Der Redakteur | 25.03.2019 Schadet eine Vier-Tage-Woche der Wirtschaft?

Christina Martin aus Großrudestedt fragt: "Schadet es Wirtschaft, wenn wir von Montag bis Donnerstag vielleicht zehn Stunden pro Tag arbeiten und dafür am Freitag frei machen?"

Eine junge Frau arbeitet an einem Schreibtisch zwischen zwei Aktenbergen
Lieber vier Mal zehn statt fünf Mal acht Stunden arbeiten? Bildrechte: IMAGO

Es ist nicht so, dass es die "Vier-Tage-Woche" nicht schon gibt, aber sie ist eher selten. Auch sind die Untersuchungen zum Thema spärlich gesät. In Neuseeland hat eine Finanzfirma sie bereits einmal ausprobiert. Sie haben den Mitarbeitern einen straffen Plan in die Hand gegeben und am Ende kam heraus: Die Arbeitnehmer waren um 20 Prozent effektiver am Arbeitsplatz, glücklicher und weniger gestresst.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass den Mitarbeitern die Freitagsstunden nicht an den anderen Tagen oben drauf gepackt wurden, sondern die Gesamtarbeitszeit wurde von 37,5 Wochenstunden auf 30 Stunden reduziert. Aber ganz offenbar hat sich das am Ende nicht negativ auf die "Produktion" ausgewirkt. Das mag bei einer Finanzfirma funktionieren, die Bänder in einem Autowerk laufen deshalb aber nicht schneller. Deshalb sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) solche Modelle eher kritisch.

Ich kann mir das vorstellen, wenn die Arbeitslosigkeit wieder steigen sollte, wenn die Digitalisierung Auswirkungen hat oder bestimmte Produktionslinien sich ändern wie es in der Automobilindustrie wieder aktuell werden könnte. Aber momentan sehe ich das nicht.

Johannes Jakob Abteilungsleiter Arbeitsmarktpolitik beim DGB-Bundesvorstand

Aber was würde die Vier-Tage-Woche mit der Wirtschaft machen? Dazu liegen einfach noch keine belastbaren Untersuchungen vor. Die Skandinavier haben aber schon Modelle mit einer Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von acht auf sechs Stunden durchprobiert und waren mitunter auch sehr zufrieden mit den Ergebnissen.

Gesündere und entspanntere Mitarbeiter können für ein Unternehmen tatsächlich ein echter Gewinn sein. Da wäre ein "Umlage" des Freitags mit der Folge, dass wir den Rest der Woche länger arbeiten, vielleicht doch etwas kontraproduktiv. Denn das Verdichten von Arbeit durch Rationalisierungen an allen möglichen Stellen ist als Dauerzustand kaum denkbar.

Ich glaub jeder von uns kennt Phasen, in denen man unter großem Druck unglaublich viel hinbekommt. Da ist das manchmal sogar schon beflügelnd, wenn man weiß: Das muss ich in drei Stunden raushauen und dann ist man fertig. Aber ob man das jeden Tag durchhalten kann, weiß ich nicht.

Dr. Josephine Hofmann Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

Klar ist, das Arbeitszeitgesetz lässt zwar zehn Stunden täglich zu, aber besser wird mit zunehmender Arbeitsdauer wohl kaum jemand. Zudem steigen die Unfallzahlen signifikant an, so der Gewerkschafter. Der Trend zu flexibleren Arbeitszeiten, Heimarbeit und Teilzeit ist aber hochaktuell und wenn dabei ein freier Freitag herausspringt - warum nicht?

Es gibt keine längerfristigen Untersuchungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, wie das tatsächlich funktioniert und was das im Endergebnis mit der Arbeit, der Qualität und auch mit den Arbeitnehmenden anstellt. Wir sind mit einigen Unternehmen im Gespräch, die so etwas probieren wollen. Und es sind ganz unterschiedliche Hypothesen, mit denen wir da auch selbst rangehen.

Dr. Josephine Hofmann Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

So ganz nebenbei haben wir in Ostdeutschland – aber nicht nur hier – ja noch ein bisschen was gut. Die 40-Stunden-Woche ist für viele Menschen hierzulande der Alltag. Anderswo geht der Vollzeit-Arbeitnehmer 37,5 oder gar nur 35 Stunden arbeiten.

Wenn wir jemals den Freitag beim Wort nehmen und frei haben, dann wird das wohl über Reduzierungsmodelle gehen und über eine faire Organisation. Denn wenn der Freitag frei ist, heißt das ja noch nicht, dass an diesem Tag die Firma nicht erreichbar ist. Deshalb könnte es so laufen, dass in einer 4-Tage-Woche der "freie Freitag" für einige dann eben auf den Montag fällt. Und wenn man das dann noch mit dem freien Freitag der Vorwoche kombinieren könnte, wäre das sogar noch ein kleines Konjunkturprogramm für die heimische Tourismusbranche.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 25. März 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 19:43 Uhr

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2 Kommentare

26.03.2019 13:08 Liane büchner 2

noch ein kleiner Nachsatz

die wWrtschaft wird immer klagen, das das nicht geht, denn die sind Gewinn orientiert.

in manchen Bereichen ist es eben nicht möglich,jeden Tag 10Stunden zu arbeiten. nur um Freitag frei zu haben.

da ist die körperliche Belastung zu groß. und gesetzlich auch nicht vorgesehen zum wohle der arbeitenden Bevölkerung.

26.03.2019 13:00 liane büchner 1

Hallo das mag vielleicht im öffentlichen Dienst funktionieren aber es gibt genug Bereiche ,wo Freitag als Arbeitstag angebracht ist und auch bleibt . ich denke da an die Logistik - Branche
da fragt niemand, welcher Wochentag gerade ist.
jeder setzt voraus ;so egoistisch wie die Welt nun mal ist,
das der Logistiker rund um die Uhr für einen da ist.

und vergisst das das auch Menschen sind, die nicht alle im öffentlichen Bereich arbeiten können