Ein Mann wirft einen Brief in einen Briefkasten.
Falsch adressierte Briefe gibt man am besten seinem Postboten noch einmal mit oder man wirft sie noch einmal in einen Briefkasten.s Bildrechte: dpa

Der Redakteur | 15.03.2019 Muss ich einen Brief-Irrläufer zurückschicken?

Bis zu 1.000 Briefe muss ein Post-Zusteller pro Tag austragen. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Brief im falschen Kasten landet. Wie verhält man sich in so einem Fall als Empfänger? Das möchte Uwe Pape aus Dingelstädt wissen.

Ein Mann wirft einen Brief in einen Briefkasten.
Falsch adressierte Briefe gibt man am besten seinem Postboten noch einmal mit oder man wirft sie noch einmal in einen Briefkasten.s Bildrechte: dpa

Die Post kämpft ein wenig um ihren Ruf. Verschwundene Sendungen oder lange Laufzeiten brachten das Unternehmen zuletzt in die Schlagzeilen. Am Ende der Fehlerkette ist der Zusteller, der bei 1.000 Briefen, die er pro Tag in den Briefkästen versenkt, durchaus auch mal den falschen Schlitz erwischt. Sei es, weil die falsche Hausnummer oder ein ähnlicher Nachname auf dem Umschlag steht oder weil der Brief einfach im großen Stapel an der falschen Stelle lag. Denn die Briefe sind ja entsprechend der Route sortiert. Es wäre ein Akt der Freundlichkeit, den Brief einfach in den richtigen Briefkasten zu werfen, wenn der wahre Empfänger erkennbar ist und das Ganze keine Weltreise nach sich zieht. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten

Wenn Sie die Möglichkeit haben, am besten den Brief dem Postboten wieder in die Hand drücken oder einfach mit dem Vermerk 'Irrläufer' in den nächstgelegenen gelben Briefkasten werfen.

Thomas Kutsch, Sprecher Deutsche Post

Auf keinen Fall sollten Sie jedoch den Brief vernichten oder öffnen. Hier sind Sie ganz schnell im strafbaren Bereich, nachzulesen im Strafgesetzbuch. Wie wichtig unserer Gesellschaft das Briefgeheimnis ist, sieht man daran, dass es sogar einen eigenen Artikel im Grundgesetz dafür gibt. In Artikel 10 ist die "Unverletzlichkeit" festgeschrieben und wer falsche Post öffnet, muss laut § 202 Strafgesetzbuch mit einer Geld- oder gar einer Freiheitstrafe rechnen. Bis zu ein Jahr sind vorgesehen, für Mitarbeiter von Postunternehmen sogar bis zu fünf Jahre.

Nun häufen sich in letzter Zeit die Fälle, in denen Verbrauchern einfach unbestellte Ware zugeschickt wird. Name und Adresse sind eindeutig, aber der Empfänger hat überhaupt nichts bestellt. In solchen Fällen ist dem Verbraucher - nicht einer Firma (!) - so gut wie alles erlaubt. 2002 hat der Gesetzgeber sogar das BGB um den § 241a erweitert. Dort steht, vereinfacht gesagt, aber kompliziert formuliert, dass der Unternehmer keinerlei Ansprüche geltend machen kann. Vorsicht aber: Das gilt nicht für offensichtliche Irrtümer, also wenn erkennbar der Name der Nachbarin auf dem Paket steht, dann gelten die folgenden Empfehlungen natürlich nicht. Auch nicht, wenn das Paket - so wie der schon beschriebene Brief - erkennbar ein Irrläufer ist.

Aber wenn Ihnen ein Versandhaus etwas "Gutes" tun will und Ihnen vielleicht sogar mit erhöhtem Zahlungsdruck und leichten Drohgebärden unbestellte Waren andrehen will, dann können Sie das Paket ganz entspannt öffnen und den Inhalt entsorgen, verschenken oder verbrauchen. Aktuell beschäftigt sich die Verbraucherzentrale in Thüringen mit Sendungen an ältere Menschen männlichen Geschlechts, die unaufgefordert Wunderpillen mit dem vielversprechenden Namen "Horsepower" zugeschickt bekommen.

Teilweise wird auch mit Inkassounternehmen gedroht. Manchmal haben die Verbraucher die Mittel auch ausprobiert. Aber selbst wenn Sie diese Pillen ausprobiert haben, sind Sie nicht verpflichtet zu zahlen.

Mara Mertin, Pressesprecherin Verbraucherzentrale Thüringen

Einziger Pferdefuß bei Horsepower & Co., im besten Falle nützen die Pferdepillen nichts, im schlechteren Falle schaden sie Ihrer Gesundheit. Gehen Sie getrost davon aus, dass jemand, der Ihnen ungefragt etwas zusendet, nicht so sehr Ihr Wohlergehen im Auge hat, sondern sein eigenes.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 15. März 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2019, 15:06 Uhr

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