Frau, deren Gesicht von blonen Haaren verdeckt ist
Tapfer sein: Blond ist eine Art Gendefekt der Haarzellen Bildrechte: Colourbox.de

Der Redakteur | 04.12.2018 Warum sind auf den Titelseiten vieler TV-Zeitschriften nur blonde Frauen abgebildet?

Cornelia Schlaak aus Gera möchte wissen, warum auf den Titelseiten vieler Fernsehzeitschriften oft fast ausschließlich blonde Frauen abgebildet sind. Unser "Redakteur" Thomas Becker hat recherchiert.

Frau, deren Gesicht von blonen Haaren verdeckt ist
Tapfer sein: Blond ist eine Art Gendefekt der Haarzellen Bildrechte: Colourbox.de

So sind sie, die Blondinen: Goldig, selten und eine Wohltat fürs Auge. Nein, für eine solche Beschreibung muss man kein Macho sein, eher Mathematiker oder Historiker. Und ein bisschen Psychologie ist wohl auch im Spiel.

Das mag hierzulande überraschen, aber weltweit gesehen sind Blondinen und blonde Herren in der Minderheit. Etwa zwei Prozent der Menschheit ist blond. Bevor die Europäer ausschwärmten, konzentrierten sich die Blonden auf den nordeuropäischen Raum. Es gab aber schon immer blonde Inseln. Einzelne Stämme in Papua Neuguinea oder auf den Salomonen oder auch Indianerstämme in Amerika hatten einen Anteil an blonden Menschen. Auch in Nordafrika gab es punktuell blonde Regionen. Und überall war blond natürlich etwas Außergewöhnliches und ist es in vielen "dunkelhaarigen Gegenden" bis heute. Zum Beispiel eben in Afrika oder Asien.

Schönheitsideal seit der Antike

Hier könnte ein erster Ansatz liegen für die Beantwortung der Frage, denn wenn etwas selten ist, erzeugt das natürlich Aufmerksamkeit. Allerdings sind nun Blondinen weder bei uns selten noch auf unseren TV-Zeitschriften. Es muss also noch etwas anderes geben und da sind wir im Arbeitsbereich des Historikers. Bei den Ägyptern war blond ein Schönheitsideal, bei den alten Griechen gar eine göttliche Haarfarbe. Im Mittelalter erfreute man sich an hellblonde Locken und einer weißen Haut, die bekanntermaßen auch in Adelskreisen schick war.

Blond - eine Punktmutation von KITLG

Die Schauspielerin Anna Maria Mühe
Auch schon auf dem Titelbild gewesen: Anna Maria Mühe Bildrechte: dpa

Irgendwann kam dann Marilyn und dazwischen gab es eine Zeit, in der das Blonde über allem stand in der Welt und natürlich auch überlegen war. Irrtum! Denn blond ist eher ein Gendefekt, ganz hart formuliert. Etwas wohlwollender kann man es als Genmutation bezeichnen und zwar – ohne ins Detail zu gehen – eine Punktmutation im Gen KITLG. Irgendein Transkriptionsfaktor wird gehemmt, das schlägt sich auf die Entwicklung und Regeneration von Haarfollikelzellen nieder und am Ende der Beweiskette fehlt das Melanin. Im Ergebnis ist das Haar heller, zur Freude aller Programmzeitschriften. Diese bilden dann die blonden Frauen ab und damit allerdings auch nur das, was wir kaufen wollen. Den Markt der Programmzeitschriften in Deutschland teilen sich im Wesentlichen Bauer, Funke, Klambt und Burda - und alle bringen auch mehr als eine TV-Zeitschrift heraus. Die meisten davon haben blonde Frauen auf dem Titelbild.

Eine wissenschaftliche Erklärung kann ich dafür nicht liefern. Aber wenn man sich im Zeitschriftenregal umschaut, dann ist das ein freundliches Bild. Das ist hell und das kommt im Gesamtbild recht freundlich rüber. Bei sehr dunkelhaarigen Frauen hat man so eine Art dunkle Masse auf dem Titel und ich kann mir vorstellen, dass das für viele ein Argument ist, das nicht zu machen.

Stefanie Heidrich Chefredaktion Programmzeitschriften, Mediengruppe Klambt
Reese Witherspoon
Reese Witherspoon Bildrechte: IMAGO

Allerdings gibt es in ihrem Verlag kein System, "Nicht-Blonde" bewusst auszusortieren. Die Frage ist auch immer, ob eine Fernsehzeitung grundsätzlich auf Stars oder auf "neutrale" Models setzt. Bei den Stars ist natürlich die Zahl begrenzt. Es muss immer einen Bezug geben zum aktuellen Programm und dann müssen auch noch Fotos verfügbar sein, die den Ansprüchen genügen, die sich der Verlag gesetzt hat. Und viele Agenturfotos werden mit blonden Mädchen gemacht und viele (weibliche) Stars färben ihre Haare und zwar blond! Mitunter gibt es aber auch unternehmerische Entscheidungen, die etwas mit dem Gesamtauftritt und dem Erscheinungsbild der Marke zu tun haben.

Wir sind ja als Zeitschrift so zu sehen wie ein Markenartikel. Unsere Titelseite ist quasi unsere Verpackung. Wenn Sie das mit einem Schokoriegel vergleichen, dann hat der auch immer die gleiche Verpackung. In unserem Fall ist es eine blonde Frau in einem roten Kleid, die praktisch diese Markenartikel-Signale aussendet.

Jörg Tobuschat Verlagsleiter Programmzeitschriften, Funke Mediengruppe

Nun könnte man auf die Idee kommen, einfach doch mal etwas anderes aufs Cover zu drucken, um unter den vielen Blonden mit einem Schwarzhaarigen aber so was von aufzufallen, aber das scheint ein hohes Risiko in sich zu tragen. Denn das – so die Erfahrung von  Jörg Tobuschat – drückt sofort auf die Verkaufszahlen.

So mutig wäre ich einfach nicht. Schauen Sie sich Frauenzeitschriften an. Auch dort sind keine Männer abgebildet, sondern Frauen. Es ist ganz selten, dass da mal ein Pierce Brosnan oder ein Daniel Craig drauf ist. Die müssen dann schon eine wahnsinnig hohe Prominenz haben. Das sind letztlich auch immer Ausnahmen. Es sind einfach fast immer Frauen, die zumindest wir auf unsere Titel stellen.

Jörg Tobuschat Verlagsleiter Programmzeitschriften, Funke Mediengruppe

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Nein, es sind nicht immer Männer, die am Ende die Entscheidung treffen. Bei Stefanie Heidrich zum Beispiel sind nur blonde Frauen in der Chefredaktion, die alle durchaus auch mal ins Risiko gehen würden.

Wenn in der Programmwoche ein muskulöser schöner Mann im Fernsehen zu sehen ist, dann scheuen wir uns nicht, den aufs Titelblatt zu heben. Aber sagen Sie mir mal, wen ich aufs Titelblatt heben soll? Einen schönen muskulösen Mann, den man gerne anschaut?

Stefanie Heidrich Chefredaktion Programmzeitschriften, Mediengruppe Klambt

Vorschläge bitte unten ins Formularfeld eintragen, aber beachten, dass er wirklich schön ist. Denn das ist auch noch so eine Geschichte. Wirklich schön sind doch nur Frauen, oder? Und so eine Programmzeitschrift liegt je nach Laufzeit mehrere Tage oder sogar Wochen auf dem Stubentisch.

Und da will man schöne Sachen liegen haben und da suche ich mir die Schönste aus, die mein Wohnzimmer schmückt.

Jörg Tobuschat Verlagsleiter Programmzeitschriften, Funke Mediengruppe

Das bedeutet: Wir sind in der Summe mit unserem Kauf- und Denkverhalten offenbar selbst schuld, dass eher "blond statt Bond" auf den Titeln zu sehen ist. Aber wir Männer sollten uns damit nicht zufrieden geben! Schließlich ist Gleichberechtigung ein wichtiges Thema unserer Zeit und die kann keine Einbahnstraße sein. Alice Schwarzer, bitte übernehmen Sie!

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 04. Dezember 2018 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 13:13 Uhr

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1 Kommentar

05.12.2018 14:05 slaw 1

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na das Ganze um die "Schönen" dient der totalen
Verblödung. Hauptsache den Müll kaufen. Was sonst.
Komisch nur, dass keine Frauen mal aufmucken,
sich dagegen wehren!!
Überall sind halbnackte Frauen zu sehen, meistens
mit sauerstoffgeblaichten Haaren. Aber keine von denen besitzt eine echte, natürliche Ausstrahlung.
Das ist meine Meinung.