt und bewältigt auch Arztgekritzel und Sütterlin. Und wenn doch nicht, wird aussortiert, ein kleiner händischer Umweg gemacht und dann geht’s im besten Falle wieder rein ins System. Das wird aber meistens taggleich und auch vor Ort erledigt, ist aber Handarbeit und man kann sich vorstellen, dass sich in der Weihnachtszeit dunkelrote Karten häufen...

Mitarbeiter des MfS bei der Paketkontrolle
Das Westpaket mit guter alter Schnur. Bildrechte: BStU

Und wenn Sie dazu beitragen wollen, dass die Sortieranlagen störungsfrei laufen, dann lassen Sie beim Paket künftig den Strick weg. Der gehörte zwar - kunstvoll geknotet - zu jedem vernünftigen Westpaket, ist aber heutzutage ein Risiko für die teure Technik. Einmal gerissen, wickeln sich Stricke und ähnliche Bänder gern um Wellen und Rollen und führen schlimmstenfalls zum Stillstand des Systems. "E + 1" ist dann nicht mehr zu halten und das gilt nicht nur für Ihr Paket.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 06. Januar 2020 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 14:15 Uhr

1 Kommentar

part vor 3 Wochen

Doch am Ende der Kette stehen Postzusteller/innen, die sehr gern mal die Sendung in den falschen Brifkasten verbringen oder eine Software den Namen bedeutender schätzt als die Adresse. Am Anfang der Kette steht aber die Privatisierung der Postzustellung und Zerschlagung eines Staatsuntenehmens in drei Aktiengesellschaften, die im Verbund mit Erwerb von Auslandsaktien sogar noch Verluste produzierten, gegenübe Gewinnen vorher. Der Verzicht der Postzustellung am Montag ist schon in Vorbereitung, viele Menschen lesen dann am Dienstag oder Mittwoch ihre Montagszeitung und dies bei Preiserhöhungen in bestimmten Grossos um das Fünffache. Die Rendite für die Aktienanleger bestimmt das Geschehen, nicht der öffentliche Versorgungsauftrag...