Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
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Der Redakteur | 14.05.2019 Wie gefährlich sind verunglückte E-Autos?

Horst Heinrich aus Töttelstedt möchte wissen: Was muss man bei einem Unfall mit Elektroautos beachten? Müssen die Rettungshelfer immer eine Zeit warten, bis die Batterien keinen Strom mehr abgeben?

von Thomas Becker

Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
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Grundsätzlich gilt: Wo viel Energie auf engstem Raum gespeichert ist, sollte man nicht in der Nähe sein, wenn sich diese auf einen Schlag entlädt. Das gilt für die gespannte Feder genauso wie für den Schnellkochtopf in der Küche, den Fahrzeugtank, den Chinaböller oder eben die E-Auto-Akkus. Man sollte aber wissen, dass die elektrische Antriebselektrik nichts mit dem herkömmlichen 12-Volt-Bordnetz zu tun hat und auch nicht wie dieses "über Masse" mit der Karosserie selbst verbunden ist.

Vor Hochspannung warnt ein Schild vor dem Umspannwerk.
Vorsicht Hochspannung: Elektroautos arbeiten mit einem Hochvoltnetz. Bildrechte: dpa

So wie bei Erdgasfahrzeugen ein Ventil am Tank automatisch dicht macht, wenn der Airbag auslöst, wird beim Auslösen eines Airbags das Hochvoltnetz eines E-Autos automatisch heruntergefahren. Schmelzsicherungen unterbrechen bei einem Kurzschluss in der Batterie den Stromfluss. Also durch das einfache Berühren der Karosserie einen Stromschlag zu bekommen, ist physikalisch nahezu ausgeschlossen, denn es muss dafür ja ein Stromkreis geschlossen werden.

Klar ist, man sollte sich vielleicht nicht unbedingt an möglicherweise freiliegenden Kabeln zu schaffen machen, aber dieser Hinweis gilt nicht erst seit der Erfindung des E-Autos. Für die Feuerwehr ist die Hochvolttechnik nur eine von vielen Herausforderungen, die der technische Fortschritt nun mal mit sich bringt.

Ganz am Anfang waren Airbags auch Teufelszeug für Feuerwehrleute. Da sollte man nicht mehr an das Fahrzeug heran, die können explodieren. Da haben wir auch gelernt, damit umzugehen.

Michael Schwabe, Thüringer Feuerwehrverband

Auch deshalb gibt es Schulungen, wo genau diese neuen Entwicklungen Thema sind. Michael Schwabe verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Problematik der Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Auch hier wurde die Gefahr hochgespielt, das Horrorszenario reihenweise abbrennender Häuser unter den Augen einer hilflosen Feuerwehr geisterte durch das Netz. Aber dazu ist es nicht gekommen.

Blick in den Motorraum eines Elektro-Kleinwagens.
Blick in den Motorraum eines Elektro-Kleinwagens. Bildrechte: dpa

Überraschungen gibt ohnehin es immer am Einsatzort, das Waffenlager in einer brennenden Wohnung ist auch nicht der Normalfall und auch nicht die Sammlung von Propangasflaschen. Überall ist es wichtig, sämtliche verfügbaren Informationen zusammenzutragen und die Einsatztaktik entsprechend anzupassen. Bei einem verunglückten Auto gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, über die Kennzeichenabfrage mehr über einen möglicherweise unbekannten Typ zu erfahren. Die Rettungsleitstellen können dann im besten Falle Hinweise an die Einsatzkräfte durchgeben.

Es ist weniger der Stromschlag, der bei E-Autos zum Problem werden kann, als das Verhalten der Batterien, wenn es dann wirklich mal brennt. Mit dem Löschen ist es da unter Umständen nicht getan, weil es ähnlich wie bei "Glutnestern" gern wieder losgeht. Deshalb muss man sich immer Gedanken machen, ob ein vermeintlich gelöschtes E-Auto mit einem  "normalen" Abschleppwagen transportiert werden kann und wie es am Abstellort aussieht.

Hat das Abschleppunternehmen die Möglichkeit, dieses Fahrzeug separat zu lagern, damit – wenn es sich entzündet – nicht andere Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen werden? Oder muss man ein solches Fahrzeug in einen Container verbringen und permanent mit Wasser kühlen?

Michael Schwabe, Thüringer Feuerwehrverband

Das sind Fragen, die aktuell unter Experten diskutiert werden. Aber um solche Dinge müssen sich die Ersthelfer vor Ort keine Gedanken machen. Der gesunde Menschenverstand ist immer hilfreich und dazu offene Augen und Ohren für sämtliche Gefahren am Unfallort. Auch im E-Auto-Zeitalter scheinen da eher die Airbag-Systeme, scharfe Kanten, ein Kippen des Fahrzeugs oder der nachfolgende Verkehr die Dinge zu sein, an die man beim Umgang mit einem Unfallfahrzeug denken sollte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 13. Mai 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2019, 15:00 Uhr

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1 Kommentar

14.05.2019 20:30 Klaus Pfister 1

Dieses Teufelszeug erst ueberhaupt nicht kaufen und auf den Strassen damit rumfahren!