Pflanzenschutzmittel wird mit einem Traktor auf einem Feld versprüht
Es ist nicht alles Raps, was gelb ist! Bildrechte: IMAGO

Der Redakteur | 05.06.2019 Was wird gegen sich auswildernden Raps getan?

Fabian Diethard aus Meiningen wundert sich: Derzeit wächst überall der Raps. Aber nicht nur auf den Feldern, sondern auf den Wiesen und an den Straßenrändern. Der Raps verdrängt alles! Wird etwas dagegen getan und von wem?

von Thomas Becker

Pflanzenschutzmittel wird mit einem Traktor auf einem Feld versprüht
Es ist nicht alles Raps, was gelb ist! Bildrechte: IMAGO

Es ist nicht alles Raps, was gelb ist. Auch wenn es so aussieht. Natürlich kann es passieren, dass sich der Raps heimlich vom Feld schleicht und sich dann irgendwo in der Nähe am Straßenrand oder auf benachbarten Wiesen niederlässt. Doch unserer hochgezüchteten Kulturpflanze ergeht es ungefähr so wie uns. Wir beide sind unfähig geworden, in der freien Natur zu überleben. Wer kann heute schon noch ein Tier jagen und zubereiten oder bei den angebotenen Pflanzen und Pilzen die essbaren und nicht essbaren unterscheiden. Und unsere Kulturpflanzen sind auch ein bisschen verwöhnt, sie gehen zwar nicht im Supermarkt einkaufen, haben aber einen Lieferservice.

Die Pflanzen sind angepasst, was man ihnen anbieten. Man hat sie ja gezüchtet auf möglichst guten Ertrag, bei Raps auf Ertrag und Ölgehalt. Und sie benötigen, um optimal zu wachsen, auch eine optimale Betreuung.

Jürgen Schwarz, Julius-Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Auf einer Wiese oder am Straßenrand wird gemäht, da wird der Raps einen Kopf kürzer gemacht und sollte eigentlich auch nur im aktuellen Jahr zu sehen sein. Grundsätzlich sieht Jürgen Schwarz in die Natur zurückkehrende Kulturpflanzen nicht als Problem, so lange wir eben nicht anfangen, mit Genmanipulation der Natur ins Handwerk zu pfuschen. Es sind dann eher eingewanderte Pflanzen ein Problem für unsere einheimischen Natur- beziehungsweise Kulturpflanzen.

Blick auf ein gelb blühendes Rapsfeld 7 min
Bildrechte: Colourbox.de

Ist es Raps oder das Orientalische Zackenschötchen?

Und da sind wir auch direkt bei den gelben rapsähnlichen Pflanzen, die wir wohl tatsächlich statt des Rapses beobachtet haben könnten. Es handelt sich da um Bunias orientalis L. (Brassicaceae), das Orientalische Zackenschötchen. Die Pflanze stammt aus Ost- und Südosteuropa oder Sibirien und wird bis zu zwei Meter hoch. Die Blüten sind schön rapsgelb, allerdings etwas runder gruppiert als beim Raps und auch die Früchte später sehen ganz anders aus.

Orientalische Zackenschote
Das Zackenschötchen Bildrechte: IMAGO

Das Bundesamt für Naturschutz hat die Pflanze schon eine ganze Weile auf dem Schirm, die auch nicht erst jetzt in nördlichere oder mitteleuropäische Gefilde gekommen ist. Der Herr Linné hat sie bereits 1768 in Schweden entdeckt, auch die Österreicher kennen sie schon länger. In Thüringen ist die Zunahme seit 1940 beobachtet worden, seit 20 Jahren hat sich das noch einmal verstärkt. Und wir sind daran nicht ganz unschuldig, weil wir - wenn wir bauen - mit der angelieferten Muttererde auch wachstumsfähige Wurzelreste oder den Samen fröhlich verteilen. Und das Zuckerschötchen fühlt sich wohl auf Thüringer Böden.

Die Massenvorkommen, besonders an Straßenrändern, konzentrieren sich auf die warmen Muschelkalkgebiete Nordbayerns, Hessens und Thüringens.

Beobachtung des Bundesamtes für Naturschutz

Es hilft nur eines: aufessen!

Das Zackenschötchen wächst auch gern an Böschungen, sogar an Weinbergen, aber auch auf trockenen Wiesen und Halbtrockenrasen. Im Gegensatz zur Ambrosia zum Beispiel geht von ihm aber keine Gefahr für uns aus. Auf den ersten Blick ist sie auch eine wunderbare Nahrungsquelle für Bienen. Nur diese vernachlässigen dann angesichts des Überangebots und der recht dominanten Erscheinung unsere einheimischen Pflanzen. Blöderweise finden Weidetiere die Pflanze wegen ihres rettichartigen Geschmacks nicht besonders lecker und die dicken Stängel sind auch sehr störend, wenn der Landwirt Heu macht. Sie trocknen nämlich nur sehr langsam, was zu gefährlichen Schimmelherden in den Heuballen führen kann.

Ein Zurückdrängen der Pflanze ist gar nicht so einfach, weil vieles, was wir spontan tun, eher als dankbare Wachstumshilfe entgegengenommen wird. Zum Beispiel reifen umgeknickte Pflanzen fröhlich aus. Man muss auch den richtigen Zeitpunkt zum Mähen erwischen, am besten gegen Ende der Blütezeit. Wenn zu früh gemäht wird, blühen die Pflanzen ein zweites Mal. Und die Pflanzen wachsen schneller als ihre Kollegen in der Nachbarschaft.

Auch Pflügen, Umgraben und Fräsen führt zu keinem Rückgang dieser Art, sondern durch Wurzelfragmentierung und Einarbeitung der Samen eher zu einer Verdichtung der Bestände.

Empfehlung des Bundesamtes für Naturschutz

Es ist ein bisschen wie beim Löwenzahn. Die Pfahlwurzeln des Zackenschötchens müssen tief ausgestochen werden und Reste treiben immer wieder aus. Deshalb muss das Ausstechen wiederholt werden, bis sich die Regenerationsfähigkeit erschöpft hat. Darüber hinaus ist der Samen auch noch über viele Jahre keimfähig. Es bleibt uns aber notfalls noch ein anderer Weg: Aufessen! Die jungen zarten Triebe sind gekocht oder als Salat essbar, die einjährige Wurzel kann wie Meerrettich verwendet werden. Guten Appetit.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 05. Juni 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2019, 16:27 Uhr

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